Ein neuer Beitrag aus der Reihe “Dinge, die kein Mensch braucht, die ich aber schon immer mal haben wollte”: Das Reifenfüllgerät! 🙂 Braucht wirklich niemand. Ich freu mich trotzdem wie Bolle.
Es ist ja nicht so, dass ich Mangel an Reifenfüllmöglichkeiten hätte. In der Werkstatt habe ich Druckluftschläuche und eine “Reifenfüllpistole”. In der Scheune habe ich sogar eine automatische Schlauchtrommel mit Druckluft und eine weitere Reifenfüllpistole. Und für unterwegs habe ich natürlich verschiedene Luftpumpen. Trotzdem habe ich mir bei jedem Besuch an einer Tankstelle gedacht: So ein tragbares Gerät zum Reifendruckprüfen wäre total klasse!
Also habe ich bei Kleinanzeigen nach “Reifenfüllgerät” gesucht und konnte es kaum glauben: Die Dinger werden da reihenweise angeboten, und das zu wirklich fairen Preisen! Also habe ich mir eines rausgesucht, das bezahlbar, intakt, vollständig (also mit Füllanschluss) und obendrein noch ansehnlich war. 90 Euro inklusive Versand habe ich überwiesen – ein paar Tage später war es da.
Mein Reifenfüllgerät von Raasm – made in italy
Der Zustand war okay aber ausbaufähig: Die Lackierung in Lila-Blau, die draufgeschmierte rote Schrift und der verfärbte, goldene Zierstreifen sahen nicht schön aus. Außerdem war der Gummi rund um die Anzeige mit Sprühnebel eingefärbt.
Noch dazu hat das kleine Manometer an der Seite falsch angezeigt. Und unten war statt einer Kondensatablassschaube eine Druckluftkupplung montiert. Eine witzige Idee, um mal eben ein Luftdruckwerkzeug mobil verwenden zu können. Aber die Kupplung ragte zu weit nach unten und setzte gerne auf dem Boden auf.
Als erstes habe ich den Füllanschluss in meiner Scheune montiert. Damit der das Gewicht auch sicher trägt, musste ich die Druckluftarmatur etwas unschön mit einem Brett unterfüttern. Evtl. mache ich das noch schöner oder streiche es zumindest weiß.
Danach der erste Probelauf: Wird alles funktionieren?
Ja, es funktioniert! Das Gerät wird mit dem typischen, pfeifend-brummelnden Geräusch gefüllt und es ist auch alles dicht. 10 Bar hält der Druckbehälter laut Unterlagen aus und hat für den Notfall auch noch ein Überdruckventil. Dessen Funktion habe ich natürlich auch getestet. Also alles super!
Einmal Hübsch-Machen bitte!
Ich habe den Druckbehälter abgeschraubt und mit Flex und Drahbürste und mit der Sandstrahlkabine komplett entlackt. Den Aufkleber mit der Anleitung und das Typenschild konnte ich leider nicht retten. Danach habe ich alles mit einer Dose “Verkehrsgrau” neu lackiert. Die Dose war noch von der Restaurierung meiner Ölzapfsäule übrig und passte meines Erachtens super.
Ich hatte überlegt, einen Aufkleber oder ein Logo auf dem Behälter anzubringen. Passend zu meinen beiden Zapfsäulen einen “Minol”-Aufkleber. Oder passend zu den Reifen ein “Pneumant”-Logo. Aber historisch wäre das quatsch und auf der runden Oberfläche würde ich das auch nicht faltenfrei hinbekommen.
Das ganze Metall “obenrum” war wohl ursprünglich teilweise verchromt und teilweise verzinkt (?). Ich wollte die Kirche im Dorf lassen und habe deshalb nur den Dreck und losen Chrom von Hand entfernt. Dann habe ich alles leicht eingeölt. Ein bisschen Patina darf ruhig erhalten bleiben.
Die Farbreste am großen Manometer für den Reifendruck habe ich von Hand mit einem Schleifvlies entfernt.
Das kleine Manometer für den Druck im Behälter hat prinzipiell funktioniert, nur dass der Zeiger permanent zu viel angezeigt hat – im drucklosen Zustand 2,5 Bar. Anscheinend waren die Zahnräder mal ein Stück durchgerutscht.
Also habe ich es zerlegt, den Nullanschlag des Zeigers zurückgebogen, den Zeiger bis zum Anfang zurückgedreht und dann (mit einigem Probieren) wieder die richtige Position der Zahnräder eingestellt. Danach alles wieder zusammengeschraubt und das Manometer mit etwas Dichtband montiert.

Das zerlegte Manometer. Man sieht schön die luftgefüllte “Ringfeder”, die sich bei Druck streckt und dadurch über ein paar Hebel und Zahnräder den Zeiger bewegt.
In der Mitte des Druckbehälters, wo die beiden Kugel-Hälften zusammengeschweißt sind, saß vorher eine goldene Zierleiste aus Alu, die total zerkratzt und verfärbt war. Die habe ich weggeschmissen und stattdessem einen selbstklebenden Gummistreifen angebracht, der den Behälter besser vor Beschädigung schützt und die unansehnliche Schweißnaht versteckt.
Zuletzt habe ich noch eine neue Kondensatablassschraube aus Messing eingeschraubt. Fertig! (Evtl. muss ich irgendwann noch den Gummischlauch ersetzen. Der hat tiefe Risse, ist aber noch dicht.)
Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden! Ich finde, es ist ein richtig hübsches Teil geworden, das auch wunderbar funktioniert. Viele Reifenfüllgeräte haben ein großes Kunststoffgehäuse und werden nur über 2 Knöpfe bedient. An meinem finde ich gerade schön, dass man alles sieht: Den runden Druckbehälter, die Füße, das Überdruckventil, die beiden Anzeigen. Und auch die Bedienung über den Hebel (Etwas nach unten drücken: Druck ablassen. Ganz nach unten drücken: Reifen füllen.) ist einfach uriger als nur auf einen Knopf zu drücken. Das ganze Gerät wirkt sehr “technisch” und historisch, obwohl es mit Baujahr 1992 noch gar nicht so alt ist.
Etwas irritiert bin ich von dem kleinen Messingventil an der Seite. Wozu ist das da? Um den Druckbehälter mit einer Luftpumpe aufpumpen zu können? Um die Funktion testen zu können? Für den Eichvorgang? Weiß jemand Genaueres?
Fazit
Braucht man als Privatperson ein Reifenfüllgerät? Nein, definitiv nicht. Aber es kostet nicht die Welt, sieht hübsch aus und ist praktisch. Und das Wichtigste: Mir hat die Bastelei Spaß gemacht. 🙂



