Ein Anhänger am Motorrad – Teil 2

Die Entscheidung steht: Ich will eine Anhängerkupplung und einen Anhänger für mein MZ-Gespann. Aber was macht man, wenn man keinen bezahlbaren findet? Man baut sich einen! Zum Glück ist ein Anhänger technisch nicht allzu kompliziert.

In „Ein Anhänger am Motorrad – Teil 1“ ging es um die Fragen, warum ich überhaupt einen Anhänger an mein Motorrad hängen will und welche Probleme ich dazu lösen muss. Jetzt geht’s richtig los:


Eine schwierige Suche

Anfangs hatte ich noch die Hoffnung, einfach einen passenden Anhänger kaufen zu können. Bei eBay Kleinanzeigen finden sich tausende Anhänger von ganz klein bis ganz groß. Darunter den richtigen zu finden ist aber nicht leicht. Denn wenn ich einfach nach „Anhänger“ suche, finde ich nur solche, die viel zu groß sind. Zur Erinnerung: Mein Wunschanhänger muss max. 1m breit und möglichst leicht sein. Suche ich nach „Motorradanhänger“, finde ich fast ausschließlich welche, die für den Motorradtransport gedacht sind. Also auch nichts für mich. Mit einer Suche nach „Quad Anhänger“ konnte ich die Ergebnisse immerhin auf relativ kleine und leichte eingrenzen. Es waren sogar ein oder zwei mit den gewünschten Maßen dabei, die aber viel zu teuer waren.

Nach langer Suche hatte ich einen gefunden, der von den Abmessungen und dem Preis nicht ganz passte, aber nah genug dran war. Also habe ich spontan zugegriffen und ihn in der Nähe von Frankfurt abgeholt.

Anhängertransport im Kofferraum

Vielleicht habe ich die Idee eines Anhängers nicht ganz verstanden, aber immerhin kann man so problemlos über 80 fahren. 😉


Ein Heinemann Z311

Es handelt sich um einen kleinen Heinemann Z311 mit einem zulässigem Gesamtgewicht von 300 kg. Der Kasten ist ziemlich exakt 106 cm breit (was auch der Breite der Räder entspricht) und ca. 115 cm lang. Komplette Papiere, frischer TÜV, nagelneue Reifen und Leuchten. Mit 250 Euro war er zwar etwas teurer als vergleichbare Anhänger, aber dafür war wirklich alles dabei und in gutem Zustand, insofern war das vertretbar.

Heinemann Z311 Anhänger

Heinemann Z311 AnhängerHeinemann Z311 Anhänger

Soweit sah das schon super aus! Jetzt musste ich ihn nur noch 6 cm schmaler bekommen, denn breiter als 1 m darf ein Anhänger am Motorrad nicht sein. Aber ist das wirklich so? 6 cm sind ja nun wirklich nicht dramatisch, vielleicht lässt der TÜV da mit sich reden? Ein freundliches Gespräch später war klar: Nein, da gibt es keinen Spielraum. 1 m darf er breit sein, keinen Millimeter mehr.


Wie macht man eine Achse 6 cm kürzer?

Meine Hoffnung, ihn mit geringem Aufwand schmaler zu bekommen, war schnell dahin. Die beiden Schwingen bestehen aus je einem Teil, da kann man also nichts zerlegen und ggf. kürzere Distanzstücke einbauen. Die Schwingen sind obendrein in den Achsträger gepresst und lassen sich mit „Hausmitteln“ nicht aus- und wieder einbauen.

Anhängerrahmen

Der nackige Anhängerrahmen. Zwei Längsträger, eine Achse, viel mehr ist nicht dran.

Option 1 wäre gewesen, eine neue Achse mit den passenden Maßen zu besorgen. Die Preise für solche Wunschanfertigungen gehen bei ca. 300 Euro los. Es gibt sogar Achsen mit variabler Länge für etwas weniger. Das war mir aber alles zu teuer, zumal ich ja eine gute Achse hatte, die nur etwas gekürzt werden musste.

Option 2 war, die vorhandene Achse zu kürzen. Also in der Mitte des Achsträgers ca. 7 cm raustrennen und die Hälften dann wieder verbinden. Da der TÜV das Schweißen an Rahmenteilen normalerweise nicht mag, habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht. Mir wurde z.B. empfohlen, die beiden Hälften mit einem U-Profil zu verschrauben bzw. zu klemmen. Umso überraschter war ich, als der TÜV-Prüfer davon nichts hören wollte und doch zum Schweißen riet. Allerdings nur, wenn es ein entsprechender Profi macht, der das auch schriftlich bestätigt.

Gekürzte Anhängerachse

Aus 1 mach 3: Mit meiner Bügelsäge habe ich die Achse innerhalb von Minuten 7 cm kürzer gemacht.

Ich habe daraufhin mehrere Firmen abgeklappert und bin bei der Firma Hensel aus Waldbrunn fündig geworden. Die bauen normalerweise Feuerwehren und dürfen deshalb auch selbst Rahmen anfertigen und schweißen. Ich habe die vorbereitete Achse hingebracht und konnte sie schon wenige Stunden später wieder abholen. 100 Euro plus Steuern hat mich der Spaß gekostet, was eigentlich ein sehr fairer Preis ist.

Geschweißte Anhängerachse

Ich war dann aber doch ziemlich enttäuscht, als ich das Ergebnis sah. Von einer handwerklich sauberen Schweißnaht ist das meilenweit entfernt. Und dass sie so grob abgeschliffen wurde, spricht ebenfalls nicht für die Qualität. Ganz im Ernst: Das hätte ich deutlich schöner hinbekommen.

Aber egal. Der Anhänger wird mit Beladung keine 120 kg wiegen und maximal 60 km/h fahren. Das hält auch diese unschöne Schweißnaht locker aus. Und der TÜV ist auch zufrieden, weil er ein entsprechendes Schriftstück dazu hat. Also schnell Farbe drüber und vergessen.

Anhängerrahmen mit geschweißter Anhängerachse

Das nächste Problem war der Rahmen. Die Befestigungspunkte der Achse sind durch das Kürzen jeweils knapp 4 cm nach innen gewandert. Die vom Rahmen aber nicht. Da der TÜV sich nicht damit anfreunden konnte, dass ich die Hälften einfach leicht zusammenbiege, habe ich zwei Adapterplatten aus 6mm-Stahl angefertigt. Letztlich war das sogar einfacher.


Ein neuer Aufbau für den Anhänger

Den alten Kasten-Aufbau wollte ich nicht wiederverwenden. Ich hätte ihn ebenfalls um 6 cm kürzen müssen, was bei dem dünnen Blech nicht einfach geworden wäre. Außerdem wollte ich ohnehin lieber eine Plattform, weil die flexibler ist. Die kann ich einfacher nach vorne und hinten überladen, habe einen niedrigeren Schwerpunkt und spare vielleicht sogar ein bisschen Gewicht.

Ich habe mir eine Siebdruckplatte mit 99 x 130 cm gekauft. Wahrscheinlich hätte auch eine relativ dünne für meine Zwecke gereicht, aber der TÜV bestand auf 21 mm. Außenrum habe ich, eher aus optischen Gründen, ein Aluprofil angebracht. Außerdem kamen in die Ecken 4 Zurrösen, über die Räder die alten Kunststoff-Kotflügel und davor noch zwei Unterlegkeile mit Haltern. Die Platte habe ich an den vorhandenen Befestigungslöchern mit Schlossschrauben verschraubt. Den Halter für das Ersatzrad habe ich an der Deichsel gelassen. Ich habe zwar kein Ersatzrad, aber als Anschlag für größere Transportstücke ist er sicher nicht schlecht.

Motorradanhänger


Es werde Licht!

Hinten müssen natürlich noch Reflektoren, Leuchten und das Kennzeichen ran. Interessanterweise hätte mir der TÜV sogar ein ganz kleines Leichtkraftrad-Kennzeichen erlaubt, aber ein normales Autokennzeichen passt meines Erachtens besser. Ich habe das alles auf eine Estrich-Setzlatte geschraubt. Die war leichter und billiger als vergleichbare Träger, die man fertig kaufen kann.

Motorradanhänger

Bei den Leuchten könnte es noch Probleme geben. Denn laut StVZO darf sich der niedrigste Punkt der Leuchtfläche nicht tiefer als 350 mm befinden. Wenn der unbeladene Anhänger gerade steht, passt das ziemlich genau. Am Ende kommt es aber darauf an, wie hoch die AHK montiert ist und wie der Anhänger dann mit Beladung steht. Im schlimmsten Fall muss ich zumindest die Leuchten oberhalb der Plattform befestigen.


Stoßfänger zum platzsparenden Parken

Ich habe noch zwei kleine „Stoßfänger“ gebaut, die hinten angebracht sind. Dadurch kann man den Anhänger problemlos aufrecht an die Wand stellen, ohne dass die Leuchten beschädigt werden.

Motorradanhänger

Damit ist er eigentlich fertig. Noch eine erste Anprobe:

Motorradanhänger

Perfekt! 🙂 Im nächsten Schritt geht es deshalb mit der Anhängerkupplung weiter.

PS: Der fertige Anhänger wiegt laut meiner Personenwaage übrigens ungefährt 55 kg. Nicht viel weniger als die originalen 60 kg, aber ein bisschen. Bei 115 kg Gesamtanhängelast bleiben also 60 kg Zuladung. Immerhin.

 

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