Stromsparen dank LEDs

Im letzten Jahr musste ich mich allzu oft mit dem Strombedarf meines Gespanns auseinandersetzen. Denn immer wieder war die Spannung im Keller und die Batterie fast leer. Um das Problem zu lösen, habe ich mir angeschaut, was der Markt an LED-Leuchtmitteln bietet.

Hauptproblem war der Umbau meines Scheinwerfers. Da der alte Scheinwerfereinsatz mit 35/35-Watt-Biluxbirne schon sehr trüb war und zu Recht vom TÜV bemängelt wurde, habe ich die Gelegenheit genutzt, die alte Funzel gegen eine H4-Birne mit 55/60 Watt zu tauschen. Damit sehe ich nachts endlich, wo ich hinfahre, werde besser gesehen und bekomme zur Not an jeder Tankstelle Ersatz.

Aber leider zwingt die neue Birne meine Elektrik in die Knie. Bei Reisetempo ist das noch kein Problem, da die verbaute 12V-Vape-Lichtmaschine bei „normalen“ Drehzahlen 180 Watt liefert und damit selbst bei Festbeleuchtung, Blinker, Bremslicht und Hupe noch Reserven hat.

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Aber eben nur bei normalem Reisetempo. Denn eine Besonderheit der Vape-Lichtmaschine ist, dass sie ihre volle Leistung erst bei relativ hohen Drehzahlen zur Verfügung stellt, in meinem Fall (ETZ-Motor) erst bei mehr als 4500 Touren. Bei niedrigen Drehzahlen kommt hingegen fast nichts und sämtliche Verbraucher bedienen sich bei der Batterie. (Hier die Infoseite von Powerdynamo.)

Da ich mein Gespann hauptsächlich für den täglichen Weg zur Arbeit nutze, und das mitten im städtischen Berufsverkehr, erreiche ich allenfalls kurzfristig die nötigen Drehzahlen. In der Folge schwächelte meine Batterie schon nach wenigen Tagen. Auf den Motorlauf wirkt sich das nicht aus, da die Zündung bei der Vape vom Bordnetz unabhängig ist, aber irgendwann fangen die Blinker an zu spinnen und das Licht glimmt im Stand nur noch.

Ich habe deshalb ein Experiment gewagt und mir verschiedene LED-Leuchtmittel besorgt:

  • eine LED-Scheinwerferlampe für 25 Euro von Cree mit 25 W bei 1800 Lumen (Bei Amazon im Doppelpack für 45 Euro).
  • Zwei LED-Lampen BA15S für die Beiwagenpositionsleuchten (Bei Amazon das Stück zu je 2 Euro)
  • eine 40mm-LED-Soffitte für das Bremslicht (Bei Amazon 4 Stück für 2,30 Euro).

Gerne hätte ich auch noch testweise die Blinker und das Rücklicht durch LEDs ersetzt. Das Problem ist aber, dass die meisten LEDs nur in eine Richtung abstrahlen, bei Blinkern und Rücklicht (mit Kennzeichenbeleuchtung!) benötige ich aber einen Abstrahlwinkel von 180° bis 360°.

LED-Scheinwerfer

Beim Einbau gab es einige Probleme, die sich aber alle als Fehler in der Fahrzeug-Verkabelung herausstellten, was ohne Frage auf meine Kappe geht. (Umso verwunderlicher, dass vorher trotz falscher Verkabelung alles fast problemlos funktioniert hat.)

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Nachdem die Verkabelung korrigiert war, funktionierte der Scheinwerfer problemlos: Sehr helles Licht, sauber getrenntes Abblend- und Fernlicht, 30W geringerer Verbrauch (25W statt 55W). Selbst bei Festbeleuchtung habe ich nie weniger als 12V an der Batterie. Mit der „normalen“ H4-Birne ging es teilweise bis unter 10V!

Beim Einbau muss nur beachtet werden, dass die LED-Leuchte deutlich länger ist, da sie am Ende einen kleinen Lüfter besitzt. Im großen Lampentopf der ES/2 kein Problem, in einem kleinen Rundscheinwerfer könnte es aber ziemlich eng werden. Außerdem muss man noch das Steuergerät von der Größe einer Zigarettenschachtel unterbringen. Ärgerlich finde ich dabei die Länge der Kabel. Gerade so lang, dass sie unnötig Platz wegnehmen, aber nicht lang genug, um das Steuergerät z.B. ordentlich unter den Tank zu verlegen. Schade.

Hier ein paar Fotos, die natürlich nicht sehr aussagekräftig sind. Ich habe sie absichtlich in einem „ungünstigen“ Winkel aufgenommen, da von vorne nur Weiß zu sehen gewesen wäre.

nur Standlicht:2015-02-22 12.58.50

Abblendlicht:
2015-02-22 12.59.01

Fernlicht:
2015-02-026Und hier noch der direkte Vergleich mit dem 12V-Bilux-Scheinwerfer des Racer:

Vergleich LED Bilux

Positionsleuchten am Beiwagen

Es handelt sich um 9 LEDs, die auf einer Grundplatte befestigt sind und ohne weitere Vorschaltgeräte oder Widerstände in der originalen BA15S-Fassung verwendet werden können. Genaue Werte konnte ich leider nicht finden, aber wahrscheinlich haben sie 0,7W statt der original verbauten 5W-Birnen.

_MG_4024Der Einbau war einfach und schnell erledigt. Das Ergebnis: Die LEDs leuchten sehr hell, deutlich heller als die originalen 5W-Birnen. Kein Wunder, werden Sie doch als Ersatz für 18W- bzw. 21W-Birnen beworben. Vor allem im Vergleich zum normalen Rücklicht sieht man den Unterschied ganz gut:

_MG_4030_MG_4031Hinten also alles super. Vorne finde ich es fast ein bisschen zu hell. Vor allem stört mich ein bisschen, dass das Licht sehr kalt ist. Es geht zwar nicht ins bläuliche, aber man sieht trotzdem sofort, dass es keine normale Birne ist. Da sind Diskussionen bei Polizeikontrollen oder beim TÜV natürlich vorprogrammiert.

_MG_4026Bremslicht

Die Soffitte für das Bremslicht besteht aus 16 kleinen LEDs auf einer Grundplatte und wird ebenfalls ohne zusätzliche Steuergeräte oder Vorwiderstände in der originalen Fassung verbaut.

Soffitte 12V LED Motorrad BremslichtWie schon geschrieben, strahlt sie nur in eine Richtung. Meine Sorge ist, dass sie sich beim Fahren durch die Vibrationen drehen könnte und das Bremslicht dann ggf. nicht mehr zu sehen ist. Das werde ich genau im Auge behalten.

Das Licht selbst ist insgesamt nicht so hell wie bei der normalen Soffitte mit Glühwendel. Aber dadurch, dass es direkt nach hinten leuchtet, sind die Streuverluste geringer und es ist trotzdem vergleichbar gut zu sehen. Es ist deutlich „punktueller“ und leuchtet die Lampe nicht komplett aus, was aber nicht unbedingt schlechter sein muss. Es ist auf jeden Fall heller als das Rücklicht und damit klar als Bremslicht zu erkennen.

Rücklicht (normale Soffitte) an, Bremslicht (LED) aus:Soffitte 12V LED Motorrad Bremslicht

Rücklicht (normale Soffitte) an, Bremslicht (LED) an:Rücklicht (normale Soffitte) an, Bremslicht (LED) aus:

 Fazit

So weit, so gut? Eigentlich schon. Die Helligkeit ist vergleichbar oder besser als bei normalen Leuchtmitteln und trotzdem habe ich in der Summe über 50 Watt eingespart. Das Problem mit der Batterieentladung im Stadtverkehr dürfte damit gelöst sein. Preislich hielt sich das alles sehr im Rahmen. Wenn die theoretische Lebensdauer von 50.000 Stunden in der Praxis auch nur zur Hälfte erreicht wird, sind die LEDs sogar deutlich billiger als normale Leuchtmittel.

Dafür habe ich jetzt ein anderes Problem: die Zulassung der Leuchtmittel: Sie besitzen nämlich keine. Im öffentlichen Straßenverkehr darf man sie folglich nicht verwenden bzw. darf sich nicht dabei erwischen lassen. Im Fall eines Unfalls wäre nicht auszuschließen, dass es Ärger gibt. Versicherungen suchen gerne Gründe, warum sie nicht zahlen müssen. Und eine nicht zugelassene Beleuchtung ist da natürlich eine herzliche Einladung, auch wenn sie mit dem Unfall selbst nichts zu tun hat.

Ich bin mir deshalb nicht sicher, was ich tun soll. Mit normaler H4-Birne rumfahren, die ich immer wieder während der Fahrt ausschalten muss, weil die Batterie leer ist? Das ist auch illegal. Oder wieder eine funzelige Biluxbirne einbauen? Das wäre legal, aber  nicht wirklich sinnvoll. Oder mich für gutes Licht und Sicherheit entscheiden und die Legalität dabei außer Acht lassen? Ich weiß es nicht. Ich werde noch ein bisschen experimentieren und mich dann entscheiden. Und solange werde ich auf jeden Fall immer einen Satz normale Lampen dabeihaben, um bei Bedarf schnell tauschen zu können.

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