Ladeinfrastruktur aufbauen

Das Thema Batterie ist für mich eines der nervigeren. Theoretisch ist es ganz einfach: Die Motorradbatterie wird im Winter abgeklemmt, ggf. warm und trocken gelagert und immer mal wieder geladen. Praktisch läuft es dann meist doch nicht so und im Frühjahr muss eine neue Batterie her.

Motorradbatterien richtig überwintern

Ich habe immer versucht, meine Motorradbatterien pfleglich über den Winter zu bringen. Warm und trocken, regelmäßig geladen oder sogar dauerhaft mit der Erhaltungsfunktion am Ladegerät.

Aber mindestens eine hat den Winterschlaf dann doch nicht überlebt. Weil ich eine Ladeampel angeschlossen hatte, die die Batterie tiefentladen hat. (Was für eine dämliche Erfindung!) Weil mein Sohn am Zündschloss rumgespielt hat und die Zündung monatelang an war, mit dem gleichen Ergebnis. Weil ich zu faul zum Ausbau war. Etc.

Tipp: Manchmal ließen sich die toten Batterien mit einem Trick wiederbeleben: eine intakte Batterie kurzzeitig direkt an die defekte anschließen, Plus auf Plus und Minus auf Minus. Wichtig ist, dass man einen Verbraucher dazwischen hängt, ein Blinkerbirnchen genügt schon. Manchmal kann man damit eine tiefentladene Batterie wieder ganz kurz auf 9 oder 10 Volt pushen. Wenn man sie dann sofort an ein Ladegerät anschließt, bekommt man sie mit etwas Glück wieder geladen. Aber ihre alte Leistung wird sie trotzdem nicht wiederbekommen.

Und da mein Fuhrpark immer größer wird und ich immer fauler, brauche ich eine Lösung, die möglichst einfach ist und für alle meine Maschinen funktioniert. Ich brauche eine universelle Ladeinfrastruktur. 😉

Ein Ladegerät für alle

Ich habe ein schon etwas älteres Ladegerät, das aber immer noch wunderbar funktioniert: Ein H-Tronic AL 1000plus. Dessen einziges Manko ist, dass es nur Krokoklemmen hat. Manche meiner Batterien sind aber so versteckt eingebaut, dass ich mit den Klemmen gar nicht rankomme. Ich habe aber keine Lust, überall die Batterien auszubauen. Bei manchen Motorrädern ist das nämlich gar nicht so einfach möglich.

Mein Plan: Alle Motorräder sollen Ladebuchsen bekommen, an die ich direkt das Ladegerät anstecken kann. Die sollen möglich klein und robust sein, damit sie ganzjährig am Motorrad bleiben können. So kann ich auch zwischendurch schnell mal nachladen, wenn es nötig sein sollte. Außerdem müssen sie natürlich wasserdicht sein, denn ein Kurzschluss direkt an der Batterie ist unschön.

Es gibt verschiedene Anbieter und Systeme auf dem Markt, die Ladegeräte und dazu passender Adapter und Buchsen anbieten. Natürlich sind all diese System untereinander nicht kompatibel. Ein Hoch auf die freie Marktwirtschaft! 😉

Nach einiger Recherche bin ich bei CTEK gelandet. Deren Produkte gibt es unter anderem bei Louis zu kaufen. Der Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Die Buchsen sind mit Abstand die günstigsten: momentan kostet eine knapp 5 Euro. Trotzdem machen sie einen mindestens genauso guten Eindruck und erfüllen alle meine Vorgaben.

Ich hatte kurz überlegt, ob ich mir nicht einfach ein passendes Ladegerät von CTEK dazukaufen soll. Aber da meines tadellos funktioniert und mir die Bastelei Spaß macht, blieb es beim ursprünglichen Plan.

Ladegerät

Mein gutes, altes Ladegerät von H-Tronic und die neuen Ladestecker von CTEK.

Hier das Ergebnis meines Einkaufs: Links mein altes Ladegerät, rechts 5 Ladebuchsen mit teilweise unterschiedlich großen Ringösen und ein Ladestecker. Oben liegt noch die bereits genannte Ladebuchse mit Ladeampel, die ebenfalls von CTEK stammt. Die lege ich mir als Reserve zur Seite, denn wegen ihres hohen Ruhestroms möchte ich die lieber nicht mehr dauerhaft an einem Motorrad montieren.

Jetzt wird gelötet und gecrimpt

Die Ladebuchsen für die Honda und die BMW musste ich nicht umbauen, die konnte ich direkt mit den Ringösen an die Batterien schrauben. Die Ladebuchsen für meine 3 MZetten musste ich aber auf 6,3mm-Flachstecker umrüsten, um sie an die Batterie anschließen zu können: Also Ringösen abschneiden, Kabel abisolieren, Flachsteckhülse aufcrimpen und Schrumpfschlauch drüber.

Danach habe ich das Kabel mit den Krokoklammen vom Ladegerät abgetrennt und einen verpolsicheren Stecker angebracht. Da das Gerät selbst nur in geschlossenen Räumen verwendet wird, musste der auch nicht wasserfest sein. Den Ladestecker habe ich an ein robustes und ca. 5 m langes 230V-Stromkabel angeschlossen, das ich an das Ladegerät anstecken kann. Das alte Krokoklemmenkabel hat auch einen passenden Stecker bekommen, damit ich es bei Bedarf ebenfalls benutzen kann. Fertig!

Motorradbatterie laden

Das Ladegerät mit neuem Kabel und die Ladebuchsen mit Flachsteckern.

Danach gab es einen ersten Probelauf am Lastengespann. Die Ladebuchse habe ich rechts oben aus dem Seitendeckel geführt, weil sie hier am besten vor Spritzwasser geschützt ist.

Motorradbatterie laden

Motorradbatterie laden

Kleiner Probelauf vor der Werkstatt: Läuft.

Das hat auf Anhieb wunderbar geklappt und die MZ durfte sich über eine kleine „Zwischenladung“ freuen.

Danach ging es nach Hause zur Garage, wo ich allen Motorrädern ihre Ladebuchse verpasst habe. Teilweise hinter dem Seitendeckel, teilweise unter der Sitzbank. Das Ladegerät steht in der Garagenecke und erreicht mit dem langen Ladekabel problemlos alle Motorräder. Sogar die Honda, die vor der Garage geparkt ist, kann ich so laden. Solange Buchse und Stecker dabei unter dem Seitendeckel bleiben, dürfte es auch bei Regen keine Probleme geben.

Das einzige „Problemchen“ ist nur noch, dass ich das Ladegerät immer abstecken muss, wenn ich zwischen den Motorrädern umstecke. Andernfalls bekommt die Lade-Elektronik Kopfschmerzen. Da werde ich wohl noch einen Hauptschalter im Anschlusskabel nachrüsten, damit das Ladegerät einfach den ganzen Winter eingesteckt bleiben kann.

Jetzt muss ich nur noch meine Faulheit in den Griff bekommen und alle 1-2 Wochen das Kabel umstecken. Dann starten hoffentlich alle Motorräder mit einer tadellosen und randvollen Batterie in die nächste Saison. 🙂

 

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2 Gedanken zu „Ladeinfrastruktur aufbauen

  1. Faszinierend. Fast genauso ist es mir auch passiert und ich habe ähnliches selbst gebaut. Nur dass ich mir mein eigenes Ladeset mit System und einem Aldi-Ladegerät zuerst gebaut hatte. Und dann haben mich die Buchsen mit der Ladeampel ver*rscht und ich habe auf die normalen an den Moppeds umgebaut.

  2. Yeah, gute Überlegung. War selbst zu faul darüber nachzudenken 🙂 habe mir jetzt die Buchsen bestellt und der mühsame Batterieausbau fällt flach. Nun nur nicht das umstecken vergessen. .-)

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