Alternativen zum Zündschloss?

Zündschlösser haben sich am Motorrad seit vielen Jahrzehnten bewährt, funktionieren zuverlässig und tadellos. Es ist also an der Zeit, dass ich mich dieses dringenden Problems annehme. Denn nichts ist so gut, dass man es nicht noch besser schlechter machen könnte 🙂

Das Zündschloss an meiner GSX400F ist eines der ganz simplen. Es macht wirklich nichts anderes als  “Zündung AN – Zündung AUS”. Da ist nichts mit Lenkschloss oder Licht oder so. Nur ein Schalter, fertig.

(Naja, eigentlich sind es 2 Schlüsselpositionen. Es gibt noch die Park-Stellung, in der nur das Parklicht an ist. Aber da ich das Standlicht ohnehin entfernen will, brauche ich das nicht. Und der TÜV legt da auch keinen Wert drauf.)

Es bietet sich also geradezu dafür an, durch eine andere Lösung ersetzt zu werden. Jeder simple Schalter kann diese Aufgabe übernehmen.

Zündschloss per Funk

An meiner seligen Kawasaki ZRX1100 hatte ich etwas gebastelt, was damals der letzte Schrei war: Ein funkgesteuertes Zündschloss.

Unter der Sitzbank saß ein Steuergerät und versteckt unter der Heckverkleidung der dazugehörige Funkempfänger. Wenn ich nun einen passenden RFID-Transponder in die Nähe des Empfängers brachte, ging die Zündung an bzw. aus. Genial einfach und von außen komplett unsichtbar.

Microchip RFID mit Reiskorn zum GrößenvergleichSolche RFID-Transponder gibt es in verschiedenen Formen und Größen. Ich hatte mir einen relativ kleinen in den Motorrad-Handschuh eingenäht (wo er heute noch ist). Ich musste dann nur mit der Hand kurz über das Motorradheck wischen, schon konnte es losgehen. (Solche Transponder gibt es auch in kleinen Glasröhrchen, die man unter die Haut injizieren kann. Dann hätte man seinen Schlüssel immer dabei!)

Leider hat das System in der Praxis nie so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe: Steuergerät und Empfänger haben relativ viel Strom verbraucht. Nach knapp einer Woche Standzeit war die Batterie so entladen, dass der Empfänger nicht mehr funktionierte. Ich musste deshalb ständig die Batterie abklemmen. Um auch bei niedriger Spannung noch Starten zu können, habe ich mir als Notlösung einen mechanischen Schalter unter die Sitzbank gebaut, mit der man die Zündung manuell anschalten konnte. Leider war der etwas empfindlich und es kam ein paar Mal vor, dass mir beim Durchfahren von Schlaglöchern die Zündung ausgegangen ist! Völlig inakzeptabel und weit von dem entfernt, was ich mir erwartet hatte.

Es kam übrigens etwa zeitgleich das M-Lock von Motogadget auf den Markt. Ich vermute, dass das weniger Strom verbraucht und deshalb in der Praxis besser funktioniert. Mit knapp 150 Euro ist es aber auch nicht ganz billig.

Zündschloss per NFC

Der nächste Evolutionsschritt wäre wohl ein Zündschloss mit NFC-Technologie. Von der Umsetzung wäre das kein großer Unterschied zur RFID-Lösung. Allerdings bräuchte man keinen Transponder, sondern könnte das Smartphone nutzen. Das hat man heutzutage ja ohnehin immer dabei. Das müsste man auch nicht extra über den Empfänger halten. Rein theoretisch würde es reichen, es in der Tasche zu haben:

Man nähert sich dem Motorrad. Die Zündung geht an. Nach der Fahrt steigt man ab und geht weg. Die Zündung geht aus. (Den Motor müsste man wie bei der RFID-Lösung mit dem Killschalter abschalten.)

Technisch ist das durchaus interessant. Aber nicht für mein Motorrad. Das wäre eher was für modernere Maschinen.

Zündschloss per Schalter

Mir schwebt hingegen ein wirklich gaaaaaanz einfacher Schalter vor. Ein Kippschalter irgendwo vorne am Lenker oder der Verkleidung. Klack – Zündung an. Oder ein Taster bzw. Druckschalter. Da ist das Risiko geringer, die Zündung versehentlich auszuschalten.

Das Problem dabei ist eher rechtlicher Natur. Der TÜV würde vermutlich bemängeln, dass ein einfacher Schalter keinen ausreichenden Schutz vor unbefugter Nutzung darstellt.

Lösung 1: Man kombiniert den Zündschalter mit dem originalen Zündschloss (oder einem einfachen Schlüsselschalter). Nur wenn Zündschloss UND Zündschalter an sind, ist auch die Zündung an. Das Zündschloss könnte man irgendwo verstecken, z.B. unter der Sitzbank. In der Garage oder vor dem Eiscafé kann man den Schlüssel ggf. stecken lassen und nur den Schalter benutzen. Wenn man das Motorrad unbeobachtet parkt, zieht man den Schlüssel ab und muss keine Angst vor Diebstahl haben. Das sollte dem TÜV eigentlich reichen.

Lösung 2: Man sichert den Zündschalter irgendwie. Man könnte natürlich einen Schlüsselschalter verwenden, aber da kann man auch gleich beim Zündschloss bleiben. Stattdessen schwebt mir eher ein Vorhängeschloss vor, das die unbefugte Benutzung des Schalters verhindert. Man könnte z.B. den Schalter unter einer Klappe verstecken und diese sichern. Oder man nimmt einen relativ großen Schalter und platziert das Vorhängeschloss so, dass der Schalter nicht betätigt werden kann.

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Fazit

Ja, ich weiß, das ist total bescheuert. Unnötig umständlich. Schwer. Vermutlich auch unzuverlässiger. Wahrscheinlich würde es ständig rasseln und klappern. Und irgendwann rosten. Und überhaupt. Ich finde die Idee trotzdem witzig.

Mal schauen, ob ich sie umsetze. Das Hauptproblem dürfte der Platz sein. Denn dafür bräuchte ich irgendein Gehäuse, in dem ich den Schalter versenken kann. Vorne am Lenker wird das schwierig. Vielleicht versetze ich doch nur das originale Zündschloss unter den Tank oder so.

PS: Eine sofort wieder verworfene Idee war übrigens: Wozu braucht man überhaupt einen Schalter? Man kann ihn sich doch sparen, indem man die beiden Kabel einfach lose unter dem Tank baumeln lässt und sie bei Bedarf zusammensteckt. Oder man spart sich sogar die Stecker und verdrillt einfach die blanken Kabelenden, um die Zündung anzuschalten. Aber das wäre mir dann doch etwas zu rustikal. 😉

 

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