Ein Anhänger am Motorrad – Teil 1

Meine MZ mit Lastenbeiwagen ist ein geniales Fahrzeug. Sie ist zuverlässig, praktisch und bietet irre viel Stauraum. Aber was ist besser als viel Stauraum? Noch mehr Stauraum! Und deshalb muss jetzt eine Anhängerkupplung her! 😉

Es geht hier nicht um kleine Fahrrad-/Mofa-Anhänger oder klassische Einspur-Aanhänger á la „Campi“. Es geht um richtige Anhänger mit 50mm-Kugelkopfkupplung, wie sie normalerweise von Autos gezogen werden. Solche Anhänger sind an Motorrädern nicht allzu verbreitet. Was neben den offensichtlichen Gründen (Wer braucht einen Anhänger am Motorrad?!) auch daran liegt, dass es gar nicht so einfach ist, einen Anhänger (legal!) ans Motorrad zu bekommen. Wer es dennoch versucht, muss 3 Probleme lösen.


Was braucht man, um einen Anhänger mit dem Motorrad ziehen zu dürfen?

1. Die Anhängerkupplung

Es gibt nur ganz wenige Motorräder, für die man eine Anhängerkupplungen fertig kaufen kann: Ura/Dnepr und Honda Goldwing fallen mir spontan ein. Wer keines von beidem hat, muss sich folglich selbst was bauen.

2. Der Anhänger

Von Motorrädern dürfen ausschließlich Anhänger mit einer Maximalbreite von 100cm gezogen werden. So einen kleinen Anhänger braucht sonst niemand, entsprechend selten und teuer sind sie. Alternativ kann man sich einen breiteren Anhänger umbauen, was aber natürlich auch nicht ganz einfach ist. (Theoretisch gibt es bei Gespannen auch die Möglichkeit, sich einen breiteren Anhänger eintragen zu lassen. Dazu muss man aber die Zulassungsstelle überzeugen, dass ein schmaler Anhänger nicht zumutbar ist. Das muss man erstmal schaffen.)

3. Der TÜV-Segen

Am Ende müssen Anhängerkupplung und Anhänger natürlich noch den Segen des TÜV-Prüfers bekommen. Bei so exotischen Umbauten kann das richtig kompliziert werden.

Soviel zu den 3 Herausforderungen, denen ich mich in nächster Zeit stellen will.


MZ-Gespann als mobiler Marktstand

Wer noch mehr mit dem Motorrad transportieren will, kommt um einen Anhänger nicht herum.

Was ist sonst noch zu beachten?

1. Die Anhängelast

Bei modernen Autos sind meines Wissens 500 kg Anhängelast das Minimum. Selbst ein Smart darf 550 kg ziehen. Dass ein kleines Motorrad nicht so viel ziehen darf, dürfte klar sein. Man stelle sich die  Gefahrenbremsung eines 200 kg-Motorrades mit einem vollbeladenen 500 kg-Anhänger vor. Neee, das stelle ich mir lieber nicht vor. 😉

Die Formel für die Anhängelast beim Motorrad sieht so aus:

Anhängelast = (Leergewicht + 75kg) : 2

Die 75 kg sind ein fester Wert und stehen für den Fahrer. Man darf also die Hälfte dessen anhängen, was das leere Motorrad mit 75kg-Fahrer wiegt. Mein MZ-Gespann hat ein eingetrages Leergewicht von 151 kg (der Beiwagen zählt leider nicht mit), folglich darf ich 113 kg ziehen. In den MZ-Umbaurichtlinien findet sich die Angabe 115 kg.

Das ist echt nicht viel, zumal der Anhänger ja auch einiges wiegt. Ein stinknormaler Baumarkt-Anhänger mit Plane und einem zulässigen Gesamtgewicht von 750 kg wiegt leer schon knapp 140 kg, ist als schon ohne Zuladung überladen 😉 Ein Anhänger am Motorrad muss also so leicht wie irgend möglich sein, damit man noch eine brauchbare Zuladung hat. Das macht die Suche nicht einfacher.

2. Die Höchstgeschwindigkeit

Die StVO sagt: Motorräder mit Anhänger dürfen nicht schneller als 60 km/h fahren. Ohne Ausnahmen. Ende der Diskussion.

Dass das problematisch ist, dürfte klar sein. Gerade auf Autobahnen führt das regelmäßig zu Streit (Darf man dann überhaupt noch auf die Autobahn?) und gefährlichen Situationen. Ich habe mir sagen lassen, dass sich viele Anhängerfahrer nicht daran halten und aus Sicherheitsgründen Tempo 80 fahren. So können sie wenigstens mit den LKW mitschwimmen.

Für mich ist das eher nebensächlich. Ich bezweifle, dass mein 19PS-Moped mit beladenem Anhänger überhaupt schneller als 60 fahren kann. Und auf die Autobahn würde ich damit ohnehin nicht fahren.

3. Die Zulassung

Endlich ein erfreulicher Aspekt: Ein Anhänger am Motorrad kann als zulassungsfreier Anhänger genutzt werden. Das bedeutet, er wird einmal vom TÜV geprüft und bekommt dann ein Folgekennzeichen (also das gleiche Kennzeichen wie das Zugfahrzeug). Das war’s. Man muss für den Anhänger keine Steuern und keine Versicherung zahlen und auch nicht zur HU. Kein Stress und keinerlei laufende Kosten. Genial!


Soviel zur Theorie. Jetzt geht es los. Das Material ist größtenteils schon hier und einen ganz guten Plan habe ich auch. Was kann also schiefgehen? 😉

Teil 2: Ich baue einen Anhänger

PS: Ich habe bei der Anhängelast und der Zulassungsfreiheit etwas korrigiert.

 

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Ein Gedanke zu „Ein Anhänger am Motorrad – Teil 1

  1. Hallo Martin,
    Jawa gibt es auch noch mit dem Anhänger PAV40.
    Vielleicht kannst du dir dort noch ein paar Ideen holen.
    MfG Christian

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