Fahrradtransport auf dem Motorrad

Warum zum Teufel sollte man ein Fahrrad auf einem Motorrad transportieren?! Die Antwortet lautet wie so oft: Weil man es kann. Und die spannendere Frage ist ohnehin nicht “Warum?” sondern “Wie?”


Wo kommt denn plötzlich das Fahrrad her?

Anfang des Jahres habe ich festgestellt, dass ich zu dick geworden bin. Also habe ich meine Ernährung umgestellt und mir ein gebrauchtes Rennrad gekauft, das ich seitdem intensiv nutze. Ich bin bewusst günstig in das Thema eingestiegen, um zu prüfen, ob das überhaupt was für mich ist. Schließlich bin ich schon seit fast 20 Jahren kaum Rad gefahren. Aber ich fuchse mich mehr und mehr rein, investiere hier und optimiere da ein bisschen, und vor allem fahre ich viel und mit wachsender Begeisterung.

Abends noch schnell ein Stündchen über die Dörfer? Geht auch ohne Motor.

Ich habe dieses Jahr deutlich mehr Zeit im Fahrradsattel als auf Motorradsitzbänken verbracht und mit dem Rad sogar mehr Kilometer zurückgelegt als mit den einzelnen Motorrädern. (Jeweils. Nicht in Summe.)

Ich hätte nie gedacht, dass Radfahren so viel Spaß machen kann!


Also sind die Motorräder jetzt uninteressant?

Nein, natürlich nicht. Dafür sind die Einsatzzwecke zu unterschiedlich. Zumal mein Rennrad wirklich nur zum sportlichen Fahren taugt. Aber wenn ich abends vor der Wahl stehe, noch eine kleine Feierabendrunde mit dem Moped zu drehen oder mich mit dem Rad auszupowern, gewinnt meist das Rad. 😉

Das Fichtelgebirge ist ein Traum für Motorradfahrer. Für Radfahrer auch.


Lässt sich das nicht kombinieren?

Rund um mein Dorf kenne ich mittlerweile jede Straße in- und auswändig. Deshalb habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich das Rennrad zu weiter entfernten Touren transportieren kann.

Klar, mit dem Auto ist das kein Problem: Auf dem Fahrradträger an der Anhängerkupplung. Oder auf dem Dachträger. Oder im Anhänger. Aber das kann ja jeder. 😉

Deshalb habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, das Rennrad auf dem Motorrad zu transportieren.


Option 1: Fahrrad auf dem Motorradanhänger

Mein Gespann hat eine Anhängerkupplung und einen dazu passenden Anhänger. Das Einfachste wäre, das Rad einfach auf den Anhänger zu legen oder zu stellen.

MZ-Gespann mit AnhängerAllerdings muss ich dann immer den Anhänger aus der hintersten Ecke der Scheune kramen, dafür mehrere Fahrzeuge umparken, etc. Außerdem darf ich mit Anhänger nur 60 km/h fahren. Nicht so richtig sexy. Und der Anhänger ist obendrein so kurz, dass das Rennrad nicht im Ganzen draufpasst.

Die Lösung überzeugt mich nicht.


Option 2: Fahrradträger am Gespann

Ich hab ein Motorrad mit Anhängerkupplung. Ich habe einen Fahrradträger. Was gibt es da lange zu überlegen?

Sieht ungewohnt aus, funktioniert aber.

Die Frage ist: Darf man das?

Der Träger sitzt bombenfest auf der AHK und wackelt auch nicht mehr als am Auto. Das Rad steht zwar seitlich etwas über, aber 40 cm Überstand sind erlaubt und so viel ist es nicht. Die erlaubte Stützlast von 25 kg wird nicht überschritten. Die Beleuchtung funktioniert und wird durch nichts verdeckt. Ein passendes Kennzeichen habe ich übrigens auch noch montiert, das fehlt nur auf dem Foto. Zur Sicherheit habe ich noch meinen DEKRA-Prüfer gefragt, und der sah auch keine Probleme.

Also habe ich das getestet und eine kleine Tour gemacht. Das Fahren mit dem Motorrad war gar kein Problem. Es fuhr sich zwar etwas hecklastig, aber war immer gut beherrschbar. Das Auf- und Abladen ging auch relativ einfach.

Fazit: Auch wenn es eine unorthodoxe Lösung ist, funktioniert es ganz gut. Klar, das Montieren des Trägers dauert ein paar Minuten und beim Fahren muss man aufpassen, dass man nicht irgendwo hängenbleibt. Was die Polizei davon hält, weiß ich nicht. Gut möglich, dass man damit Diskussionen provoziert.


Option 3: Fahrrad im Beiwagen

Noch naheliegender ist es natürlich, das Fahrrad im oder auf dem Beiwagen zu transportieren. Das geht auch wieder auf verschiedene Weisen: Vorderrad raus und einfach alles in den Beiwagen packen und festzurren. Oder flach obendrauf legen. Beides ist nicht sehr materialschonend. Man könnte auch eine Schiene der Länge nach auf den Beiwagen montieren und das Rad darauf fixieren. Quasi einen Dachträger vom Auto, nur eben auf dem Beiwagen. Ich habe mich für etwas anderes entschieden:

Der Gabelhalter ist mit 2 Schrauben am Holz verschraubt.

Ich habe eine Gabelhalterung vorne im Lastenbeiwagen festgeschraubt. Wenn ich das Vorderrad aus dem Fahrrad ausbaue, kann ich die Gabel dort per Schnellspanner mit wenigen Handgriffen befestigen. Das geht sogar noch schneller, als das Rad auf dem AHK-Träger zu fixieren.

Eigentlich steht es damit schon supersicher. Rein theoretisch könnte das Fahrrad aber bei starkem Bremsen hochklappen. Nicht sehr weit, weil es nach wenigen Zentimetern an der vorderen Bordwand anschlagen würde. Trotzdem doof. Deshalb habe ich das Heck mit einem einfachen Spanngurt festgezurrt. Das Vorderrad kommt auch mit rein und kann natürlich auch festgezurrt werden.

Fazit: Die beste Lösung von allen! Das Vorderrad auszubauen und alles im Beiwagen zu sichern, dauert keine 3 Minuten. Das Fahrrad ist sicher verstaut. Das Motorrad lässt sich ganz normal fahren. Ich muss nicht mit irgendwelchen schweren und unhandlichen Trägern hantieren. Wenn ich kein Fahrrad transportiere, stört der kleine Halter nicht weiter. Und wenn doch, ist er ratzfatz ausgebaut. Diskussionen mit der Polizei sind nicht zu erwarten. Günstig ist diese Variante obendrein – der Gabelhalter kostet keine 25 Euro.

 

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