Der Stoye Superelastik Seitenwagen und seine Varianten

Die Ingenieure von MZ und Stoye haben ein cleveres Baukastensystem entwickelt, um bei den unterschiedlichen MZ-Gespannen mit möglichst wenig Teilen auszukommen. Trotzdem gibt es viele Unterschiede und nicht jeder Superelastik lässt sich an jede MZ montieren. Da ich mich selbst gerade damit herumärgern muss, hier ein Überblick.

Die folgende Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit. Über  Ergänzungen und Korrekturen würde ich mich freuen: martin@ratracer.de 🙂

Der Stoye Superelastik und die passenden Motorräder von MZ

Der Superelastik wurde von Stoye 1962 als Weiterentwicklung des Elastik vorgestellt. Er wurde von MZ an allen 250er/300er-Motorrädern ab der ES /0  angeboten. Also ES, TS und ETZ. Dabei unterscheiden sich die verwendeten Bauteile zum Teil deutlich.

Die einzige 250er, die nicht für den Gespannbetrieb freigegeben war, war die ETS. Und auch für die Maschinen mit 125, 150 oder 175 Kubik Hubraum gab es aufgrund der niedrigen Leistung keine Beiwägen ab Werk.


Die Beiwagenschwinge

Von der Beiwagenschwinge gibt es drei verschiedene Varianten. Die alte Version für die ES /0 und /1, die neuere Version ab ES /2 und die neueste Version für die ETZ, bei der der Beiwagenkotflügel mitschwingt.

Beiwagenschwinge MZ Stoye Superelastik Maße

Die Beiwagenschwinge des Stoye Superelastik von der Motorradseite betrachtet. 1: ES /0 und /1; 2: alles ab ES /2

Hinten an der Schwinge befindet sich ein Stück Rundstahl, das um 90° abgewinkelt ist. Daran wird die Verstellung des Torsionsstabes befestigt. Bei der alten Version  befindet sich das Ende des Rundstahls oben an der Schwinge, bei der neueren Version unten.

Der Abstand vom Mittelpunkt der Radachse zum Mittelpunkt des Rundstahls (A) beträgt bei der alten Version (1) für ES /0 und /1 30 mm, bei der neueren Version (2) ab der ES /2 sind es 15 mm.

Außerdem ist das freie Ende dieser Aufnahme unterschiedlich lang. Bei der alten Version beträgt die Länge (B) 35 mm, bei der neueren 40 mm.

Bei beiden genannten Versionen ist der Kotflügel fest mit dem Boot verbunden. Die neueste Version der Schwinge ist für den Beiwagen mit mitschwingendem Kotflügel. Dafür gibt es vorne an der Schwinge eine Lasche, an der der Kotflügel verschraubt wird. Ansonsten entspricht die Schwinge der neueren Version ab ES/2.

Kompatibilität: Prinzipiell lässt sich auch die alte Version an neueren Fahrzeugen verwenden. Ich selbst fahre seit 10 Jahren den alten in meiner ES/2 und konnte den Unterschied durch eine entsprechende Einstellung des Stabis ausgleichen. Ich weiß von anderen Fahrern, dass es bei ihnen auch funktioniert. Bei einem Neuaufbau würde ich aber zur korrekten Schwinge raten.


Der Stabilisator / Torsionsstab

Vom Stabi (offiziell trägt dieses sperrige Bauteil den dazu passenden Namen „Torsionsstab“) gibt es meines Wissens mindestens zwei Versionen. Eine alte Version für ES und TS (A) und eine neuere Version für die ETZ (B). Gut möglich, dass es passend zu den unterschiedlichen Schwingen auch unterschiedliche Varianten für die verschiedenen ES-Baureihen gibt.

Torsionsstab Stabilisator MZ Stoye Superelastik Maße

Die Torsionsstäbe des Stoye Superelastik. A: ES und TS; B: ETZ

Die exakten Maße möchte ich nicht alle aufführen, zumal die Messung aufgrund der Form nicht ganz einfach ist. Man kann sie hier im MZ-Forum finden.


Die Hinterradschwinge

Die Hinterradschwingen der Motorräder sind natürlich auch unterschiedlich. Hier hat jedes Modell seine eigene. Zu beachten ist, dass es an der Schwinge unterschiedliche Aufnahmen für den Stabi gibt.

Die alte Version, die meines Wissens bis zur ES /2 verwendet wurde, besteht aus zwei Aluschalen, zwischen denen ein Gummi festgeklemmt ist. Dieser Gummi hat zwei Löcher. Durch ein Loch kommt eine Schraube, die in ein Gewinde an der Hinterradschwinge geschraubt wird. In das andere Loch kommt das Ende vom Stabi.

Bei späteren Versionen (ab TS?) befindet sich an der Schwinge eine Art „Glocke“, also ein Stück Rohr, das zum Beiwagen geöffnet ist. Auf dem Stabi steckt eine Hülse aus Kunststoff, die einfach in dieses Rohr gesteckt wird. Eine Verschraubung ist in diesem Fall nicht vorgesehen.

Der funktionale Unterschied ist, dass die alte Version geschraubt wird, die neue nur gesteckt. Außerdem lässt sich bei der alten Version die Aufnahme verdrehen und damit der Stabiposition in gewissem Maß anpassen, bei der neueren ist die Position exakt vorgegeben.


Der Schwanenhals

Vorne wird der Beiwagenrahmen mit dem sogenannten „Schwanenhals“ am Motorrad befestigt. Hiervon existieren 3 Versionen: Die ES-Version für alle drei ES-Modelle, die TS-Version und die für die ETZ. (Die ETZ-Version lässt sich übrigens gut daran erkennen, dass das Rohr unten mit einer aufgeschweißten Scheibe verschlossen ist.)

Schwanenhals MZ Stoye Superelastik Maße

Die Schwanenhälse des Stoye Superelastik

Die Höhe (A) gemessen von der Unterkante bis zur Mitte der Klemmfaust:

ES = 290 mm
TS = 330 mm
ETZ = 340 mm

Die Länge (B) gemessen auf der Außenseite von der oberen Schweißnaht bis zum unteren Ende des Rohres:

ES = 470 mm
TS = 510 mm
ETZ = 525 mm

Die Diagonale (C) gemessen auf der Innenseite von der oberen Schweißnaht bis zum oberen Ende des Rohres:

ES = 360 mm
TS = 390 mm
ETZ = 400 mm

Kompatibilität: Hier lässt sich untereinander nichts tauschen. Bei Verwendung eines falschen Schwanenhalses lässt sich der Beiwagen nicht montieren.


Klemmfaust

Der obere Beiwagenanschluss wird umgangssprachlich als „Klemmfaust“ bezeichnet. Hier gibt es 4 Varianten. Die auffälligste ist die der ETZ (2), weil hier das Anschlussrohr im rechten Winkel nach unten zeigt und erst dann das Gewinderohr im 45°-Winkel Richtung Beiwagen ausläuft. Bei allen anderen ist das Gewinderohr direkt an der Klemmung angeschweißt.

Klemmfaust MZ Stoye Superelastik Maße

Die Klemmfäuste des Stoye Superelastik. 1: ES und TS; 2: ETZ

Die Klemmfäuste unterscheiden sich hauptsächlich in der Länge des Gewinderohres (A), gemessen von der Schweißnaht bis zum Ende des Rohres:

ES /0 /1 = 145 mm
ES /2 = 100 mm
TS = 90 mm

Außerdem gibt es Unterschiede im axialen Winkel. Bei der ES stehen Klemmung und Gewinderohr von oben betrachtet in einer Flucht, bei der TS ist das Gewinderohr seitlich leicht abgewinkelt.

Kompatibilität: Hier empfiehlt sich die Verwendung des korrekten Teils. Mit viel gutem Willen / Unwissen ist es zwar möglich, den falschen zu montieren und den Beiwagen auch halbwegs korrekt auszurichten. Ich selbst bin jahrelang mit einem TS-Anschluss an der ES /2 gefahren. Aber das war eine ziemlich „russische“ Lösung und ich habe es sofort behoben, als ich es herausgefunden habe.


Gewindespindel

Die Spindel steckt im oberen Ausleger des Beiwagenrahmens und verbindet diesen mit der Klemmfaust. Hier gibt es auch wieder 3 Versionen.

Spindel MZ Stoye Superelastik Maße

Die Spindeln des Stoye Superelastik

Die Varianten unterscheiden sich in der Länge (A), gemessen inklusive Kopf:

ES = 125 mm
TS = 155 mm
ETZ = 108 mm

Kompatibilität: Da die Spindeln einen gewissen Spielraum haben und jeder Beiwagen ein bisschen anders eingestellt ist, fällt es möglicherweise gar nicht auf, wenn eine falsche Spindel verwendet wird. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Händlern meist nur eine Version (die längste) angeboten wird. Falls diese hinten im Gewinderohr anschlägt, kann sie natürlich gekürzt werden. Problematisch wird es nur, wenn die Spindel zu kurz ist.


Personenboot vs. Lastenseitenwagen

Zwischen Personen- und Lastengespann gibt es – natürlich abgesehen vom Aufbau – so gut wie keine Unterschiede. Nur die vordere Aufhängung unterscheidet sich. Diese Strebe verbindet die Spitze des Beiwagenrahmens mit der Spitze des Personen- bzw. des Lastenbootes.

Beiwagenaufhängung MZ Stoye Superelastik Maße

Die vordere Aufhängungsstrebe von Personenboot bzw. „Schweinetrog“.

Der Ausleger unterscheidet sich in der Höhe (A). Beim Lastenseitenwagen benötigt man die Strebe mit 40 mm, beim Personenboot sind es 65 mm. Gemessen wird von der Mitte des Rundrohres bis zur Oberkante des abgeflachten Endes.

Kompatibilität: Verwendet man die falsche Strebe, steht das Boot bzw. der Trog sichtbar schief, lässt sich aber montieren und auch fahren. Die flache Variante lässt sich übrigens problemlos für beide Aufbauten verwenden. Es muss dann nur ein 25 mm dickes Gummi zwischengelegt werden.


Danksagung

Die hier genannten Maße stammen größtenteils aus dem MZ-Forum und wurden von folgenden Mitgliedern ermittelt: Klaus P., Q-Pilot und Bruehlbass Danke!

Hingewiesen sei besonders auf den Eintrag zu diesem Thema in der Wissensdatenbank, in dem sich auch viele Fotos finden: Die verschiedenen Beiwagenanschlüsse (MZ-Forum.com)

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