Die Reife(n)prüfung

Ich habe auf meinen MZetten schon einige Reifen ausprobiert. Manche waren enttäuschend, andere haben sich trotz gewisser Eigenheiten bewährt. Hier ein ErFAHRungsbericht. (Man verzeihe mir die platten Wortspiele. Ich hatte gerade Clown zum Frühstück.)

Heidenau K36, K33, K29 SW

Auf der MZ ES 250/2 bin ich anfangs ausschließlich Reifen von Heidenau gefahren. Vorne 3.25-16 K36, hinten 3.50-16 K33.

Tolle Reifen. Vor allem die Nasshaftung ist tadellos. Selbst für gelegentliche Abstecher über Feld- und Waldwege taugen sie, obwohl sie eigentlich klassische Straßenreifen sind. Hübsch sind sie dank ihres klassischen Profils außerdem.

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Nur bei der Laufleistung hapert es. An einer Solomaschine geht es noch, knapp 5000 km auf dem Hinterrad sind für mich ein akzeptabler Wert. Am Gespann, bei dem das Hinterrad sowohl beim Beschleunigen wie auch beim Bremsen deutlich stärker belastet ist, sind es allerdings deutlich weniger.

Mehrmals pro Jahr den Reifen zu wechseln fand ich bei meinen Fahrleistungen zu viel, zumal die Heidenau-Reifen zu den teureren MZ-Reifen zählen.

Also habe ich am Hinterrad den Heidenau K29 SW getestet. Dabei handelt es sich um einen speziellen Gespannreifen mit „quadratischem“ Profil und breiter Aufstandsfläche. Davon hatte ich mir eigentlich eine höhere Laufleistung versprochen.

Von wegen! Dem konnte man während der Fahrt beim Verschleißen zuschauen! Ich hatte den Eindruck, dass der sogar im Stand permanent an Profil verliert. 😉 Besonders ärgerlich war das auch deshalb, weil er nicht einmal gut war. Ich hatte bislang keinen Reifen, der so rutschig war. Selbst auf trockener, griffiger Straße ist mir das Hinterrad ständig weggeschmiert.

Nach ca. 2.000 km war er runter und das Experiment K29 SW erfolglos beendet.

MITAS H06 M/C

Ich habe daraufhin einen Mitas H06 (ehemals Barum) für das Hinterrad gekauft. Vorne blieb der Heidenau.

Ergebnis: Der Mitas steht dem Heidenau in Sachen Fahrstabilität und Nasshaftung kaum nach, hält fast doppelt so lange und kostet dabei ein Drittel weniger.

Er ist damit definitiv der Gesamtsieger in der Kategorie Straßenreifen Hinterrad und meine klare Empfehlung. 🙂

Metzeler Block C

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich auch einen Satz Metzeler Block C runtergefahren habe. Der war seinerzeit auf einer MZ montiert, die ich verkauft habe. Die Reifen waren allerdings schon über 10 Jahre alt und knüppelhart. Der Vorderreifen hat eine gefühlte Ewigkeit am Beiwagen seinen anspruchslosen Dienst erfüllt. Den Hinterreifen habe ich im Gespann verheizt.

Die Metzeler-Reifen waren langlebig aber extrem rutschig. Allerdings würde ich das nicht verallgemeinern; das war sicher dem Alter geschuldet. Eine zweite Chance habe ich Metzeler bislang nicht gegeben, da die Reifen das 2-3fache eines Heidenau oder Mitas kosten. So viel besser können die gar nicht sein, dass der Preis gerechtfertigt wäre.

VeeRubber VRM022

VeeRubber hat den Ruf, billigster Fernost-Schrott zu sein. Das mit dem billig und Fernost (Thailand) stimmt, das mit dem Schrott kann ich definitiv nicht bestätigen.

Man muss das auch in Relation sehen. Für den Preis eines Metzeler-Reifen bekommt man 2-3 Sätze (!) VeeRubber-Reifen.

Ich habe bislang nur die Stollenreifen VRM022 von VeeRubber ausprobiert. Vorne 3.25-16, hinten 3.50-16. Um nicht mehrmals im Jahr Reifen wechseln zu müssen, habe ich mir hierfür einen zweiten Satz (gammeliger) Räder besorgt.

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Ich nutze sie hauptsächlich im Gelände und Winterbetrieb. Optisch machen sie aufgrund der fetten Stollen ordentlich was her, das Profil ist aber nicht so extrem, dass es auf der Straße unfahrbar wäre. Natürlich verursachen sie spürbare Vibrationen und mögen auch keine großen Schräglagen. Aber im Stadtverkehr und mit Beiwagen fällt beides nicht weiter auf.

Der Verschleiß ist schwierig zu beurteilen. Wenn sie artgerecht auf einer Solomaschine im Gelände bewegt werden, halten sie vermutlich ewig. Mit Beiwagen auf der Straße erwartungsgemäß nicht. Da ich in der kalten Jahreszeit nicht so viel fahre, hält ein Hinterreifen trotzdem 2-3 Jahre. Für den Preis ein sehr guter Wert.

A propos Winterbetrieb: Sie verfügen über keine M+S-Kennzeichnung! Das schränkt ihre Nutzbarkeit nicht ein. kann bei winterlichen Straßenverhältnissen aber zu Ärger mit der Polizei führen. Spätestens dann, wenn man aufgrund der Reifen den Verkehr behindert oder sogar einen Unfall verursacht.

Jetzt zu den Nachteilen: Die Straßenhaftung ist nicht so toll. Bei zügig gefahrenen Kurven untersteuert das Gespann selbst auf trockener Straße regelmäßig und schiebt über das Vorderrad. Das Hinterrad blockiert vor allem auf Nässe sehr schnell, dreht durch oder rutscht seitlich weg. Das sind denkbar schlechte Eigenschaften für einen „Winterreifen“. Positiv ist aber, dass der Reifen in dieser Hinsicht sehr berechenbar ist. Mit etwas Erfahrung weiß man, ab wann die Reifen die Haftung verlieren, und kann das gezielt einsetzen. Mit blockierten Rädern in Parklücken rutschen oder mit durchdrehendem Hinterrad durch den Kreisverkehr? Mit diesen Reifen ein relativ einfaches und risikoloses Manöver.

Also eine klare Kaufempfehlung für alle, die gelegentlich im Schnee oder Dreck fahren und keine Angst vor rutschenden Reifen haben.

Bridgestone BT45

Am Racer habe ich noch nicht viel probieren können. Der erste Satz BT45 (vorne 3.50-18, hinten 4.00-18) hält seit mehr als 8.000 km und hat immer noch ordentlich Profil. Kein Wunder, wurde er doch für „richtige“ Motorräder entwickelt und kann angesichts der 130-Kilo-Emme vermutlich nur milde lächeln.

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Gründe zur Kritik sehe ich nicht: Der Reifen sieht klasse aus und fährt sich völlig problemlos. Was Kurvenstabilität und Schräglagenfreiheit angeht, ist er mit dem Racer total unterfordert und bietet mehr als genug Sicherheitsreserven. Spurrillen und Unebenheiten bringen viel Unruhe ins Fahrwerk, aber das liegt ausschließlich an den schmalen und großen Rädern.

Nässe war nie ein Problem. Erstens weil ich Regen mit dem Racer normalerweise meide, zweitens weil die Reifen durch die verhältnismäßig weiche Gummimischung sehr griffig sind.

Ich kann den BT45 deshalb allen ans Herz legen, die ein klassisches Motorrad zügig bewegen wollen.

Schläuche

Auch hier ist weniger manchmal mehr: Die Schläuche von Heidenau taugen nach meiner Erfahrung nichts. Da muss man alle paar Tage den Reifendruck prüfen und ständig nachfüllen.

Die billigen von VeeRubber sind wesentlich besser. Ich habe den Eindruck, dass sie etwas dicker sind. Vielleicht ist das der Grund. Natürlich muss man auch bei denen regelmäßig kontrollieren, aber bei weitem nicht so häufig.

Vor Jahren habe ich mir beim Autoreifenhändler ein paar Schläuche von Michelin bestellt. Die waren etwa auf dem Niveau von VeeRubber, aber dafür um ein Vielfaches teurer. Wenn nichts anderes da wäre, würde ich die kaufen, ansonsten kann man sich den Mehrpreis sparen.

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