Schall und Rauch

Ich habe diesen Blogbeitrag zum Thema Motorradlärm schon dreimal angefangen. Und jedesmal kurz vor dem Veröffentlichen wieder gelöscht. Es ist schon viel zu dem Thema geschrieben und gesagt worden, aber leider nicht viel Konstruktives.

Wir haben ein Problem!

Dass der Motorradlärm zugenommen hat, ist eine Tatsache. Auch dass er sich immer mehr an bestimmten Punkten ballt. Die Anwohner laufen seit Jahren Sturm, aber die Motorradfahrer und auch die Motorradindustrie tun so, als würde sie das nichts angehen. Sollen die sich mal nicht so haben.

Erst als die Politik völlig unerwartet die ganz große Fahrverbotskeule rausgeholt hat, hat auch der letzte Motorradfahrer begriffen, dass es ein Problem gibt. Nur leider haben viele nicht verstanden, dass sie selbst das Problem sind.

Hier übrigens ein exzellenter Artikel zum dem Thema: Auf beiden Ohren taub.


Loud Pipes save Lives?

Ich muss zugeben: ich war auch eine Zeitlang ein Vertreter der „Leise ist Scheiße“-Fraktion, inklusive entferntem dB-Eater im BOS-Sportauspufft. Ich bin mit dem offenen Endtopf 200 km gefahren und habe danach stundenlang nur Fiepen gehört. Ab da blieb der dB-Eater wieder an seinem Platz und ich war von solchen Extrem-Krach-Spinnereien geheilt. Lernen durch Schmerz. 😉

Trotzdem blieb meine Zuneigung zu kernigem Motorsound. Ein Motorrad muss nicht dauerhaft kreischen, aber akustisch präsent sein, sollte es schon.

Das Problem: Wenn einzelne so denken und ihre Freude an sattem Sound fernab Unbeteiligter ausleben, ist das völlig okay. Aber wenn alle so denken, Motorradfahrer und -hersteller, und sich dann immer und überall gegenseitig überbieten wollen, dann wird das zu einem sehr ernsthaften gesellschaftllichem Problem.

Mit den Folgen haben wir jetzt alle zu kämpfen. Denn Motorradfahrer werden in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr zu Leuten, die nur ihren Spaß wollen. Rücksichtslos und auf Kosten anderer. Und das wollen sich viele nicht mehr bieten lassen.

Es wird spannend, wie die Politik damit umgehen wird. Praxisnähere Messverfahren, verbindliche Obergrenzen für alle Fahrzeuge, ein Verbot völlig sinnfreier Klappenauspuffe, strengere Strafen für absichtliche Manipulationen wären sicher sinnvoll. Aber darüber will ich hier nicht diskutieren.


Was kann ich tun?

Technisch kann ich wenig tun. Meine MZetten und die BMW sind zwar nicht flüsterleise, aber auch keine Krawallmonster. Die Auspuffanlagen sind original oder originalgetreu. Ob sie laut sind oder nicht, liegt hauptsächlich daran, wie ich sie fahre.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, meinen Fahrstil deutlich zu verändern: Ich will rücksichtsvoller fahren. Demonstrativ rücksichtsvoll. Und ich glaube nicht einmal, dass dabei der Fahrspaß auf der Strecke bleibt.

In Ortschaften ist Krachmachen für mich ab sofort tabu. Kein Mit-dem-Gas-Spielen an der Ampel, kein Kavalierstart, keine hochtourige Ehrenrunde im Kreisverkehr. Rechtzeitig vor dem Ortsschild vom Gas gehen und erst wieder Beschleunigen, wenn der Ortsausgang im Rückspiegel verschwunden ist.

Das Gleiche gilt, wenn ich auf der Landstraße Fußgänger oder Radfahrer überhole: Möglichst ohne Gas und dafür mit viel Seitenabstand vorbeirollen.

Sobald die Strecke frei ist und niemand gestört wird, heißt es dann guten Gewissens: Feuer frei! 😉

Damit werde ich sicher nicht im Alleingang die Welt retten. Aber schaden kann es auf keinen Fall.

 

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