Fuhrparknotizen – Teil 1

Wer seinen Alltag mit einer knappen Handvoll alter Motorräder bestreitet, erlebt ständig etwas. Aber vieles ist nicht so spektakulär, dass es einen eigenen Blog-Eintrag verdient. Deshalb werde ich solche Erlebnisse in Zukunft unter der Überschrift „Fuhrparknotizen“ zusammenfassen. Heute gleich mit einem recht umfassenden Bericht.

MZ TS250 „Ratracer“

Der Racer hat offensichtlich kein Glück mit Tachometern. Oder umgekehrt. Ich hatte mich für einen ganz einfachen 60 mm Tacho aus chinesischer Produktion entschieden. Der erste, damals noch starr verschraubt, hielt immerhin gut 5.000 Kilometer. Dann ging die Nadel nicht mehr von alleine zurück und „drehte durch“. Der zweite wurde von mir elastisch in Gummi gelagert, um ihn vor den Vibrationen zu schützen. Trotzdem zeigte er nach 2.000 Kilometern das gleich Verhalten. Da ich noch Garantie hatte, habe ich ihn umgetauscht. Der dritte hat dann sage und schreibe 50 Kilometer gehalten. 🙁

Tachometer defekt Vibrationen kaputt Aufhängung

Die Preisfrage ist: Woran liegt’s? Sind die Dinger einfach Murks? Man kann sie in China für knapp 9 Dollar pro Stück bestellen. Dass man dafür keine hohe Qualität erwarten kann, ist klar. (Übrigens eine ganz nette Gewinnspanne. Bei deutschen Händlern zahlt man zwischen 40 und 80 Euro dafür.)

Oder liegt es doch an meinem Motorrad? Ich habe die Welle geprüft (läuft einwandfrei) und auch die Länge der Welle passt (sie hat ausreichend Luft und drückt nicht auf die Mechanik). Es ist auch kein Fett oder überschüssiges Öl an der Welle, das in den Tacho gedrückt werden könnte. Ich bin ratlos. Falls der nächste wieder nicht lange hält, werde ich mich nach einem anderen Fabrikat umsehen.

MZ ES 250/2 Gespann

Das Gespann läuft problemlos und hat – passend zur dunklen Jahreszeit – jetzt sogar eine Kofferraumbeleuchtung. 🙂

Mir ist aber vor einer Weile aufgefallen, dass die hintere Schwinge ziemlich krumm ist. Das Hinterrad steht sichtbar schief, was beim Kurvenfahren deutlich spürbar ist. Zurechtbiegen hat leider nicht viel gebracht. Ich habe deshalb für wenig Geld eine gerade Schwinge ersteigert. Die war übel verrostet und wurde erstmal pulverbeschichtet. So sieht das doch gleich viel besser aus:

Gespannschwinge MZ ES 250/2 Gespann SeitenwagenEinbauen werde ich sie erst im Winter, denn momentan nutze ich das Gespann noch fast täglich und so ein Schwingenwechel ist nicht in 5 Minuten erledigt.

Suzuki GSX 400 F – „Ratracer 2“

Bei der Katana ist das aktuelle Ziel noch immer: Zum Laufen bringen und dann erstmal ausgiebig probefahren. Umgebaut wird erst, wenn alles passt. Hier der aktuelle Stand.

Der Kupplungszug war der falsche und obendrein falsch montiert. Ich habe einen neuen gekauft und vernünftig verlegt. Passt. Recht schwergängig ist die Kupplung leider immer noch.

Die Batterie hat der Vorbesitzer randvoll mit Säure gefüllt. Also ca. 1 cm über die MAX-Markierung. Da man den Ladereglern der GSX nachsagt, dass sie gelegentlich Aussetzer haben, wollte ich keine überkochende Batterie riskieren und habe mit einer Spritze die überschüssige Säure abgesaugt. Ein ekliges Gepansche, bei dem ich freiwillig zu Handschuhen und Schutzbrille gegriffen habe.

Die Bremsbeläge waren noch nicht verschlissen. Aufgrund der langen Standzeit (angeblich 16 Jahre) habe ich sie trotzdem getauscht. Immer mal wieder hört man davon, dass alte Beläge unterrosten und sich dann lösen können. Dieses Risiko wollte ich nicht eingehen, zumal sie nicht soooo teuer sind. Ca. 60 Euro für alle 6 Beläge.

2-2015-10-17 17.31.05Also raus mit den alten Belägen. Ein bisschen angegammelt waren sie schon. Die neuen waren innerhalb weniger Minuten montiert, da die Bremsen noch gut in Schuss und alle Bremskolben freigängig waren. Besonders genial finde ich, dass man die hinteren Beläge ganz bequem von oben und ohne Demontage des Bremssattels tauschen kann. Zumindest theoretisch. Praktisch musste ich ihn trotzdem kurz von der Scheibe heben, um die Bremskolben zurückdrücken zu können.

4-2015-10-17 17.49.13

Der Vergaser bereitet mit leider etwas Kopfzerbrechen. Je weiter ich ihn zerlege, desto gammeliger wird er. Viele Düsen und Schrauben sind festgegammelt oder kaputt. Die Schrauben  musste ich größtenteils mit ’ner großen Zange lösen, bevor ich sie rausdrehen konnte. Die sind so weich, dass sie selbst bei gutem Werkzeug sofort nachgeben. Deshalb werde ich den Vergaser nach der Überholung ganz un-original mit Inbusschrauben ausstatten. Und eine Leerlaufdüse konnte ich übrigens nur mit dem Linksausdreher rausbekommen.

1-2015-10-17 16.14.16Die Vergaserdeckel sind teilweise so rostig, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich die überhaupt noch retten kann. Vielleicht wäre es sinnvoller, für knapp 100 Euro eine gebrauchte Vergaserbank in gutem Zustand zu kaufen, statt viel Geld in den gammeligen Vergaser zu stecken und ihn am Ende doch nicht richtig zum Laufen zu bekommen? Ich lasse die Deckel und die Haltestreben erstmal pulverbeschichten, dann sieht man weiter.

2015-10-20-17.06Bei meinem Plan, evtl. die Gabel zu tauschen, bin ich etwas weiter. Mir ist die Gabel einer GSX 550 zugelaufen, die eigentlich ohne großen Aufwand passen müsste. Eigentlich. Müsste. Wenn ich einen Euro für jedes „eigentlich“ und jedes „müsste“ bekommen hätte… 😉

Suzuki GSF 600 S „Bandit“

Da ich bei (drohendem) Regen meine „Oldtimer“ lieber in der Garage lasse, durfte die Bandit in letzter Zeit relativ häufig ran und hat sich dabei als absolut zuverlässig und unkompliziert erwiesen.

Deshalb durfte sie mich auch bei meiner Saisonabschlusstour mit Jan begleiten. Gut drei Stunden sind wir durch den Odenwald gedüst. Jan hat sich als perfekter Tourguide erwiesen und die Bandit war für die kurvigen aber ziemlich flotten Strecken genau die richtige Wahl.

2015-10-10-17.17.41Auch wenn das Foto nicht nach großen Motorrad-Emotionen oder epischem Abenteuer aussieht: Ich hatte einen Mordsspaß! Nochmals Danke an Jan!

 

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