Mit dem Navigon Cruiser unterwegs

Fronleichnam habe ich für eine herrliche Motorradtour in die Rhön genutzt. Mit dabei: Die neue Navigations-App „Cruiser“ von Navigon. Insgesamt war ich wirklich begeistert, allerdings gibt es noch einiges zu verbessern.

Der Feiertag weckte mich mit herrlichstem Sonnenschein und strahlendblauem Himmel. Ein Tag, wie gemacht für eine Motorradtour! Aber wohin sollte die Reise gehen? Meine übliche Spessartrunde ist zwar toll und wird auch nicht langweilig, aber ich würde trotzdem gerne mal etwas Neues kennenlernen. Rund um Würzburg gibt es noch viele andere Motorradreviere: Vogelsberg, Rhön, Hassberge, Steigerwald, Odenwald etc. Leider mangelt es mir dort an Ortskenntnis. Ich musste deshalb an meine Tour mit Jan und an sein TomTom denken, das einem auf Wunsch eine möglichst kurvige Rundtour berechnet. Eine Funktion, die auch die brandneue App „Navigon Cruiser“ bietet, und zwar ganz unkompliziert ohne teure Hardware. Und da man die App 7 Tage kostenlos testen kann, habe ich sie einfach mal installiert.

Navigon Cruiser im Test

Die Installation lief schnell und problemlos und auch die Handhabung ist ein Kinderspiel. Für die geplante Rundtour habe ich Routenplanung und dann Round Trip gewählt. Startpunkt war die aktuelle Position, das Zwischenziel habe ich auf zufällig gelassen. Angepeilte Fahrtzeit 5 Stunden Richtung Norden. Man kann dann noch auswählen, ob die gesamte Route einen Kreis oder eher ein Oval bilden soll und wie kurvig man die Strecke gerne hätte. Ich habe mich bei Ersterem für einen Mittelwert und bei letzterem für die kurvigste Einstellung entschieden.

Nach kurzer Berechnung schlug mir Cruiser folgende Tour vor: Erst den Main entlang in den Nordspessart (Karlstadt, Lohr, Sinntal, Jossa), dann weiter Richtung Vogelsberg (Steinau an der Straße, Schlüchtern, Fulda), einmal quer durch die Rhön (Tann, Fladungen) und von dort über Schweinfurt zurück nach Würzburg. Klingt super! Smartphone in den Tankrucksack, Knopf ins Ohr, los geht’s.

Bandit im Maintal

Erster Zwischenstopp im Maintal. Erste Feinjustierungen an der App.

Die übergenaue Tempowarnung

Schon kurz nach dem Start fiel mir das erste Problem auf: Cruiser hat eine Geschwindigkeitswarnung an Board. Standardmäßig wird man innerorts ab 10 km/h über dem Tempolimit, außerorts ab 20 km/h zuviel gewarnt. Die Sprachausgabe sagt dann „Achtung“. Beide Werte kann man bei Bedarf ändern. Eine tolle Funktion! Mir passiert es nämlich immer mal wieder, dass ich ein Tempolimit erst bemerke, wenn es aufgehoben wird. In so einem Moment wäre ich für eine Warnung sehr dankbar.

Nur leider funktionierte es in der Praxis nicht so gut. An quasi jedem Ortsschild ertönte ein „Achtung“, weil ich das Motorrad noch etwas ausrollen ließ oder bereits am Ortsausgang beschleunigte. (Zumindest da, wo die Strecke gut einsehbar ist.) Bei der ersten Pause habe ich deshalb den Innerorts-Wert auch auf 20 km/h gesetzt. So klappt das schon besser, allerdings schützt die Funktion damit nicht mehr so gut vor unabsichtlichem Zu-Schnell-Fahren. Vielleicht wäre es besser, wenn man in der App die Ortsgrenze „verschieben“ könnte? Also so, dass der Bereich 100 m vor dem Ortsschild schon als außerorts zählt?

Außerdem hatte ich auf der Tour zwei Situationen, wo die App schlicht von einer falschen Geschwindigkeitsbegrenzung ausging. Einmal galt das Limit von 70 km/h nur nachts und ich durfte mir trotzdem bei legalen 100 die ganze Zeit das „Achtung“ anhören. An anderer Stelle warnte mich das Navi mehrere Kilometer lang vor einem weit und breit nicht sichtbaren Tempolimit.

Bandit im Spessart

Die ersten Kilometer lief es ausgesprochen flott. Die Straßen hatte ich zu dieser frühen Stunde noch komplett für mich und wirklich kurvig war es auch nicht. Wo es keine Kurven gibt, kann Cruiser natürlich auch keine hinzaubern. 🙂

Kurz hinter Karlstadt ging es dann runter von der großen Straße und auf wunderschönen kleinen Straßen am Main entlang. Bei Gemünden sollte es dann über die Mainbrücke gehen, nur leider gibt es diese Brücke momentan nicht. In Anbetracht der Baustelle ist das schon eine Weile so und die neue Brücke wird auch noch etwas auf sich warten lassen. Die eigens eingerichtete Fähre im Nachbarort Hofstetten fuhr um diese Uhrzeit noch nicht, also musste ich einen kleinen Umweg über Lohr machen.

Dabei ist mir eine Eigenart von Cruiser aufgefallen: Wenn eine Route festgelegt wurde, dann wird davon auch nicht mehr abgewichen. Weicht man dennoch versehentlich, oder – wie in meinem Fall – zwangsweise davon ab, heißt es „Wenn möglich, bitte wenden.“ Ein Spruch, den moderne Navis eigentlich nur noch in Ausnahmefällen von sich geben. Ich verstehe nicht, warum Cruiser mit Routenänderungen nicht flexibler umgeht und die Route entsprechend neuberechnet.

(Davon mal abgesehen: Warum ist so eine langfristige Streckensperrung eigentlich nicht in den Kartendaten hinterlegt? Laut Internet werden die Bauarbeiten 18 Monate dauern, wahrscheinlich sogar länger. Da kann man doch erwarten, dass eine App, die sich die aktuellen Daten aus dem Internet holt, sowas weiß, oder?)

Wie dem auch sei: Ich habe angehalten und der App die Streckensperrung mitgeteilt. Danach ging es ohne Probleme weiter.

Ab Gemünden wurde die Strecke dann anspruchsvoller und damit auch (gefühlt) schneller. Die Straßen im Sinngrund und rund um Jossa gelten als Bikerparadies. Dunkle Waldpassagen, enge Kurvenkombinationen, bergauf, bergab – Spessart eben. Ein großer Spaß für mich und für die Bandit die Gelegenheit, endlich mal über 5000 Umdrehungen zu kommen.

Dabei zeigte sich das nächste Problem des Navigon Cruiser:

Viel zu leise Sprachansagen

Ich hatte das Navi mit ausgeschaltetem Display im Tankrucksack liegen und ließ mich nur durch die Sprachansagen leiten. Diese waren aber so leise, dass ich sie kaum verstehen konnte. Beim niedrigtourigen Cruisen (Daher vielleicht der Name der App?) ging es noch, aber kaum ging die Drehzahl hoch, blieb von der Ansage nur ein leises Säuseln. Und das sogar bei der vergleichsweise leisen Bandit. Ich habe mehrfach versucht, die Lautstärke zu erhöhen, aber ohne Erfolg. Sämtliche Regler des Betriebssystems (Android) waren auf 100%, in Cruiser selbst gibt es anscheinend keine Einstellmöglichkeit. Ich habe sogar ein bisschen Musik gehört, um die Lautstärke vergleichen zu können. Dabei blieben die Ansagen deutlich unter der Musik. (Anmerkung am Rande: Die Musik wird bei Ansagen nicht, wie z.B. bei Google Maps, stummgeschaltet.) Und auch die Warntöne z.B. bei Radarfallen, sind deutlich (!) lauter als die gesprochenen Ansagen. Mag sein, dass das mit Display im Blickfeld nicht so schlimm ist, aber wenn man nur nach Gehör fährt, ist das eine Katastrophe. Das muss doch beim Test irgendwem aufgefallen sein!

Vielleicht war ich auch nur zu doof, das einzustellen. In dem Fall bin ich für einen Hinweis dankbar!

Langsam wurden die Wälder lichter und die Landschaft öffnete sich. Viele, kleine Hügel, kleine Waldinseln, enge Straßen – der Spessart lag hinter mir und es ging Richtung Vogelsberg.

Was mir die App an Straßen präsentierte, war wirklich spitze. Besser hätte es kein menschlicher Tourguide hinbekommen! (Behaupte ich einfach mal.) Und das Schöne im Gegensatz zu einem ortskundigen Vorausfahrer: Ich konnte die Geschwindigkeit so wählen, wie sie mir passte. Gerade in unbekanntem Terrain finde ich das sehr positiv, wenn ich auch mal etwas langsamer fahren kann, ohne damit andere auszubremsen. Hier das Motorrad flott durch die Kurven drücken, dort ein bisschen bummeln und die Aussicht genießen. Dank Navi alles klein Problem.

Frühe Ansage, verwirrter Fahrer

A propos enge Straßen und Sprachansage: Ich weiß nicht, nach welchen Vorgaben die App entscheidet, zu welchem Zeitpunkt sie Ansagen macht. Aber sie macht sie viel zu früh. Die erste Ansage kommt häufig schon einen Kilometer vor der Abzweigung: „In einem Kilometer rechts abfahren.“ Die zweite dann ca. 300 bis 400 Meter vorher. Und dann noch eine direkt an der Abzweigung.

Auf einer großen Schnellstraße mag das sinnvoll sein, damit man noch genug Zeit hat, die richtige Fahrspur zu wählen. Aber auf Mittelgebirgs-Nebenstraßen ist das total verwirrend. Häufig gab es Anweisungen schon vor einem Dorf. Und erst hinter dem Dorf musste ich dann abbiegen. Ich war dann immer auf der Suche nach der Kreuzung und bin auch einmal zu früh abgebogen. Es würde vollauf reichen, wenn die Anweisung 250 m vor der Kreuzung käme, innerorts vielleicht sogar erst 100 m vorher.

Motorradwandern in der Rhön

Mitten durch die Städte

A propos innerorts: Auf meiner Tour lagen nur wenige Städte. Aber bei allen musste ich mehr oder weniger mitten durch. Das hat natürlich den Vorteil, dass ich dort einfach mal anhalten konnte, um einzukaufen, zu essen oder zu tanken. Aber wenn man das gerade nicht will oder muss, ist es ein bisschen nervig. Bestimmt hätte es ein paar kleine Umgehungsstraßen gegeben, die mehr Fahrspaß bieten als innerstädtisches Stop-and-Go. Werte Navigon-Programmierer, bitte denkt mal darüber nach!

Zurück zu meiner Tour: Langsam wurden die Hügel flacher und die Straßen breiter. Der Blick ging weit über Land und es war wieder ruhiges Cruisen angesagt. In Fulda habe ich einen kurzen Zwischenstopp gemacht und mir in einer Bäckerei ein zweites Frühstück gekauft.

Etwas außerhalb an einem Waldrand habe ich dann ein Picknick gemacht und die Aussicht auf die ersten Rhönausläufer genossen. Und natürlich ein bisschen an meinem Handy rumgespielt.

Hoher Stromverbrauch

Dabei fiel mir auf, wie heiß das Handy war. Als ich losgefahren war, war das Handy voll aufgeladen. Ich hatte es zur Sicherheit trotzdem an eine kleine Powerbank angestöpselt, die normalerweise ausreicht, um das Handy einmal fast ganz aufzuladen. Wirklich nur als Notreserve. Die Powerbank war mittlerweile leer und auch das Handy bei unter 50%. Bei dem Stromverbrauch hätte ich es ohne zusätzliche Stromversorgung nicht mehr bis nach Hause geschafft. Zum Glück hatte ich noch meine zweite, deutlich größere Powerbank dabei. Mit der ging es dann problemlos.

Ich weiß nicht, wie hoch der Strombedarf anderer Apps ist. Aber dafür, dass das Display die ganze Zeit aus war und auch sonst keine anderen Apps liefen, fand ich das doch ziemlich heftig. Rein gefühlt braucht Google Maps deutlich weniger.

Mein Fazit in dieser Hinsicht: Ohne zusätzliche Stromquelle braucht man mit dem Navigon Cruiser gar nicht loszufahren. Entweder man fährt eine fette Powerbank spazieren, oder man schließt das Handy direkt ans Bordnetz an. Letzteres ist sicher die elegantere Lösung.

Bandit in der Rhön

„Sie haben Ihr Ziel erreicht.“

Ich zirkelte gerade gemütlich durch die langen und gut einsehbaren Kurven der Rhön, neben mir sonnenbeschienene Wiesen und über mir ein schier endloser blauer Himmel, als die Dame in meinem Ohr plötzlich mitteilte „In einem Kilometer haben Sie ihr Ziel erreicht.“

Wie jetzt? Welches Ziel? Beste Laune? Eins mit dem Motorrad zu werden?  Diese faszinierende Mischung aus hohem Adrenalinspiegel und völliger Tiefenentspannung, die man nur auf zwei (oder drei) Rädern erlebt? Alles fraglos erreicht, aber meinte sie das?

Anscheinend arbeitet die App auch dann mit einem Ziel, wenn man keines eingibt. Das wird zufällig gesetzt und kann somit auch irgendwo auf einer winzigen Rhönstraße liegen. Wenn ich der Entwickler wäre, würde ich die „Zielansage“ einfach abschalten, wenn bei einer Rundtour kein Ziel definiert ist. Zumal das Ziel in meinem Fall nicht auf der Hälfte der Strecke lag. Die Ansage hatte also keinerlei Informationsgehalt.

Rhön

Und alles wieder zurück

Die Rückreise verlief unspektakulär. Die Straßen zwischen Bad Neustadt an der Saale, Schweinfurt und Würzburg verlaufen größtenteils über plattes Land und sehen entsprechend aus: Ziemlich gerade und ziemlich langweilig. Da hilft auch keine App. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich noch einen etwas größeren Schlenker nach Osten machen können, durch die Hassberge und den Steigerwald. Aber ich war schon etwas müde und hungrig und habe deshalb am Ende sogar über die parallel verlaufende Autobahn abgekürzt – ganz ohne Navi.

Fazit

Auch wenn ich einige Kritik geübt habe, muss ich in der Summe doch sagen: Grandios! Das Navigon Cruiser hat mir eine überwiegend phantastische Strecke rausgesucht. Dass es vor allem am Anfang und am Ende ein bisschen langweilig war, kann und will ich der App nicht in die Schuhe schieben. Alles andere ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau. Ein wirkliches Problem war eigentlich nur die niedrige Lautstärke der Ansagen.

(Ich hege übrigens die Hoffnung, dass der eine oder andere Kritikpunkt in nächster Zeit behoben wird. Die App ist schließlich erst seit Kurzem auf dem Markt und die Entwickler scheinen sich das Feedback der Nutzer sehr zu Herzen zu nehmen.)

Werde ich mir Navigon Cruiser nach der Testphase kaufen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Einerseits sehr gerne, weil mich die App wirklich überzeugt hat. Andererseits fahre ich bedingt durch Job und Familie nur selten größere Touren mit dem Motorrad. Und wenn, dann bleibe ich meist in der näheren Umgebung. Effektiv würde ich die App vielleicht 3-4 Mal im Jahr nutzen. Und dafür finde ich 4 Euro pro Monat oder 20 Euro pro Jahr ganz schön viel.

Hat sonst noch jemand die App getestet und möchte seine Erfahrungen mit mir teilen?

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2 Gedanken zu „Mit dem Navigon Cruiser unterwegs

  1. Bei manchen Navigationsapps kann man die Lautstärke der Tonausgabe nur im Moment einer tatsächlichen Tonausgabe ändern.
    Wegen der Tempowarnungen: Ich stelle immer 10 und 15km/h ein und schalte deren Tonausgabe ab und lasse nur den optischen Hinweis. Geht vielleicht hier auch.

  2. Hallo
    ja ich habe die App auch etwas getestet…allerdings im Auto….
    Gefällt mir auch sehr gut…Grafik finde ich auch klasse
    Ich habe mir die App zum Vorzugspreis von 48 Euros gegönnt….obwohl ich am Bike eigentlich das Navi der Kongurenz verbaut habe
    Ein Hardwarenavi ist nach ein paar Jahren reif für die Tonne…. eine App hingegen bleibt erhalten auch wenn man das Handy mal tauscht
    Also mir gefällt die App bislang……und ich denkle mal die Kinderkrankheiten werden mit der Zeit verschwinden

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