Reifenmontiergerät für Motorradfelgen umrüsten

Schon seit einiger Zeit bin ich stolzer Besitzer eines alten Beissbarth-Reifenmontiergerätes. Leider ist das für die (früher) üblichen Autofelgengrößen gedacht, mehr als 16 Zoll packt es innen nicht. Da mein Ratracer aber 18-Zoll-Felgen hat, musste ich mir was überlegen.

Bevor es losgeht, muss natürlich die wichtigste Frage geklärt werden:

Braucht man als normaler Hobbyschrauber ein Reifenmontiergerät?

Nein, natürlich nicht. Ich benutze es vielleicht 2-3 Mal im Jahr – wenn’s hochkommt. Andererseits zahlt man für das Aufziehen eines Schlauchreifens in manchen Werkstätten mittlerweile 20-30 Euro. Mag schon sein, dass das ein angemessener Preis für deren Arbeit ist, schließlich wollen die auch von was leben. Aber ein guter Reifen für eine MZ kostet nur ca. 30 Euro. Da stimmt für mich das Verhältnis einfach nicht. Und da man alte Reifenmontiergeräte mit etwas Geduld relativ günstig bekommt, hat man das Geld schnell wieder drin. Obendrein hat man das gute Gefühl, es selbst gemacht zu haben.

Insofern: Nein, man braucht so ein Gerät nicht. Aber eines zu haben ist schon ziemlich cool. 😉


Adapter für Motorradfelgen?

Das Problem ist altbekannt: Auf einem normalen Reifenmontiergerät für Autos lassen sich große Motorradfelgen nicht einspannen. 15 oder 16 Zoll sind meist kein Problem, aber mehr geht nicht, weil die Aufnahme nicht weit genug öffnet. Deshalb gibt es für solche Geräte meist Adapter. Mein Gerät ist aber so alt, dass man dafür nichts mehr bekommt. Adapter von aktuellen Geräten passen nicht und eine Anpassung erscheint mir aufgrund des Preises auch uninteressant: So ein Set aus 4 Spannklauen kostet gerne mal 300 oder 400 Euro. Also deutlich mehr als das ganze Gerät. 🙁

Also blieb nur, mir selbst etwas zu bauen. Schauen wir uns mal an, wie die Spannklauen aufgebaut sind:

Spannklaue Beissbarth

So sieht eine Spannklaue an meinem Beissbarth-Reifenmontiergerät original aus. In den Winkel wird das Felgenhorn geklemmt, wo es von kleinen Kunststoffstopfen an der Oberseite vor Kratzer geschützt wird.

Die Demontage war gar nicht so einfach, da die Schrauben gnadenlos festgerostet waren. Vier Schrauben musste ich ausbohren, bis alles in seine Einzelteile zerlegt war.

Spannklaue Beissbarth

Auf die Grundplatte (im Schlitz) kommt das quaderförmige Distanzstück (Mitte unten). Darauf das Blech (oben), der untere Teil der Klaue (links unten) und dann der obere Teil (links oben). Verschraubt wird alles mit einer M8-und einer M10-Innensechskantzylinderschraube.

Wie soll der Eigenbau-Adapter aussehen?

Wie immer war es mir wichtig, möglichst nichts zu zerstören und bei Bedarf alles wieder zurückbauen zu können. Außerdem wollte ich eine Lösung, mit der ich alle meine Felgen spannen kann, ohne zwischendurch umbauen zu müssen.

Der Plan war deshalb, den unteren Teil der Klaue einfach durch ein längeres Teil zu ersetzen und den oberen Teil weiter nach außen zu setzen und dort in einem zusätzlichen Gewinde zu verschrauben. So konnten die originalen Befestigungspunkte und alle anderen Teile unverändert genutzt werden.

Da meine größten Felgen 18 Zoll haben, würde es ausreichen, die Klaue ca. 1 Zoll (= 2,54 cm) weiter nach außen zu setzen. Prinzipiell hätte ich natürlich auch gleich weiter rausgehen können, um bei Bedarf 20 oder mehr Zoll einspannen zu können, aber ich wollte es nicht übertreiben. Am Ende hätten dann die 16er nicht mehr gepasst oder es wäre durch die längeren Hebel instabiler geworden.


Los geht’s

Zuerst habe ich mir ein Stück Stahl mit 25 x 35 x 300 mm besorgt. Beim freundlichen Schlosser um die Ecke hat mich das 5 Euro in die Kaffeekasse gekostet.

Stahl 25 x 35 x 300 mm

Den Stahl habe ich auf 73 mm abgelängt und dann die beiden originalen Befestigungslöcher inkl. versenkter Schraubenköpfe gebohrt. Danach habe ich das neue Befestigungsloch für die obere Klaue gebohrt und dort ein M10-Gewinde reingeschnitten. Daneben kam noch ein kleines Sackloch für die Verdrehsicherung.

Untere Spannklaue

Oben das originale Unterteil der Spannklaue, unten das neue. Links liegt das Oberteil.

(Wie man sieht, sind die beiden äußeren Löcher ziemlich nah am Rand, was natürlich nicht ideal ist. Leider hatte ich mich bei der Länge verrechnet und zu wenig Material gekauft. Dadurch ging das nicht anders. Hätte ich es 100 mm länger genommen, wäre es schöner geworden. Aber egal, es funktioniert ja und ist auch stabil genug.)

Zum Schluss habe ich noch die Vorderseite angefast, damit die Felge problemlos in Position rutschen kann.

Spannklaue Beissbarth

Nun wurde es spannend, der Prototyp wurde montiert:

Spannklaue Beissbarth

Sieht zwar etwas klobig aus, passt aber wunderbar!

Nun musste ich nur noch 3 weitere anfertigen und montieren.

Spannklauen-Adapter Beissbarth

 

Die Adapter funktionieren wie geplant

Der erste „Trockentest“ mit einer leeren 18-Zollfelge lief wie erhofft: Die Felge ließ sich problemlos einsetzen und sauber einspannen.

18-Zollfelge in Motorrad-Spannklauen

Es ist außen noch etwas Luft, es müssten also sogar 19 Zoll reinpassen:

18-Zollfelge in Motorrad-Spannklauen

Zwischen Felgenhorn und Spannklauen ist im komplett geöffneten Zustand noch gut 1 cm Platz.

Nun war es an der Zeit, es mit einem richtigen Reifen zu probieren. An meinem Racer stand ohnehin der Wechsel des Vorderreifens an. Der hatte zwar noch ausreichend Profil, hatte aber schon starke „Sägezähne“, die sogar der TÜV bemängelt hatte.

Bridgestone BT45

Bridgestone BT45: vorne der alte mit gut sichtbaren Sägezähnen, hinten der neue Reifen.

Und da ein Bridgestone BT45 in der Größe keine 70 Euro kostet, habe ich nicht lange gezögert. Das Abziehen des alten und das Aufziehen des neuen Reifens haben dann auch wunderbar funktioniert.

Ratracer mit neuem Vorderreifen

Mein Ratracer mit neuem Vorderreifen.

Fazit

Warum mehrere hundert Euro für Spannklauenadapter ausgeben (die es in meinem Fall nicht einmal gibt), wenn man mit 5 Euro und 3 Stunden Arbeit das Gleiche erreicht? Alles funktioniert, wie es soll. Und bei Bedarf ist es in 10 Minuten wieder zurückgebaut. Mission erfüllt!

 

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