Große Strahlkabine für kleines Geld

Strahlkabinen gehören zu den Dingen, von denen man denkt, dass sie absoluter Luxus sind. Aber wenn man sie mal hat, braucht man sie ständig und will sie nicht mehr hergeben. Deshalb erzähle ich heute ein bisschen was über meine 220-Liter-Billigkabine aus China und über die Höhen und Tiefen, die wir durchlebt haben.

Kürzlich hat mich einer meiner Blogleser (Hallo Rico! 😉 ) gefragt, ob ich eigentlich mit meiner Strahlkabine zufrieden bin. Gute Frage. Und ein gutes Thema für einen Blogbeitrag! Vielleicht spielen ja noch mehr Leute mit dem Gedanken, sich sowas zu kaufen. Hier also mein Erfahrungsbericht.

Disclaimer: Es handelt sich hierbei nicht um Werbung. Ich habe mir alles selbst gekauft, nichts dafür bekommen und auch die Links sind ganz normale Links, an denen ich nichts verdiene.

Sandstrahlen? Glasperlstrahlen? Was ist das? Und wozu braucht man das?

Sandstrahlen ist ne feine Sache. Man kann in kürzester Zeit Lack oder Rost von alten Metallteilen pusten. Stahlteile können danach direkt lackiert oder pulverbeschichtet werden, Gammelige Aluteile sehen ohne weitere Bearbeitung wieder aus wie neu. Felgen, Bremstrommeln, Zylinder, Stoßdämpfer … vieles lässt sich damit schneller und einfacher aufarbeiten, als mit Schleifpapier und Drahtbürste. Und auch andere Materialien lassen sich damit bearbeiten. Stein, Holz etc.

Meine Sandstrahlkabine (220 Liter)

Meine Strahlkabine ist ein 220-Liter-Modell aus China, das man unter verschiedenen Namen kaufen kann. Unter anderem bei Powerplustools für aktuell 199 Euro. Dort nennt es sich „Sandstrahlanlage 220 L – Standmodell – 0007C“. Ich habe sie gebraucht von jemandem gekauft, bei dem sie jahrelang nagelneu und unbenutzt in der Ecke stand. Seit knapp einem Jahr nutze ich sie relativ regelmäßig.

Strahlkabine Powerplustools 220 Liter Sandstrahlen

Sieht sie nicht süß aus? Das „Gesicht“ habe ich selbst draufgemalt. 😉

Sie besteht aus relativ dünnem Stahlblech. Das stört nicht, denn ausreichend stabil ist sie. Es ist eher von Vorteil, denn so kann man die Kabine zur Not sogar alleine durch die Werkstatt tragen.

Die Ausstattung

Oben hat sie ein relativ großes Sichtfenster, das aus 3 Lagen besteht: Außen ein dünnes Plexiglas als Schutz, dann eine richtige Glasscheibe und innen noch mal eine dünne Plexiglasfolie, die die Glasscheibe vor dem Strahlgut schützt. Mit der Zeit wird diese Folie matt und kann dann einfach ausgetauscht werden. Dafür hat sie einen selbstklebenden Rand. Wenn man darauf achtet, nicht gegen die Scheibe zu strahlen, und genug Abstand hält, bleibt die Folie aber sehr lange okay.

Die Tür ist so groß wie die komplette Seite. Dadurch kann man auch sehr große Teile in die Kabine legen und den Platz voll ausnutzen. Die Tür dichtet perfekt ab, aber beim Öffnen rieselt immer etwas Strahlgut raus. Das hätte man vielleicht besser lösen können. Ich habe mir angewöhnt, ganz am Ende nochmal kurz mit der Strahlpistole richtung Tür zu pusten, damit dort möglichst wenig Strahlgut liegt. Dann geht’s.

Strahlkabine Powerplustools 220 Liter Sandstrahlen

Die Strahlkabine von innen. Da passt ordentlich was rein: 16-Zoll-Räder, Motorgehäuse etc. – kein Problem.

Innen gibt es natürlich auch noch eine Beleuchtung, und zwar eine kleine 12V-Röhre. Die braucht immer etwas Zeit, bis sie ihre volle Helligkeit erreicht. Ich gehe deshalb davon aus, dass da irgendeine Energiesparbirne drin ist. Wirklich hell ist sie nicht, weshalb sich viele Besitzer andere oder zusätzliche Lampen einbauen. Bei Powerplustools gibt es sogar eine passende LED-Leuchte zu kaufen. Ich habe mir aber anders beholfen (siehe unten).

Unten hat die Kabine noch eine Ablagefläche, die wohl eher der Stabilität der Beine dient. Viel ablegen kann man dort nicht, aber für Kleinkram reicht’s. Ablagefläche kann man nie genug haben, insofern eine feine Sache.

Wie funktioniert das eigentlich?

Ich hatte im Vorfeld gedacht, dass so eine Sandstrahlkabine komplexe Technik enthält. Dabei ist es eigentlich total simpel: Unten ist die Kabine trichterförmig. In diesen Trichter kippt man das Strahlgut, in meinem Fall Glasperlen. Es geht aber natürlich auch Korund etc. (Zum Entleeren hat der Trichter unten eine Klappe, durch die man das Strahlgut einfach wieder ablassen kann.)

Über den Druckluftanschluss an der Vorderseite schließt man einen Kompressor an. Innen gibt es eine Druckluftpistole, mit der man die Druckluft „verschießen“ kann. Über einen zweiten Schlauch wird dabei das Strahlgut von unten angesaugt und mit herausgeschossen. Das Strahlgut fliegt dann in der Kabine herum und fällt am Ende wieder unten in den Trichter, um erneut verschossen zu werden. Mehr ist es im Prinzip nicht.

Strahlkabine Powerplustools 220 Liter Sandstrahlen

Die große Tür erlaubt es, den Innenraum auch wirklich auszunutzen.

Sehr sinnvoll – eine Absaugung

Wenn man strahlt, fliegt in der Kabine natürlich irre viel Staub rum, der durch die Druckluft auch immer wieder aufgewirbelt wird. Das Ergebnis ist, dass man schon nach wenigen Sekunden vor lauter Staub nichts mehr sieht. Für regelmäßiges Strahlen taugt das nichts, es muss eine Absaugung her. Die Bastellösung ist, dass man einen starken Staubsauger an die Kabine anschließt. Da ich keinen Staubsauger rumstehen hatte, habe ich mich für die offizielle Variante entschieden und mir die optional erhältliche Absaugung mit Filter bestellt. Die kostet nochmal 199 Euro, bei eBay bekommt man sie aber schon für ca. 130 Euro.

Die Absaugung lässt sich schnell montieren. Es empfiehlt sich ein Helfer, der den Kopf in die Kabine steckt und beim Verschrauben hilft. Alleine ist das nämlich ein ziemlicher Kampf.

Die Absaugung selbst ist der Hammer. Sie hat irre Power und ordentlich Saugleistung. Sie macht aber auch irre Lärm. Ohne Gehörschutz strahlen ist kaum möglich.

Die Absaugung hat mir am Anfang ordentlich Ärger bereitet, denn der Halter vom Filter war lose – ein Schweißpunkt war auf dem Transport gerissen. Mit dem Ergebnis, dass das Strahlgut am Filter vorbeigesaugt und durch den Motor geblasen wurde. Leider war der Fehler im demontierten Zustand nicht zu sehen und ich habe ihn erst beim dritten Zerlegen gefunden. Da war es aber schon fast zu spät, denn der Schalter war durch die Glasperlen bereits zerstört. Zum Glück hat der Motor nichts abbekommen. Ich habe den Schalter einfach „kurzgeschlossen“, so dass der Motor immer läuft. Dann habe ich mir einen zusätzlichen Geräteschalter an die Kabine gebaut, über den ich eine Verteilerdose schalte. So kann ich Absaugung und Beleuchtung gleichzeitig an- und ausschalen.

Strahlkabine Powerplustools 220 Liter Sandstrahlen

Hier sieht man den nachgerüsteten Schalter und die Absaugung.

Verbesserungen und Modifikationen

Mir ist mal beim Strahlen die komplette Werkstattbeleuchtung durchgebrannt. Alle 3 LED-Röhren haben gleichzeitig den Geist aufgegeben. Warum, weiß ich bis heute nicht. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich die Kabine statisch aufgeladen und damit für eine Spannungsspitze gesorgt hat. Angeblich ein häufiges Problem beim Strahlen. Ich habe deshalb die Strahlpistole und das Gehäuse geerdet: Ich habe ein kleines Gewinde in den Griff der Pistole geschnitten und ein flexibles Kabel mit einer Ringöse angeschraubt. Das andere Ende des Kabels sitzt am Kabinengehäuse. Von dort geht ein Nulleiterkabel in einen Stecker, der in einer Steckdose steckt. Seitdem ist keine LED-Röhre mehr durchgebrannt.

Strahlkabine Powerplustools 220 Liter Sandstrahlen

Die Strahlpistole mit nachgerüsteter Erdung.

Außerdem habe ich anfangs nichts in der Kabine erkennen können. Das lag einerseits an der sehr funzeligen Beleuchtung, andererseits an den Reflexionen in der Scheibe. Durch die drei Plexiglas- bzw. Glasscheiben und den allgegenwärtigen Staub sieht man da sehr schlecht durch. Was tun? Ich habe mir Verdunklungsstoff gekauft. 1 x 1,5 m für ca. 4 Euro. Dann habe ich den Rahmen der Scheibe oben und an den Seiten abgeschraubt und den Stoff dort reingelegt. Danach habe ich den Rahmen wieder festgeschraubt und den Stoff somit eingeklemmt. Das Tuch kann ich mir jetzt beim Strahlen einfach über den Kopf werfen. Das funktioniert wunderbar und ich kann gut erkennen, was in der Kabine los ist.

Außerdem habe ich mir noch eine kleine Schale für Kleinteile in die Kabine gestellt. Würde man Schrauben und Muttern lose auf das Gitter legen, lassen sie sich mit Handschuhen schwer greifen und würden im schlimmsten Fall durch das Gitter fallen. Mit der Schale habe ich alles im Blick und Griff. Wichtig ist nur, dass die Schale schwer genug ist, dass sie nicht rumfliegen kann.

Noch irgendwelche Probleme oder Mängel?

Die Handschuhe lösen sich relativ schnell auf. Sie reißen an den Nähten oder rubbeln an den Fingern durch. Ein allgemeines Problem solcher Handschuhe. Man kann die Löcher notdürftig mit Panzertape kleben, aber irgendwann braucht man neue. Da das Paar keine 20 Euro kostet, ist das akzeptabel.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Zum Strahlen braucht man natürlich einen vernünftigen Kompressor. Mit einem Einsteigermodell aus dem Baumarkt braucht man gar nicht anzufangen. Ich habe einen „Kaeser Economy 3“. Der liefert 260 Liter pro Minute aus einem 40-Liter-Kessel. Das ist zum Strahlen eigentlich zu wenig, der Kompressor läuft dann durchgehend. Da ich nicht so viel strahle, ist das für mich okay, aber früher oder später muss ich mir wohl was Größeres besorgen.

Kaeser Economy 3

Mein Fazit

Das Ding ist klasse! Groß genug für alles, was in einer normalen Bastlerwerkstatt so anfällt. Aber klein genug, dass man es noch irgendwo unterbekommt. Relativ stabil und (bis auf die defekte Absaugung) sauber verarbeitet. Ein großer Pluspunkt für mich: Man kann so ziemlich alle Einzel- und Verschleißteile einzeln nachkaufen.

Manches ist ab Werk nicht ganz perfekt oder zuendegedacht. Aber das bekommt man mit Kreativität und handwerklichem Können in den Griff. In Anbetracht des niedrigen Preises finde ich das völlig okay.

Insofern kann ich die Strahlkabine guten Gewissens empfehlen. 🙂

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Ein Gedanke zu „Große Strahlkabine für kleines Geld

  1. Da ist er ja… schön das du einen Beitrag dazu erstellt hast 🙂

    Ich habe meine Kabine jetzt auch bekommen (ähnlich wie deine) und Gestern einen Zylinderkopf und eine Bremsankerplatte mit Glasperlen probegestrahlt.
    Funktioniert perfekt (auch zwischen den Kühlrippen) und ich freue mich, dass dieses ewige Putzen mit Benzin und Pinsel endlich ein Ende hat.

    Danke für deine Erfahrungsberichte im Vorfeld!

    Viele Grüße
    Rico

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