Kurventraining beim ADAC

Letztes Wochenende habe ich mir einen Luxus gegönnt und habe an einem Kurventraining beim ADAC teilgenommen. Während die anderen Teilnehmer durchweg begeistert waren, war ich ziemlich enttäuscht – von mir selbst. 

Der ADAC hat bei Schlüsselfeld zwischen Nürnberg und Würzburg ein wirklich beeindruckendes Gelände in die Landschaft gesetzt. Riesengroß mit großem Kurvenoval und einer eigenen kleinen „Rennstrecke“. Alles mit modernster Bewässerungstechnik, Konferenzgebäude und Restaurant. Obendrein war das Wetter trocken aber nicht zu heiß, der Instruktor war sehr nett und um persönliches Feedback bemüht und die Truppe war durchweg sympathisch und in Bezug auf Fahrzeuge und fahrerisches Können ziemlich homogen. Was kann da schon schiefgehen?

ADAC Schlüsselfeld Sicherheitstraining Kurventraining

Ich bin nach langem Überlegen mit der Suzuki Bandit hingefahren. Mit dem Racer wäre ich sicher mir und den anderen nach kurzer Zeit auf die Nerven gegangen. Zu langsam, schlechte Bremsen, kein E-Starter, unbequeme Sitzposition – das hätte nichts gebracht. Selbst die Bandit ist schon ziemlich aus dem Rahmen gefallen, da sie sicher doppelt so alt war wie das nächstälteste Motorrad. Obendrein eines der ganz wenigen ohne ABS.

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Der Grund für meine Enttäuschung war dann erstens, dass ich mehr Defizite habe, als ich erwartet hatte. Ich habe mich zu meinem Erstaunen bei der Vollbremsung sehr schwer getan. Bei meinen trommelgebremsten MZetten kann ich in bester ABS-Manier einfach voll zupacken – da blockiert eh nix. Bei der Bandit hat aber regelmäßig das Vorderrad blockiert, das hintere hat sowieso nur Streifen auf den Asphalt gemalt. Zum Glück habe ich immer sofort richtig reagiert, was der Trainer auch sehr gelobt hat. Das ändert aber nichts daran, dass mein Bremsweg deutlich zu lang war. Nach ca. 10 Versuchen wurde es endlich besser. Da besteht aber noch Nachholbedarf. Auch bei der Schräglage war ich nicht so gut wie erhofft und bin den meisten Teilnehmern hinterhergefahren.

ADAC Schlüsselfeld Sicherheitstraining Kurventraining

Der zweite Grund war, dass ich die Tipps vom Instruktor nicht richtig umsetzen konnte. Vorher bin ich zwar nicht optimal gefahren, aber immerhin relativ sicher und gleichmäßig. Aber je mehr ich versucht habe, es besser zu machen, umso schlimmer wurde es. Auch da hat er mich beruhigt, dass das normal ist, aber das hat es für mich nicht besser gemacht. Meine eigenen Ansprüche waren einfach zu hoch.

ADAC Schlüsselfeld Sicherheitstraining Kurventraining

Fazit

So ein Sicherheitstraining oder spezielles Kurventraining ist wirklich genial und sicher auch seinen hohen Preis wert (135 Euro für ADAC-Mitglieder). Erstens macht es wirklich Spaß, zweitens lernt man dabei sehr viel. Man darf aber nicht erwarten, dass man abends vom Platz fährt und plötzlich viel besser ist als vorher. Das kann nur der Anfang eines längeren Lernprozesses sein, der Disziplin und auch eine gute Portion Demut erfordert. Ich werden jedenfalls in Zukunft versuchen, wieder mehr auf Blickführung und Kurvenlinie zu achten und öfter mal mit der Bandit das Bremsen zu üben.

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2 Gedanken zu „Kurventraining beim ADAC

  1. Hey Martin,
    ich denke, mir würde es auch nicht anders ergehen. Fahre bisher immer so nach Gefühl aber habe noch keine wirklichen Extremsituationen erlebt. Bin im Moment auch am überlegen mir ein Training zu gönnen.

    Hast Du schon mal ein generelles Motorrad Sicherheitstraining gemacht? Ich dachte immer das Kurventraining ist nur was für Leute, die Ihre Hockenheim-Rennzeiten pushen wollen 🙂

    P.S.: Übrigens geben die Berufsgenossenschaften alle 4 Jahre einen ordentlichen Zuschuss für Sicherheitstrainigs – siehe Internet 😉

    • Ja, ich habe vor ein paar Jahren ein Einsteigertraining beim ADAC gemacht und zwischenzeitlich ein spezielles Gespanntraining. Das Kurventraining richtet sich nicht unbedingt an Hobby-Rennfahrer, sondern allgemein an „routinierte“ Fahrer, die bestimmte Defizite haben oder sich allgemein verbessern wollen. Das hat man auch an den Teilnehmern gesehen: da war nur einer, der auf der Rennstrecke unterwegs ist, der Rest waren ganz normale „Alltagsfahrer“. Letztlich überschneiden sich die Inhalte der „Fortgeschrittenen“-Trainings ohnehin. Egal ob Kurven-, Schräglagen- oder normales Fortgeschrittenen-Training, überall wird Bremsen, Blickführung, Kurventechnik etc. besprochen, nur eben in unterschiedlicher Gewichtung. Da muss man also keine besondere Reihenfolge einhalten.

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