Restaurierung einer Ölzapfsäule

Wer einen oder mehrere Zweitakter mit Mischungsschmierung besitzt (Benzin und Zweitaktöl befinden sich gemischt im Fahrzeugtank), der kennt das ständige Ölgeschmadder. Beim Tanken an der Tankstelle, beim Abfüllen von Ölflaschen, beim Befüllen von Kanistern – ständig tropft, schmiert oder klebt irgendwo Öl. Damit ist jetzt Schluss!

Naja, zumindest wird es stark reduziert. Ich habe mir nämlich passend zu meiner Gemischzapfsäule eine alte Ölzapfsäule gekauft, mit der sich Öl viel präziser und kleckerfrei abfüllen lässt.

Solche Säulen standen in dieser oder ähnlicher Form früher an vielen Tankstellen oder Werkstätten. Dort konnte der Tankwart oder Mechaniker Motor- und Getriebeöl in Ölkannen zapfen und in den Motor füllen. Irgendwann gab es Öl in leichter zu handhabenden Ölkanistern oder Fässern und die Ölsäulen und -kabinette verschwanden.

Dementsprechend selten sind solche Säulen. Während man Zapfsäulen für Benzin bzw. Zweitaktgemisch noch relativ häufig bei Ebay & Co. bekommt, sind Ölsäulen deutlich seltener.


Meine eigene Ölzapfsäule!

Dann fand ich endlich eine: Eine klassische von „Horn“ aus Flensburg, optisch eine Katastrophe aber laut Verkäufer technisch fit. Dass das Äußere so miserabel war, war für mich eher von Vorteil, denn dadurch war sie bezahlbar. Also habe ich sofort zugeschlagen.

Danach musste sie noch den langen Weg von Lübeck nach Würzburg zurücklegen, was wegen der Coronabeschränkungen mehrere Monate dauerte. Aber dann war sie endlich da und ich konnte loslegen.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Beim Kauf war die Ölzapfsäule nicht sehr ansehnlich.

Die Säule war offensichtlich seit Jahren oder Jahrzehnten nicht gereinigt worden und starrte vor Dreck. Außerdem stand sie wohl feucht, denn auf der Rück- und Unterseite war sie extrem rostig, die Räder waren beide festgerostet. Ich habe mich mit einer Dose Verdünner und einem alten Lappen bewaffnet und losgelegt.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Sauber. Aber trotzdem in keinem guten Zustand.

Zwei Stunden später sah sie schon viel besser aus. Aber leider wurde dabei auch deutlich, dass sie so nicht bleiben konnte. Der Rost auf Rück- und Unterseite war wirklich ernstzunehmend und nicht mit „einmal Drüberstreichen“ zu lösen. Auch der intakte Lack sah furchbar aus. Offensichtlich war die Säule einfach immer wieder grob übergepinselt worden, einschließlich aller Zierteile und Typenschilder. Der Zustand innen war fraglich und die festgerosteten Räder ließen sich auch nicht mehr gangbar machen. Eine vorsichtige Patina-Restaurierung mit Erhalt der Originalsubstanz schied also aus. Eine Vollrestaurierung, bitte!


Neue Achsen und Räder

Selbst mit viel Hitze, Rostlöser und Öl ließen sich die Räder nicht lösen. Irgendwann waren die Reifen lose, dann die Felgen, aber die Hülsen waren hoffnungslos festgerostet und ließen sich erst entfernen, als ich sie mit der Flex geschlitzt hatte.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Da die Achse sehr krumm und verbeult war, habe ich mich für die Radikalkur entschieden: Die Achsenden habe ich abgetrennt und neue angeschweißt.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Die originalen Räder waren schlicht gleitgelagert, die Felge lief also direkt auf der Achse. Fixiert waren sie seitlich mit zwei Splinten.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Nun rollt sie wieder. Während der Arbeiten an der Achse stand die Säule kopfüber in einer Schüssel, um das Öl abzulassen. Leider mit mäßigem Erfolg.

Da ich solche Räder nicht bekommen konnte, habe ich rollengelagerte montiert und mit Stellringen fixiert. Das ist zwar nicht ganz original, funktioniert aber besser und rostet hoffentlich nicht wieder fest.


Die Innenreinigung

Im nächsten Schritt habe ich die Pumpmechanik abgebaut und das Fass innen gereinigt. Das war gar nicht so einfach, weil man es nicht restlos auskippen kann. Alle Öffnungen auf der Oberseite haben eingeschweißte Hülsen oder sitzen vertieft. Selbst wenn man die Säule auf den Kopf stellt, bleibt immer ein Rest von ca. einem viertel Liter drin. Ich habe das Öl letztlich mit Bremsenreiniger dünnflüssig gemacht und dann mit vielen Papiertüchern aufgesogen.

Danach habe ich mir das Innenleben genau angeschaut. Es lag einiger Dreck, Schmodder und Gebrösel im Fass und die Wände waren voll von oberflächlichem Rost. Nichts Ernstes, aber ich konnte es natürlich nicht so lassen. Andernfalls hätte ich das Rostgebrösel nach dem Befüllen im Öl und früher oder später in den Vergasern gehabt.

Also habe ich ca. 1 Liter Diesel eingefüllt und mir aus einem Stück Schleifvließ und einer Holzlatte ein „Scheuerwerkzeug“ gebaut. Nach dem Scheuern musste die rostige Brühe natürlich wieder raus und das Fass mehrfach mit frischem Diesel gespült werden. Auch das ging nur mit vielen Papiertüchern und noch mehr Geduld. (Ich hatte überlegt es abzusaugen, aber das war mir zu riskant.)


Abschleifen, stundenlang

Außen war die Säule rundrum von 2-3 mm Lack bedeckt. Weiß, blau, grau, gelb, grün … ein Archäologe hätte aus diesen Schichten vielleicht das bewegte Leben der Säule rekonsturieren können.

Mit Flex und Topfbürste ließ sich der Lack relativ gut entfernen. Eine Drecksarbeit war es trotzdem: laut, staubig und langwierig. Und die Werkstatt sah danach aus wie Sau.

Auf dem Fass saß der Lack ziemlich hartnäckig. Noch dazu fand ich unter dem Lack sehr viel Rost, der mit der Bürste nicht restlos zu entfernen war. Ich habe deshalb zur Fächerscheibe gegriffen und das Blech ratzfatz blankgeschliffen. Leider produzierte ich damit aber auch einige sichtbare Spuren und Dellen, die nach dem Lackieren sichtbar blieben. Es wäre besser gewesen, den Lack nur mit der Topfbürste zu entfernen und den Rost schonend von Hand mit Schleißvließ oder feinem Sandpapier abzuschleifen. Aber dafür hat mir natürlich die Geduld gefehlt. 🙁

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Kopfzerbrechen haben mir auch die Zierteile bereitet. Die „Rakete“ an der Tülle, der Aluring oben am Behälter und das Typenschild ganz unten. Das Problem war, dass auch die dick angepinselt waren. Schonend habe ich die Farbe nicht abbekommen. Am Ende habe ich auch hierfür die Drahtbürste verwendet und das weiche Alu dabei natürlich stark zerkratzt.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Grob abgebürstet und anschließend leicht aufpoliert. Der Auslass ist ohne Frage das schönste Teil an der ganzen Zapfsäule!

Ich weiß nicht, ob man das vielleicht mit Beize oder Strahlen schonender hinbekommen hätte. Sei’s drum, ein paar Gebrauchsspuren durften ruhig sichtbar bleiben. Anschließend habe ich die Teile mit Glasperlen gestrahlt, um eine gleichmäßige Oberfläche zu bekommen, und habe sie dann mit einer feinen Drahtbürste leicht aufpoliert.

A propos Polieren: Der Deckel vom Einfüllstutzen war nicht mehr schön und hatte keine Dichtung. Ich habe in meinem Fundus einen Tankdeckel von einer MZ mit den gleichen Maßen gefunden. Der hat zwar eine Delle, aber dank der Aufschrift „Markenöle wie Mobil Zwo-Ta-Mix verwenden“ passt er einfach perfekt. Ich habe ihn auf Hochglanz poliert und mit einer neuen Dichtung versehen.


Die Lackierung

Ich wollte die Säule so wie meine andere lackieren: als Grundfarbe Eisengrau (RAL 7011) und die Seiten des Fasses in Hellelfenbein (RAL 1015). Darauf mittig ein großes Minol-Logo. Das ist historisch natürlich totaler Unsinn, denn solche Säulen gab es bei Minol in der DDR nicht. Aber es passt einfach besser zu meinem Fuhrpark als Aral oder Shell. 😉

Aus Kostengründen habe ich mich für Einkomponentenlack entschieden. Der kostet deutlich weniger als 2K-Lack, ist trotzdem öl- und benzinfest und reicht für meine Zwecke völlig aus. Es soll ja kein Ausstellungsstück werden sondern ein Nutzgegenstand.

Lackiert habe ich einfach im Freien bei Sonnenschein. Ich bin sehr erstaunt, wie gut das Ergebnis geworden ist. Keine Läufer oder Nasen und so gut wie keine Staubeinschlüsse! Allerdings ärgere ich mich sehr darüber, dass ich vor dem Lackieren nicht noch mal einen Blick auf meine andere Säule geworfen habe. Dann wäre mir nämlich aufgefallen, dass die „Wülste“ oben und unten am Fass dort grau sind. Ich habe stattdessen zwei davon beige lackiert. Ärgerlich. Aber auch nicht so ärgerlich, dass ich jetzt nochmal neu lackieren würde. 😉


Die Montage

Der Zusammenbau ging ganz fix. Die Pumpe ist nur mit 3 Muttern fixiert. Die alte Dichtung war noch zu gebrauchen, ich habe nur noch etwas Dichtmasse aufgetragen. Räder draufstecken, Tülle und Hebel festschrauben, Messstab reinstecken, Tankdeckel drauf, fertig.

Der Hebel kann mit einem Vorhängeschloss gesichert werden, um eine heimliche Ölentnahme zu verhindern. Da der Hebel dort anschlägt, hab ich ihn mit Isolierband umwickelt. Das ist nicht sonderlich schön, schützt den Lack aber solange, bis mir eine bessere Lösung einfällt.


Die fertig restaurierte Zapfsäule

Ölzapfsäule Horn FlensburgÖlzapfsäule Horn FlensburgÖlzapfsäule Horn Flensburg

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Die Säule habe ich neben meine Gemischsäule gestellt und mit mineralischem Zweitaktöl von Mannol befüllt. Das billigste Zweitaktöl, das man bekommen kann – im 20-Liter-Kanister kostet der Liter nur ca. 1,50 €. Die MZetten kommen damit aber wunderbar klar, wie ich auf zigtausend Kilometern er“fahren“ konnte.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Hier steht sie fertig befüllt neben ihrer großen Schwester. Die kräftigere Farbe des neuen Aufklebers wird mit der Zeit sicher noch verblassen. Vielleicht hähert sich das Grau auch noch etwas an.

Jetzt konnte ich auch endlich testen, ob sie wirklich wie versprochen funktioniert. Ja, tut sie! Beim Pumpen muss man sie etwas festhalten, denn der Hebel braucht einigen Druck, aber dann läuft das Öl wunderbar gleichmäßig, tadellos sauber und blasenfrei aus dem Hahn. Man kann sehr präzise dosieren und aufgrund des dünnen und sauberen Strahls selbst Flaschen mit sehr kleinen Öffnungen ohne Geklecker befüllen. Und falls es doch mal tropft, sammelt sich das Öl in der kleinen Auffangschale. Perfekt!


Das Ölsorten-Schild

Damit der Kunde weiß, was er für Öl tankt, gibt es vorne an der Säule ein rundes Blech, auf dem ein entsprechendes Schild angebracht werden kann. Leider war bei der Säule keines dabei und ich konnte auch keine aussagekräftigen Fotos finden, wie diese Schilder früher aussahen. Ich habe mir deshalb ein ganz schlichtes aus Kunststoff anfertigen lassen. Rund, 60 mm Durchmesser und mit ausgefrästen Buchstaben.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Die Buchstaben sind vertieft. Auf dem Foto sieht man das leider nicht.

Ölzapfsäule Horn Flensburg

Sicherheitshinweis

Von Zapfsäulen, egal ob Benzin oder Öl, geht natürlich einige Gefahr für Mensch und Umwelt aus. Ich habe sie deshalb nur zu einem Bruchteil befüllt. Es ist nur so viel drin, wie in einer Garage üblich und erlaubt. Die Dichtheit kontrolliere ich regelmäßig und sehr penibel. Die Säulen stehen geschützt und kippsicher in der hintersten Ecke und sind für Kinder und Außenstehende unerreichbar. Feuer, Rauchen und laufende Motoren sind in meiner Garage absolut tabu! Ein Feuerlöscher steht griffbereit am Garagentor und die Garage ist gut belüftet. Insofern geht von ihnen keine größere Gefahr als von einem geparkten Auto oder Motorrad aus.

 

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