Vor 6 Jahren habe ich mich schonmal mit dem Aufbau einer “Ladeinfrastruktur” in meiner Garage befasst und alle meine Motorräder mit Ladebuchsen versehen. Da die Anzahl der Batterien in meiner Scheune mittlerweile gewachsen ist, war es Zeit für ein (nicht ganz billiges) Upgrade.
Der Status Quo
Kurz zusammengefasst: Auf der einen Seite habe ich ein altes aber gar nicht so schlechtes Ladegerät H-Tronic AL 1000plus. Das liefert 1A und man kann eine Batterie anschließen. Ein ganz normales Motorrad-Ladegerät eben.
Auf der anderen Seite habe ich 4 Motorräder, einen Eigenbautraktor und einen Hubwagen. Insgesamt sind das 7 Batterien mit 6 oder 12 V und 4 bis deutlich über 50 Ah. Alle Batterien verfügen über fest installierte Ladebuchsen von CTEK.
Wie man sieht, kommt ein Motorradladegerät da schnell an seine Grenzen. Einerseits bin ich ständig nur am Umstecken, wenn ich alle 7 Batterien voll über den Winter bringen will. Andererseits braucht das kleine Ladegerät bei einer leicht entladenen Autobatterie knapp eine Woche, um sie wieder voll zu bekommen. Mag sein, dass eine langsame Ladung für die Batterie schonender ist. Aber man muss es ja nicht übertreiben. 😉
Ich brauche ein neues Ladegerät!
Ich habe mich also umgeschaut, was der Markt so bietet. Am wichtigsten war mir, dass ich mehrere Batterien anschließen kann. Am liebsten gleich alle. Oder noch mehr! Und natürlich wäre auch etwas mehr Leistung toll.
Aber schnell kam die Ernüchterung: Es gibt so gut wie keine Ladegeräte zu kaufen, die mehr als eine Batterie gleichzeitg laden können. Selbst namhafte Hersteller wie CTEK haben kein einziges im Angebot.
Es gibt nichtmal eine Handvoll Geräte, die 2 Anschlüsse haben. Und genau eines mit 4. Also habe ich mir das angeschaut. Da die Bewertungen super waren, habe ich es bestellt.
Noco Genius 2×4
Das Genius 2×4 von Noco kostet stolze 165 Euro. Ganz schön viel Geld. Aber wenn man bedenkt, dass es sich im Prinzip um 4 Ladegeräte in einem Gehäuse handelt, relativiert sich das. Insgesamt hat es 8A Ladeleistung, je 2A pro Kanal.
Die erste Überraschung war schon das Auspacken: Die ganze Verpackung war so aufwändig und hochwertig, dass ich das Gefühl hatte, ich würde eine hochpreisige Spielkonsole auspacken! Ein bedruckter Umkarton für den Transport. Darin ein hochwertig bedruckter Karton, der wiederum in einem hübschen Papp-Schuber steckte. Im eigentlichen Karton dann insgesamt noch 3 passgenaue und unterschiedlich bedruckte Kartons für die verschiedenen Kabel sowie eine bedruckte Abdeckung für das Gerät. Dazu mehrere kleine Kartons als Platzhalter. Wow.
Ich hätte all das nicht gebraucht. Ein normaler Karton mit ein bisschen Luftpolsterfolie hätte es auch getan und wäre sicher billiger gewesen. Aber die Verpackung zeigt, welchen Anspruch Noco an seine Geräte hat bzw. welchen Qualitätseindruck es seinen Kunden vermitteln will. Nicht schlecht.
Was ist denn nun alles drin? Natürlich das Gerät selbst sowie 4 verschiedene Anschlusskabel mit Steckern für verschiedene Länder. Ich finde das etwas eigenartig, denn 3 von 4 Kabeln landen am Ende unbenutzt im Müll. Nicht unbedingt ideal für die Umwelt und Geld kostet das auch. Warum Noco das Kabel nicht passend zum Zielmarkt auswählt verstehe ich nicht, aber nun gut. Falls ich mal in die USA oder nach China reise und mein Ladegerät mitnehme, kann ich es da auch nutzen. Yeah. 😉
Zum Anschließen der Batterien gibt es 4 Kabel mit Krokoklemmen, jeweils 55 cm lang. Die Klemmen machen einen sehr guten Eindruck, haben verkupfterte Oberflächen und kräftige Federn. Die Kabel sind nicht fest mit dem Ladegerät verbunden, sondern haben spritzwassergeschützte Steckverbindungen mit Abdeckungen.
Besonders clever ist, dass man die Klemmen einfach abschrauben kann. Dann hat man Kabel mit M6-Ringösen, die man als Ladebuchse fest an eine Batterie schrauben kann. Eine sehr schöne Lösung!
Zusätzliche gibt es 4 Verlängerungskabel mit je 3 m Länge. Auch toll!
Schließlich gibt es noch 2 Schrauben zum Befestigen des Ladegeräts und ein dickes Heft mit Warnhinweisen und Garantiebedingungen in drölftausend Sprachen.
Was fehlt, ist leider eine Bedienungsanleitung. Ich habe den Kartons komplett auf den Kopf gestellt. Nichts. Laut Homepage soll das Heft mit den Warnhinweisen einen “User Guide” enthalten, aber ich habe ihn 5 Mal durchgeblättert und nur die üblichen Floskeln gefunden. Sehr eigenartig. Aber egal, im Internet gibt es die Anleitung zum Download und so kompliziert ist es ja auch nicht.
Adapterbau und Befestigung
Wie schon geschrieben, besitzen alle meine Fahrzeuge eine Ladebuchse von CTEK. Natürlich sind die nicht kompatibel mit denen von Noco. Da die Ladebuchsen von Noco nicht ganz billig sind und ich nicht alles umbauen will, habe ich mich für folgende Lösung entschieden: Ich habe mir 4 Verlängerungskabel (2,5m) von CTEK gekauft und an die Ladestecker von Noco gelötet.
Mit diesen selbstgebauten Adaptern kann ich das Ladegerät sowohl mit CTEK- als auch mit Noco-Buchsen verbinden. Und ich habe noch mehr Reichweite gewonnen, denn mit den Verlängerungskabeln komme ich auf 4 x 6m.
Das Gerät habe ich mit 2 Schrauben an die Scheunenwand geschraubt – und schon konnte es losgehen:
Das Noco Genius 2×4 im Einsatz
Ob einem das Ladegerät optisch gefällt, ist natürlich Geschmacksache. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass es komplett geschlossen und spritzwassergeschützt ist. Schließlich ist meine Scheune nicht luftdicht geschlossen, es zieht also auch viel Staub und Feuchtigkeit durch. Inwiefern der Verzicht auf Lüftungsschlitze ein Temperaturproblem bringt, werde ich sehen. Bislang ist es aber nicht einmal handwarm geworden. Und da es ja vor allem im Winter genutzt wird, mache ich mir keine Sorgen.
Was ich optisch toll finde, sind die vielen Lichter. Da kommt man sich vor wie auf der Brücke von Raumschiff Enterprise. 😉 Zumal es nicht einfache, runde LEDs sind, sondern flächige Leuchten, die langsam an- und ausfaden. Das sieht wirklich schön aus.
Was mir aufgefallen ist: Mein altes Ladegerät hat automatisch erkannt, ob die angeschlossene Batterie 2V, 6V oder 12V hat. (Was bei stark entladenen Batterien zu Problemen führen konnte.) Beim Noco muss man manuell auswählen: 12V, 12V AGM, 12V Lithium oder 6V. Bei 6V gibt es sogar noch einen Schutzmechanismus: Man muss die Auswahltaste 3 Sekunden gedrückt halten.
Und da sind wir bei noch einem Unterschied: Bei meinem alten konnte man einfach im Betrieb Batterien umstecken. Es hat dann selbst erkannt, dass eine neue dranhängt. Das Noco will aber zwingend ausgeschaltet sein, wenn Batterien angeschlossen werden. Ansonsten macht es Probleme: eine tadellose 6V-Batterie wurde als fehlerhaft erkannt. Nach dem Neustart war wieder alles super.
A propos Neustart: Das Ladegerät merkt sich, was für eine Batterie an welchem Anschluss hängt, und wählt nach dem Einschalten automatisch den entsprechenden Modus. Das funktioniert wunderbar, solange man zwischendurch nichts umgesteckt hat. Hat man etwas geändert, muss man den Modus natürlich selbst wechseln.
Das Laden funktioniert erwartungsgemäß ganz einfach: Das Noco zeigt mit 4 Ladebalken an, wie voll die Batterie ist (25%, 50%, 75%, 100%). Wenn die Batterie voll ist, wird noch ein bisschen “optimiert” (was auch immer das heißen mag) und danach geht es in den stromsparenden Erhaltungsmodus. Die Batterie kann also dauerhaft am Ladegerät angeschlossen bleiben. Angeblich wird dabei auch die Umgebungstemperatur berücksichtigt, Sulfatierung erkannt und beseitigt etc.
Neben den üblichen Fehler- und Schutzfunktionen (Verpolung, Kurzschluss, zu niedrige oder zu hohe Temperatur) bietet das Noco noch eine tolle Funktion: Man kann damit stark entladene Batterien wiederbeleben, indem man “zwangsweise” die gewünschte Ladespannung anlegt. Ich habe das bislang immer von Hand mit einer zweiten Batterie gemacht, was aber fummelig und nicht ganz ungefährlich ist. Das Noco macht das auf Wunsch selbst und schaltet dann automatisch nach 5 Minuten in den normalen Lademodus. Testen konnte ich die Funktion aber noch nicht.
Fazit
Das Noco Genius 4×2 hängt an der Wand, sieht gut aus, … und überall in der Scheune liegen Kabel rum. 😉
Ich bin sehr glücklich mit dem Kauf: Es macht einen wirklich guten Eindruck, hat viele Funktionen, arbeitet unauffällig und tadellos, bietet einen guten Überblick und nimmt mir viel Arbeit ab.
Alle 4 Wochen werde ich umstecken, damit alle Fahrzeuge mal drankommen. Ich hab schon überlegt, ob ich mir einfach noch ein Ladegerät kaufen soll, aber das war mir dann doch zu teuer. Vielleicht nächsten Winter.

