Wie man sich lagert, so fährt man

Mein Gespann habe ich erst letzten Winter zerlegt und grundlegend restauriert. Dabei wurde auch der Beiwagen neu gelagert. Leider mit mäßigem Erfolg. Dank einer tollen Aktion im MZ-Forum habe ich das jetzt behoben und das Gespann mit POM-Buchsen versehen. Ob’s was bringt?

Kurzer Exkurs: Die Schwinge, der Halter für das Boot und der Stabilisator des Stoye Superelastik-Beiwagens sind ab Werk in Gummi gelagert. An den meisten Stellen kommen dabei kleine Halbschalen zum Einsatz, von denen je zwei mit einer Schelle fixiert werden. Dabei geht es nicht um Stoßdämpfung, sondern nur darum, die genannten Teile drehbar zu lagern. Etwa wie bei der Schwinge an den späteren MZ. Leider funktioniert das nur bedingt. Viele MZ-Gespannfahrer klag(t)en über schnell verschleißende Gummis, die noch dazu an manchen Stellen seitlich aus dem Lagersitz rutschen. Früher wurde dann häufig auf die schlechte Materialqualität der Ostgummis geschimpft. Mittlerweile hat sich das geändert, denn die heute erhältlichen Nachbaugummis aus Fernost (?) verschleißen noch viel schneller. Manche suchen ihr Heil deshalb in aufgeschnittenen Simson-Kickstartergummis oder Bremsschläuchen.

MZ Gespann ES 250 Superelastik Boot Demontage

In meinem Beiwagen waren noch originale DDR-Gummis drin, die sich teilweise fast aufgelöst hatten und teilweise noch erstaunlich gut aussahen. Bei der Restaurierung wollte ich die Originalteile nicht wieder einbauen, da selbst die gut erhaltenen schon ziemlich hart waren. Ich habe schon seit Jahren einen Satz Nachbaugummis im Regal liegen, die ich eigentlich montieren wollte. Nach den vielen negativen Kommentaren dazu erschien mir das aber nicht sinnvoll. Als mir dann passgenau zugeschnittene Bremsschläuche angeboten wurden, die angeblich deutlich besser und haltbarer sind, habe ich sofort zugeschlagen. (Vielen Dank an Steffen!)

Aber leider war das ein tiefer Griff ins Klo. (Auch wenn andere mit dieser Lösung sehr zufrieden sind!) Denn nachdem ich die Gummis montiert und die Schellen wie vorgeschrieben festgezogen hatte, ließ sich kein Teil mehr bewegen! Die Gummis waren entweder durch das Textilgewebe zu wenig verwindungsfreudig oder einfach zu dick. Als Notlösung habe ich die Schellen dann wieder etwas gelöst. Aber das hat unnötig viel Spiel ins Fahrwerk gebracht und beim Einfedern war immer ein deutlichen „Losbrechen“ der gummigelagerten Teile zu hören und zu spüren.

Die Lösung: Handgefertigte Buchsen aus Kunststoff

Im MZ-Forum werden seit einer Weile handgefertigte Kunststoff-Buchsen aus POM angeboten.

Lagerbuchsen MZ Stoye Superelastik Beiwagen Seitenwagen

Der Vorteil: Die Lagerung erfolgt nahezu spielfrei, die Teile sind leichter drehbar und der Verschleiß ist angeblich sehr gering. Manche schwärmen gar, sie hätten ihr Gespann danach nicht wiedererkannt, weil es plötzlich viel präziser fahre.

Der Nachteil: Der auf den ersten Blick hohe Preis. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass alles von Hand gefertigt ist, eine tolle Anleitung beiliegt, das benötigte Befestigungsmaterial sowieso, dann ist es plötzlich nicht mehr so viel. Und sollten die Kunststoff-Buchsen wirklich so lange halten wie behauptet, sind sie im Prinzip ein echtes Schnäppchen.

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Der Einbau verlief relativ problemlos. Ich habe das Boot mit einem Flaschenzug angehoben und musste so nichts weiter zerlegen. Die meisten Buchsen ließen sich einfach austauschen. Nur bei zweien musste ich etwas nacharbeiten, da mein Stabi anscheinend 1 mm dünner als üblich ist.

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Beim Abstandhalter zwischen Schwinge und Stabi muss ebenfalls etwas geändert werden. Normalerweise kann sich der nicht seitlich bewegen, da er durch die Gummis festgeklemmt wird. Mit den POM-Buchsen könnte er aber einfach seitlich runterrutschen und muss deshalb gesichert werden. Die vorgeschlagene Lösung mit Löchern und Splinten ging bei mir nur am Stabi, an der Schwinge war nicht genug Platz. Ich habe deshalb ein Loch mit Gewinde in den Halter geschnitten und den Abstandhalter dort mit einer Schraube gesichert.

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Eine Proberunde durch die Stadt verlief problemlos. Einen himmelweiten Unterschied zwischen vorher und nachher konnte ich nicht feststellen, hatte aber den Eindruck, dass der Beiwagen sauberer einfedert und der Stabi das Schaukeln des Gespannes jetzt besser ausgleicht bzw. verhindert. Das kann aber auch Einbildung oder Wunschdenken sein. Fakt ist aber, dass der Beiwagen jetzt deutlich leiser einfedert.

Lagerbuchsen MZ Stoye Superelastik Beiwagen Seitenwagen Vielen Dank an Felix für die tollen Buchsen und den guten Support!

Zum Abschluss noch ein Bild vom Flugboot:

IMG_4630

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3 thoughts on “Wie man sich lagert, so fährt man

  1. Moin
    Sehr gute Lösung .Nettes Winterprojekt . Die Buchsen möchte ich auch haben.
    Kannst du mir die Adresse schreiben.

    Danke
    Matthias Bischler

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