Fuhrparknotizen – Teil 25

Mit dem Motorradfahren sieht es bei mir dieses Jahr mal wieder ziemlich mau aus. Das liegt nicht nur an Corona und Dauerregen, sondern an meiner neuesten Baustelle. Denn die erweist sich als mein bislang größter Griff ins Klo.

Die Mutter aller Baustellen

Nein, ich rede nicht von noch einem Motorrad, das ich umbauen oder restaurieren will. Es geht um eine richtige Baustelle. Vor ein paar Monaten haben ich mir nämlich einen Lebenstraum erfüllt und mir ein kleines Haus gekauft. Baujahr 1907, 120 m² Wohnfläche, nur einen Steinwurf von Würzburg entfernt aber trotzdem richtig im Grünen gelegen, in einem urigen fränkischen Dorf, direkt an einem kleinen See, mit Blick über die Felder. Und das Wichtigste: Mit großer Werkstatt und Scheune. Ein Traum! Da ich soviel Geld natürlich nicht auf der hohen Kante habe, musste ich mich ganz schön verschulden.

Mein Häuschen mit Werkstatt. Hinten links sieht man den See.

Das Haus war bis vor Kurzem bewohnt. Aber trotzdem war klar, dass ich richtig viel Arbeit investieren muss, bevor ich einziehen kann. Neue Wasserinstallation, neue Elektrik, neue Heizung, Böden, Wände etc. Mehrere Fachleute haben das Haus vor dem Kauf besichtigt und ihren Segen gegeben: Sieht alles ganz solide aus, sollte mit dem geplanten Budget und viel Eigenleistung machbar sein.

Leider blieb es nicht dabei. Denn kaum hatte ich angefangen, die Gipskartonwände und den Putz rauszureißen, ging der Alptraum los. Alle Balken wurmstichig und vermodert, massive Baumängel und jahrzehntealter Pfusch und statische Probleme. Als Höhepunkt musste ich feststellen, dass das Haus offensichtlich mal unterkellert war, der Keller aber einfach mit losen Schutt zugeschüttet und mit Estrich übergossen wurde. Der Schutt ist mit der Zeit zusammengesackt und die Holzbalken im Keller restlos weggefault. Mit anderen Worten: Das Innere des Hauses und alle tragenden Innenwände stehen auf einer 5 cm dicken Estrichschicht, die in der Luft „schwebt“. Katastrophe.

Das Wohnzimmer. Die Wände sehen ganz okay aus, aber die Balken sind alle komplett zerfressen und an den Balkenköpfen weggegammelt.

Tja, und da stehe ich nun, habe zig Stunden und auch schon einiges Geld investiert, und weiß nicht, ob und wie es weitergeht. Abriss und Neubau kommen finanziell nicht infrage. Alles wieder verkaufen ginge natürlich, würde mich aber sicher alle meine Ersparnisse kosten und den Kredit hätte ich dann immer noch an der Backe. Nicht gut.

Die Küche. Die Deckenbalken sind teilweise nur noch wenige Zentimeter dick, die Bruchsteinmauern verdienen den Namen nicht.

Aktuell hole ich möglichst viele Fachleute ins Haus, um professionelle Meinungen zu bekommen. Und konkrete Kostenvoranschläge. Fazit bislang: Eine Sanierung ist durchaus möglich, aber natürlich teuer. Sehr teuer. Sehr viel teurer als mein ursprünglich geplantes Budget.

Das „Fundament“ meines Hauses: Weggegammelte Balken, ein paar Zentimeter Luft, dann loser Schutt. Ohje.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, aber an ein richtiges Happy End glaube ich nicht mehr. Wir werden sehen. Aber das erklärt vielleicht, warum ich momentan nicht viel zum Motorradfahren komme.


Das ETS-Gespann

Die ETS darf momentan überwiegend den Weg zur Kita und zurück fahren. Leider hat sie dabei ein bisschen gezickt.

Von heute auf übermorgen war plötzlich die Batterie tot. 2,3 statt 12 V. Die Zündung hatte ich nicht aus Versehen angelassen. Und die Batterie war erst ein gutes Jahr alt. Keine Ahnung, was die Ursache war. Ich habe ihr eine neue, etwas größere Batterie gegönnt, nun rennt die MZ wieder. Ich werde das aber im Auge behalten, vielleicht versteckt sich doch irgendwo ein kleiner Kurzschluss oder ein heimlicher Verbraucher.

Außerdem war ich fest davon überzeugt, dass im Auspuff was lose ist. Ein Prallblech oder so. Beim Fahren hat es hinten immer ganz furchtbar geklappert, der Auspuff war ziemlich laut und die Leistung ließ zu wünschen übrig (aus eigener Kraft kaum über 85 km/h). Dabei ist es kein billiger Auspuff, und er hat auch erst 2000 km runter! Also habe ich heute mal das Endstück abgeschraubt.

Der Auspuff meiner ETS250. Die demontierte Endkappe liegt links daneben.

Nur leider konnte ich beim besten Willen nichts finden, was am oder im Auspuff lose gewesen wäre. Alles bombenfest! Also habe ich ihn wieder zusammengeschraubt und den Motor angekickt: Lautes Klappern! Nur kam das nicht vom Auspuff, sondern von der Sitzbank. Genauer gesagt vom Deckel des Werkzeugfachs. 😉 Tja, das hätte ich vielleicht vorher mal prüfen sollen. Immerhin weiß ich jetzt, dass der Auspuff einwandfrei ist und die mangelnde Leistung nichts mit ihm zu tun hat.

Bei der Schrauberei habe ich dann noch was anderes geprüft. Ich hatte nämlich seit Langem das Problem, dass am Vorderrad irgendwas durchschlägt. Bei Bodenwellen oder Schlaglöchern spürte man harte Schläge im Lenker. Ich dachte anfangs, es wären die Stoßdämpfer. Aber nachdem ich dort weichere Federn eingebaut hatte, wurde es nicht besser. Außerdem neigte das Vorderrad bei vorsichtigem Bremsen zum Stempeln. Ich dachte deshalb, die Trommel wäre unrund und deshalb hüpft das Rad manchmal. Aber in letzter Zeit hatte ich das Gefühl, das Vorderrad hüpft nicht auf und ab, sondern vor und zurück. Mein Verdacht war deshalb, dass das Lenkkopflager Spiel hat. Also habe ich die Maschine aufgebockt und am Vorderrad gezogen. Siehe da, der gesamte Vorbau hatte deutlich spürbares Spiel! Das ließ sich schnell ändern: Flatterbremse entfernen, Lenkerhalter lösen, Lenkkopfmutter anziehen, alles wieder fixieren und fertig. Nun schlägt nichts mehr durch und sie bremst ohne Unruhe im Vorderrad. Hätte ich das mal früher geprüft!

Also alles gut bei der ETS? Ja, technisch schon. Aber auch nach 1,5 Jahren muss ich ehrlich sagen: So richtig schön finde ich sie nicht. Die sportlich-schlanke, elegante ETS in Kombination mit klobiger Schwinge, riesigem Kotflügel und überbreitem Lenker, das passt einfach nicht. Und der „patinierte“ Beiwagen macht es nicht besser. Es bleibt dabei: Sie ist selten, aber nicht schön. 😉


Die BMW R75/6

Letztes Jahr hat es mich viel Zeit und Nerven gekostet, die ganzen Standschäden an der BMW zu beseitigen. Am Ende lief sie zuverlässig und wir haben Freundschaft geschlossen.

Leider sind nun neue Probleme aufgetaucht. Plötzlich ging der Kilometerzähler nicht mehr. Dann ging er wieder. Dann wieder nicht. Und dabei blieb es bis jetzt. Anscheinend ein häufiges Problem bei diesen Jahrgängen. Ich habe im Zweiventilerforum jemanden gefunden, der das reparieren kann. Aber aus Zeitgründen nicht vor Herbst. 🙁

Zum Glück hatte ich noch meinen Fahrradtacho, aber der ging nur bis 99 km/h. Also habe ich mir einen Sigma-Tacho gekauft, der auch mehr anzeigen kann.

Der funktioniert wunderbar und ich weiß endlich wieder, wie weit ich seit dem letzten Tanken gefahren bin. Obendrein ist er mit knapp 20 Euro nicht teuer. Das tröstet über das hässliche 80er-Jahre-Design mit Raceflag und die hochglänzende Oberfläche hinweg, die die Lesbarkeit bei Sonne enorm erschwert.

Ein anderes Problem war der Seitenständer. Der saß nicht fest in seiner Halterklammer, sondern wackelte etwas darunter herum. In Kurven setzte er gerne laut klappernd auf dem Asphalt auf und hat mir jedesmal einen großen Schreck eingejagt. Der Fehler war schnell gefunden: Die Seitenständerfeder war verbogen.

Eine neue war fast genauso schnell montiert. Nun sitzt der Ständer wieder bombenfest. Bleibt nur die Frage, wie das passieren konnte. Hat sich die Feder selbst so verbogen oder hat das ein Vorbesitzer verbrochen?

Oben die alte, verbogene Seitenständerfeder, unten die neue.

Bleibt nur noch das Problem, dass die BMW links voller Öl ist. Sieht man auf dem Foto oben ganz gut. Wenn ich sie irgendwo abstelle, lässt sie immer ein paar Tropfen fallen. Ich habe den Öldruckschalter im Verdacht.

Ich werde sie wohl mal abdampfen müssen, dann sollte sich der Ursprung des Öls schnell finden lassen.


Die Honda CM185T …

… habe ich mittlerweile verkauft. Sie ist mir einfach nur auf die Nerven gegangen. Das Geld, das ich reingesteckt habe, habe ich nicht ganz wiederbekommen. Aber sie ist weg und ich habe damit eine Sorge weniger. Das war es mir wert. 🙂


Das ES/2-Gespann

Das Gespann begeistert immer noch durch Unverwüstlichkeit und macht sich sogar als Baustellenfahrzeug ganz gut. Zum Leidwesen der Hinter-mir-Fahrenden. 🙂

Mit Tempo 60 hart an der Zuladungs-, Leistungs- und Verzögerungsgrenze – Ein Traum auf 5 Rädern!

 

 

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2 Gedanken zu „Fuhrparknotizen – Teil 25

  1. Das mit deinem Haus tut mir richtig leid. Bin selbst Hausbesitzer und kann mir ganz gut vorstellen, wie du dich fühlst. Ich hoffe du kannst es retten. Scharm hat das Haus, wäre schade wenn es abgerissen werden muss.
    Deine Berichte hab ich schon vermisst. Verständlich, das du dafür zu wenig Zeit hast.
    Deine Art zu schreiben ist toll und liest sich gut. Ich habe mehrere Ostfahrzeuge u.A. ein ES Gespann. Wenn man dann deine Texte liest, inspiriert einem das.
    Ich wünsche dir viel Kraft und das du die Seite trotzdem weiter pflegst. Gruß von der Ostsee Christian

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