Gabeltausch leicht gemacht?

Irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt, eine andere Gabel an der GSX verbauen zu müssen. Einerseits, weil die originale mit 33 mm Standrohrdurchmesser optisch nicht viel hermacht. Andererseits, weil es eine schöne Herausforderung ist.

Upside Down vs. Right Side Up

Der ursprüngliche Plan war eine richtig fette Upside-Down-Gabel (USD). Frei nach dem Motto “Wenn schon, denn schon.” Mittlerweile bin ich davon wieder abgekommen. Die Dinger sind meist sehr teuer, zu kurz, auf ganz andere Rahmengeometrien ausgelegt, haben an Achse und Lenkkopf andere Maße und obendrein würde ich da niemals mein originales Vorderrad reinbekommen. Mit anderen Worten: Ich müsste irre viel Geld und Arbeit investieren, um am Ende ein mutmaßlich unfahrbares Motorrad zu haben.

Ja, ich weiß, nach diesem Schema wird heutzutage jedes zweite Custombike gebaut, aber das ist nichts für mich. Das Gesamtpaket aus Aufwand, Optik und Fahrbarkeit soll sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen.

Also “nur” eine andere Right-Side-Up-Gabel (RSU)? Genau. Und zwar eine, die etwas schöner (=dicker) ist und vielleicht auch technisch ein paar Vorteile bietet. Ein stabileres Fahrverhalten, Einstellmöglichkeiten etc. Aber welche Gabel passt?

Freie Wahl dank Baukastenprinzip?

An dieser Stelle profitiere ich sehr von Herrn Suzukis Hang zur Sparsamkeit. Suzuki hat nämlich auf ein Baukastenprinzip gesetzt, das einen relativ (!) einfachen Teiletausch zwischen unterschiedlichen Modellen ermöglicht.

Ein erster Blick galt dem Lenkkopflager.  Das der GSX 400 F findet nämlich Verwendung bei ca. 1.400 anderen Suzuki-Modellen. (Danke an Jürgen für die Infos!) Alle diese Gabeln passen also prinzipiell in den Lenkkopf meines Motorrads. Das ist aber nur der erste Schritt.

Welche Voraussetzungen sind zu beachten?

Jetzt musste ich eine Gabel finden, die auch etwa die gleiche Gesamtlänge hat, für das gleiche Fahrzeuggewicht gedacht ist, bei der das Steuerrohr gleich lang (oder notfalls länger) ist, die Geometrie (Nachlauf) sollte in etwa passen und idealerweise auch die Aufnahmen für die Bremse. Bezahlbar und in gutem Zustand sollte sie auch sein und natürlich mit dickeren Standrohren als die originale, sonst lohnt der Aufwand ja nicht.

Bei eBay bin ich über eine sehr gut erhaltene Gabel einer Suzuki GSX 550 gestolpert, die außer mir keiner haben wollte. 50 Euro plus Porto war mir der Versuch wert.

Gabel Suzuki GSX550

Der große Vorteil dieser Gabel: Es ist keine mit dem Antidive-System, mit dem Suzuki in den 80er experimentiert hat. Dessen Aufgabe sollte es sein, beim Bremsen ein Eintauchen der Gabel zu verhindern und somit auch bei Vollbremsungen auf schlechten Straßen sicheren Halt und Spurtreue zu garantieren. Um das zu erreichen, wirkt die hydraulische Bremse zusätzlich auf Ventile in der Gabel. In der Theorie ist das eine geniale Idee, in der Praxis führt das aber zu einem undefinierten Druckpunkt an der Bremse und einem schwammigen Einfedern. Suzuki hat das Problem nicht in den Griff bekommen und das Antidive-System wenig später wieder aus dem Programm genommen. Die Besitzer solcher Motorräder haben die Hydraulik häufig einfach lahmgelegt – was mit entsprechender Eintragung sogar TÜV-konform ist.

Meine Gabel ist offensichtlich ein späteres Modell und hat stattdessen eine einstellbare Druckstufendämpfung. Genial! Ob ich die wirklich benötige, weiß ich nicht. Aber schaden kann sie nicht. Und optisch interessant ist sie allemal!

Gabel Suzuki GSX550

Die genannten Voraussetzungen erfüllt die Gabel weitestgehend. 37 mm Standrohrdurchmesser sind 4 mm mehr und ein deutlicher Fortschritt, die Länge der Gabel und des Steuerrohr passt, das Fahrzeuggewicht ist ähnlich und der Motorradtyp auch. Problematisch wird aber die Befestigung der Bremse, denn die Aufnahmen haben einen größeren Abstand. Und auch die Geometrie ist etwas anders: Die Holme stehen etwas weiter auseinander und sitzen zudem weiter hinten. Das bedeutet einen minimal geringeren Nachlauf und damit ein agileres aber auch instabileres Fahrverhalten. Ob das einen spürbaren Unterschied macht, bezweifle ich.

Gabel Suzuki GSX550Hier der direkte Vergleich. Hinten GSX400F, vorne GSX550.

Komplett oder in Teilen?

Die spannende Frage ist jetzt: Wie gehe ich am besten vor? Die Gabel als Komplettpaket in mein Motorrad verpflanzen? Also inkl. Gabelbrücken? Dann müsste ich entweder die Bremse der GSX400F mit Adapterplatten an die neue Gabel anpassen. Was vielleicht gar nicht schlecht wäre, weil der Abstand von Holm zu Bremsscheibe sowieso größer wäre. Oder ich besorge mir die passende Bremsanlage zur Gabel. Dann stellt sich allerdings die Frage, ob die zur vorhandenen Scheibe passt. Das Vorderrad inkl. Scheiben würde ich nämlich gerne weiterverwenden.

Gabel Suzuki GSX550

Oder ich nehme nur die Gabelholme, müsste dann aber die Gabelbrücken um 4 mm aufbohren. Da bleibt nicht viel Material übrig. Ich glaube nicht, dass das geht.

Nicht zu vergessen die Lenkerbefestigung: Die Gabelbrücke der 400er hat Aufnahmen für einen Rohrlenker. Diese Aufnahmen lassen sich auch nicht einfach abflexen, da sonst Löcher zurückbleiben. Keine guten Voraussetzungen, wenn man Stummellenker verwenden möchte.  Die 550er hingegen hatte keinen Rohrlenker, sondern aufgeschraubte Stummellenker. Nehme ich also die Brücke der 550er, muss ich entweder die dazugehörigen Lenker oder Stummellenker an den Holmen montieren. Die Frage ist also auch: Was für einen Lenker soll das Motorrad bekommen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Bislang tendiere ich zu einem Rohrlenker, ggf. in M-Form.

Gabel Suzuki GSX550Das Gute ist: Ich stehe nicht unter Zeitdruck. Ich kann also noch ein paar Nächte darüber schlafen. Irgendwann im Winter werde ich die Gabel testweise montieren. Vielleicht stelle ich dann fest, dass sie ohnehin nicht infrage kommt. Oder dass alles noch viel einfacher ist als gedacht. Man wird sehen. 🙂

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4 Gedanken zu „Gabeltausch leicht gemacht?

  1. Ich hab zu Hause CB 100 und möchte die Gabelstandrohre selber tauschen. Im Moment suche ich noch, wo ich Gabelstandrohre online kaufen kann. Ich bin so froh, dass ich auf Deinem Blog gelandet habe! Ich werde Dein Blog an meinen Lesezeichen hinzufügen!

  2. *** Top Arbeit ***
    könnte ich bitte deine Meinung zum meinem Thema wissen??

    ich habe eine USD Gabel aus einer GSXR750W in eine GSF 1200/S Bandit eingebaut. Dazu die LSL Lenker Gabelbrücke, Bremsscheiben, Bremssattel
    Das Probleme: die Achsenlast des Spendersmopeds(GSX R750W) kleiner ist als die des Empfängers (GSF 1200/S)
    Mehrere Gutachter im Groß-Raum Stuttgart verlangen für die Begutachtung der Gabel einen Festigkeitsbericht vom Hersteller, bzw. ein Nachweis, Dokument,… wo er feststellen kann, dass der Umbau als sicher gilt.
    kennst du dich mit Thema aus? oder wurde schon mal das Thema in Eurem Forum besprochen?

    Auf eine Rückmeldung würde ich mich freuen 🙂

    Gruß
    Maru

    • Tja, ich vermute, da hast Du Pech gehabt. Deshalb verwendet man immer Teil von stärkeren/schnelleren/schwereren Spendermotorrädern. Dann gibt es keine Diskussionen. Jetzt musst Du nachweisen, dass die Gabel das kann. Aber solche Papiere wirst Du wohl kaum auftreiben können. Du könntest höchstens anhand der Teilenummer schauen, ob die Gabel noch in anderen Maschinen verwendet wurde. Evtl. ja in einer schwereren? Mehr fällt mir leider nicht ein.
      Grüße,
      Martin

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