Ein paar Gedanken zu Motorradmuseen

Ich war am Wochenende in Thüringen und habe dabei auch das Zweiradmuseum Suhl besucht. Es hat mir sehr gut gefallen, aber mich auch zum Nachdenken gebracht. Wie sinnvoll sind Technikmuseen in dieser Form überhaupt?

Ich war in den letzten Jahren in einigen Technikmuseen. Zweiradmuseum Neckarsulm, Motorradmuseum auf der Augustusburg, DDR-Motorradmuseum in Berlin, Automobile Welt Eisenach und Museum für Industriekultur in Nürnberg. Aber auch „kleinere“ Sammlungen wie das Motormuseum Öhringen, das Automobilmuseum Fichtelberg oder das Motorradveteranenmuseum in Großschönau.

Zweiradmuseum Suhl

Zweiradmuseum Suhl

Alles sehr schön, alles sehr beeindruckend. Mal ist das Ambiente sehr modern und reduziert, mal eher historisch gewachsen und „urig“. Und überall gibt es mehr als genug zu sehen. Also alles super?

DDR-Zweiradmuseum Berlin

DDR-Zweiradmuseum Berlin

Kann ein Technikmuseum seine Besucher begeistern?

Gerade bin ich über einen Blogartikel von Moto-Liebe gestolpert, in dem die Autorin schreibt, wie begeistert sie vom Berliner DDR-Motorradmuseum war. Geradezu hingerissen! Das hat mich etwas irritiert. Denn genau das ist mir bei all den Museen noch nie passiert: Dass ich am Ende begeistert war.

Meistens läuft es so: Ich gehe voller Vorfreude in das Museum und schaue mir die ersten 5 Exponate im Detail an. Bei den nächsten 10 schaue ich nicht mehr ganz so genau hin und lese mir vielleicht noch die Beschreibung durch. Den Rest streife ich nur noch mit meinem Blick und bleibe nur da stehen, wo ich etwas wirklich Außergewöhnliches entdecke. Am Ende bin ich von all den Exponaten total überwältigt. Aber begeistert?

Automobilwelt Eisenach

Automobilwelt Eisenach

Ich glaube, das liegt am Konzept solcher Museen. Meistens haben sie das Ziel, möglichst viel zu zeigen. Die Motorradgeschichte ist extrem komplex und es gibt nahezu unendlich viele Facetten. Und die Museen versuchen, alles irgendwie abzudecken. Das endet immer in einer Materialschlacht, die den Besucher völlig überfordert und bei der er auch nichts lernt.

Vielleicht wäre es besser, sich von diesem Konzept zu verabschieden?

Ich habe das gelegentlich mit meiner Frau erlebt. Die kann sich für Technik nicht wirklich begeistern und geht meist nur mir zuliebe mit. Aber wenn ich ihr dann zu einem bestimmten Modell ein paar Hintergrundinformationen gebe, vielleicht verbunden mit einer lustigen oder spannenden Anekdote, dann ist ihr Interesse geweckt und sie will mehr wissen.

Zweirradmuseum Neckarsulm

Zweirradmuseum Neckarsulm

Vielleicht sollte man lieber versuchen, die Geschichten hinter den Fahrzeugen zu erzählen? In anderen Museen ist sowas heute üblich. Audioguides lassen Zeitzeugen zu Wort kommen, in Filmen wird die Geschichte lebendig, man kann Exponate anfassen, ausprobieren, mitmachen. Bei Technikmuseen ist mir sowas noch nicht begegnet. Höchstens auf der Augustusburg, wo am Anfang auf Bildschirmen ein paar grundlegende Sachen vermittelt werden: Wie funktioniert ein 4-Takt-Motor etc. Mehr aber auch nicht.

Zweiradmuseum Suhl

Zweiradmuseum Suhl

Mit Geschichten meine ich nicht unbedingt die Geschichte eines Mannes, der auf seinem Motorrad um die Welt gefahren ist oder vom Schlosserlehrling zum Weltmeister wurde. (Obwohl auch das spannend wäre.) Sondern eher technische Aspekte von verschiedenen Seiten beleuchten. Hier ein paar mögliche Beispiele:

Wie hat sich das Fahren im Lauf der Zeit geändert? Am Anfang war man auf einem Motorrad eher Maschinist und musste sich mit Zündzeitpunktverstellung, handbetätigter Ölpumpe, Tropföler, Dekompression, Riemenspannung und Handschaltung abmühen. Heute haben Motorräder 1000 elektronische Helferlein, die einem all das abnehmen, dadurch aber auch ein ganz anderes Fahren ermöglichen. Sowas könnte man sehr anschaulich vermitteln, z.B. durch einen Simulator.

Oder wie sich bestimmte Erfindungen ausgewirkt haben. Wie die Schnürle-Umkehrspülung den Zweitakter revolutioniert hat – und was sich andere Ingenieure ausgedacht haben, um dieses Patent zu umgehen.

Motorradveteranenmuseum Großschönau

Motorradveteranenmuseum Großschönau

Wie immer wieder mit Kompressoren oder Turbos versucht wurde, aus kleinem Hubraum große Leistung herauszukitzeln. Mit den technischen Grundlagen und den verschiedenen Umsetzungskonzepten im Detail. Aber auch mit einer ganz subjektiven Bewertung, damit auch jemand ohne Maschinenbaustudium versteht, was das am Ende bedeutet.

Es gibt am Motorrad so viele Aspekte und Baugruppen, die sich im Lauf der letzten 100 Jahre radikal geändert haben. Rahmen, Bremsen, Motoren, Antriebsformen. All das könnte man anhand verschiedener Motorräder zeigen und für den Besucher verständlich machen.

Zweiradmuseum Suhl

Zweiradmuseum Suhl

Man muss das auch gar nicht so riesengroß aufziehen. Man könnte auch nur ein Motorrad herausgreifen und dazu ein bisschen was erzählen. Beispiel gefällig? Eine Megola ist ein faszinierendes Motorrad. Wer sich aber nie damit auseinandergesetzt hat, erkennt das gar nicht. Warum nicht anhand von ein paar technischen Modellen zeigen, was an dem Sternmotor so beeindruckend ist? Dass die Achse zugleich Kurbelwelle, Nockenwelle und Benzinleitung ist. Dazu Tonaufnahmen, die deutlich machen, wie ein Sternmotor ohne nennenswerte Geräuschdämpfung klingt (höllisch laut und höllisch geil!). Und dann noch ein paar Filme, die eine Megola in Aktion zeigen und dem Besucher deutlich machen, was es in der Praxis bedeutet, ein Motorrad ohne Kupplung und (schaltbares) Getriebe zu fahren.

Motorradveteranenmuseum Großschönau

Motorradveteranenmuseum Großschönau

Mit solchen Hintergrundinfos könnte man jede Sammlung deutlich aufpeppen. Und man könnte dadurch Anreize schaffen, die Ausstellung öfter als nur einmal zu besuchen. Man muss ja nicht jedes Mal die komplette Sammlung umsortieren. Aber wenn man alle paar Monate ein anderes Fahrzeug oder eine andere Technik in den Mittelpunkt stellt und Geschichten dazu erzählt, würde das die Sache sehr beleben.

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