Die etwas andere Ganganzeige

Nachdem die Originalinstrumente meiner Katana einem digitalen Minicockpit weichen müssen, war die Frage: Was wird aus der Ganganzeige? Das Koso MX DB-01R hat keine mit drin. Also habe ich mir etwas Originelles einfallen lassen.

Technische Umsetzung

Bevor ich mich meiner Bastelei widme, erst eine Bestandsaufnahme:

Ich weiß nicht, wie andere bzw. moderne Motorräder das mit der Ganganzeige und dem Eingangssignal lösen. Universal-Ganganzeigen zum nachträglichen Anbau haben meist einen Sensor, der die Bewegungen des Schalthebels mittels Hallgeber oder ähnlichem erfasst und daraus auf den aktuell eingelegten Gang schließt. Für mich keine optimale Lösung, da der rangebastelte Sensor hässlich aussieht und dem Spritzwasser des Vorderrads schutzlos ausgeliefert ist. Außerdem frage ich mich, wie der Sensor mit “fehlerhaften” Schaltvorgängen um geht. Was, wenn ein Gang rausspringt oder nicht beim ersten Versuch reingeht? Was, wenn ich den Schalthebel nur antippe, aber nicht schalte? Was, wenn ich versehentlich versuche, im 6. Gang noch mal hochzuschalten? Muss ich die Ganganzeige dann erst wieder “nullen”?

Umbau-freundlicher geht es kaum

Langer Rede kurzer Sinn: Meine GSX kennt solche Probleme nicht, denn die Technik ist so einfach wie genial: Im Getriebe sind 7 Kontakte (6 Gänge + 1 Leerlauf), die 7 einzelne Kabel gegen Masse schalten. Die Schalter sind von außen unsichtbar, gut geschützt und funktionieren zuverlässig.

GSX 400 F, GS 40 XF, Suzuki Katana

Da braucht es auch keinerlei Elektronik: Ich kann einfach irgendwelche Lämpchen oder LEDs anschließen und schon weiß ich zuverlässig, welcher Gang drin ist.

Nixie-Röhre als Ganganzeige?

Nixie RöhreMeine erste Idee war eine Anzeige mit Ziffern. So ähnlich wie die originale. Nur nicht verteilt auf 6 verschiedene Einzelanzeigen, sondern in einer. Ich wollte es aber nicht elektronisch mit einer Segmentanzeige machen, sondern mit einer Nixie-Röhre.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Es sieht toll aus. So herrlich retro. Das würde gut zu einem klassischen Umbau passen. Ein echter Hingucker und vermutlich einmalig auf der Welt. Außerdem nimmt es relativ wenig Platz weg. Und auch der Anschluss wäre simpel: Die Röhren verfügen über einen Eingangskontakt pro Ziffer und einen Massekontakt. Das hätte sich wirklich Plug ‘n’ Play anschließen lassen.

Leider überwiegen die Nachteile: Die Röhren sind sehr empfindlich. Ich vermute, dass die Vibrationen eines Motorrades die Lebensdauer sehr einschränken würden. Was insofern schlecht ist, weil sie auch nicht ganz billig sind. Mal eben 20 auf Lager zu legen und alle paar Wochen zu tauschen würde sehr ins Geld gehen. Außerdem ist die Leuchtkraft eher gering. Bei Sonnenschein also kaum noch ablesbar. Und das größte Gegenargument: Die Dinger laufen nicht mit 12 V sondern benötigen ca. 170 V. Da relativ wenig Strom fließt, könnte man das mit einer kleinen Schaltung hochregeln, ohne die Batterie zu killen. Aber ganz wohl wäre mir trotzdem nicht dabei, wenn ich am Lenker und unter dem Tank 7 Starkstromkabel liegen hätte. Und die Kontakte im Getriebe würden sich über die 14fache Spannung sicher auch nicht freuen. Lassen wir das also lieber.

If you like to gamble, I tell you, I’m your man

Also der Einfachheit halber doch normale LEDs. Aber nur eine Reihe von 6 runden LEDs? Das wäre zwar einfach und schön minimalistisch. Aber auch seeeeehr langweilig.

Und da hatte ich die Idee: Was ist klein, hat “Ziffern” drauf und ließe sich gut beleuchten? WÜRFEL!

Würfel

Zuerst benötigte ich 6 passende Würfel. Die normalen mit 16 mm waren mir zu groß, also habe ich mich für welche mit 12 mm Kantenlänge entschieden. Transparent sollten sie sein, sonst würden sie ja nicht leuchten. Und als Farbe habe ich grau gewählt, weil das am neutralsten ist. Diese hier habe ich bestellt.

Als Leuchtmittel habe ich mich für weiße LEDs mit 5 mm Durchmesser entschieden. Relativ hell, damit man sie auch bei Sonnenlicht sieht, aber keine super-mega-ultra-hellen, die möglicherweise blenden würden. Die LEDs habe ich mit entsprechend langen Kabeln und einem Widerstand verlötet. Jetzt kann ich sie ganz einfach am originalen Stecker der Ganganzeige anschließen. (Rückbaubarkeit! Ganz wichtig!)

Beim Löten habe ich mal wieder alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. 2 LEDs habe ich gekillt, weil ich sie ohne Widerstand getestet habe. Außerdem musste ich alles ab- und wieder anlöten, weil ich Anode und Kathode verwechselt habe. Und das war nicht das erste Mal! Ich hoffe aber sehr, dass es das letzte Mal war.

Die Würfel habe ich mit einem 5 mm Bohrer angebohrt. Und zwar so, dass jeweils eine andere Augenzahl oben ist. Die LEDs habe ich provisorisch mit etwas Heißkleber fixiert. Beim ersten Testlauf war die Ausleuchtung sehr ungleichmäßig und es hat teilweise etwas geblendet. Deshalb habe ich die Oberseite mit einem feinen Schleifpapier leicht mattiert.

Ganganzeige WürfelGanganzeige Würfel Auf dem Foto sieht es extrem hell aus. Das liegt aber nur an der Handykamera und der dunklen Küche. Im Freien dürfte es ziemlich perfekt sein.

Jetzt muss ich mir nur noch etwas für die Befestigung überlegen. Evtl. baue ich mir einen kleinen Metallrahmen, in den ich die Würfel einklebe. Oder auf eine kleine Metallplatte. Oder versenkt in einem “Armaturenbrett”. Mal sehen.

Und die Leerlaufleuchte?

Ich hatte mir kurz überlegt, auch die Leerlaufleuchte zu integrieren. zB mit einem grünen Würfel ohne Augen. Aber ich habe keinen passenden finden können. Und da das Koso-Instrument eine integrierte Leerlaufleuchte hat, habe ich sie einfach da angeklemmt. Falls mir noch ein passender Würfel über den Weg kullert, kann ich das immer noch nachrüsten.

Voriger Beitrag
Nächster Beitrag

3 Gedanken zu „Die etwas andere Ganganzeige

  1. Hi Martin,
    das mit den Würfeln finde ich Super, ich werd einfache Leds verbauen auf ein Stück Va Blech und an der Lenkerbefestigung festmachen.
    Frage wie hast Du bei deinen Koso-R Multi, den Drehzahlmesser zum laufen gebracht, die Katana hat doch eine CDI Zündanlage verbaut mit Geber.
    Hab auch einen Kosso D64 Dl-03Tacho mit Drehzahlmesser verbaut, meine Susi Gs 450 Baujahr 1982, hat auch eine CDI Zündanlage mit Geber, der andere schnickschack am Tacho is alles am laufen, war auch net besonders schwer das einzustellen, nur den Drehzahlmesser bekomme ich nicht zum laufen. Wollte das CDI Geber Signal abgreifen, aber leider kein erfolg, die Beschreibung erzählt aber das dass gehen würde, nur bei mir nicht. Habe alle Möglichkeiten von der Beschreibung ausprobiert, nichts dreht sich.
    Wenn ich keinen Drehzahlmesser habe, könnt ich auch damit leben, aber das Teil hat einen, also sollte er funktionieren
    Gruß Michel
    Ps: Aluteile drehen ist kein Problem, hab zwei Drehbänke stehen in meiner Werkstatt

    • Hi Michel!
      Ich bin mir gerade nicht mehr sicher, weil das schon eine Weile her ist, dass ich das angeschlossen habe. Aber ich glaube, ich habe das irgendwie an einer Zündspule angeschlossen. (Oder sogar nur das Kabel um das Zündkabel rumgewickelt?) Daher bekommt er dann das Signal. Dann kann man am Tacho den “Multiplikator” einstellen. Je nachdem, wie viele Zylinder, Doppelzündung etc. Das muss man einfach ausprobieren: Im Leerlauf sollte irgendwas zwischen 1000 und 1500 angezeigt werden.
      Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.