Glemseck 2014 — geil war’s!

Es war wirklich toll! Die Entscheidung, bereits am Freitag zu fahren, war goldrichtig. Die Anreise mit Auto und Anhänger war zwar etwas langweilig und auch nicht wirklich standesgemäß – ich sag nur „Trailerqueen“ – aber da wir zu dritt waren und davon nur ich ein Motorrad habe, war es so einfach unkomplizierter.

Der Campingplatz war schon sehr voll, aber ansonsten war es noch ziemlich ruhig, fast familiär.

Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014Nach ein paar Bier und einem Spaziergang über das Gelände haben wir uns dann vor die Bühne gesetzt und den Abend bei noch ein paar Bier ausklingen lassen. Die Musikauswahl der South Kakerlakies war teilweise nicht ganz unser Geschmack, aber die Show und die Stimmung waren trotzdem klasse!

Am Samstag morgen hat es ein bisschen getröpfelt und die Biere vom Vorabend haben sich bemerkbar gemacht. Wir haben es deshalb ruhig angehen lassen und nach einem Crêpe-Frühstück noch ein bisschen am Zelt gesessen. Dabei ist mir wie schon am Vorabend Folgendes aufgefallen: Der ganze Zeltplatz ist voll mit wunderschönen, ausgefallenen, seltenen und teuren Motorrädern. Jedes für sich ein Highlight! Aber durch die große Anzahl geht das einzelne letztlich doch in der Masse unter. Kaum jemand bleibt mal irgendwo stehen und schaut sich ein Motorrad gründlich an. Nur an meinem Motorrad standen regelmäßig Leute und haben diskutiert oder Fotos gemacht. So eine olle MZ ist in der Szene immer noch ein Exot. Zu meiner Überraschung hat aber niemand irgendwas Abfälliges gesagt, sondern die Reaktionen waren durchweg positiv. 🙂

Um 10 Uhr bin ich zum Race Office, habe mich angemeldet und den Ratracer auf das Gelände für die Rennteilnehmer abgestellt. Meine Startnummer war die 32, meine Gegnerin würde mit einer SR500 antreten. Danach bin ich noch ein bisschen Mopedsgucken gegangen und habe mich mit ein paar Leuten unterhalten. Zwischendrin haben wir noch unsere Zelte abgebaut und die Sachen zum Auto gebracht.

Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 201415 Uhr sollte die Fahrerbesprechung mit anschließendem Corso zur Rennstrecke stattfinden. Da aber aufgrund eines Unfalles in der Nähe die Feuerwehr und der Krankenwagen ausrücken mussten, musste das vorher laufende Rennen unterbrochen werden und alles verzögerte sich. Das ergab eine ziemlich witzige Situation: Mittlerweile hatten sich alle Fahrer samt Fahrzeugen im Areal am Race Office eingefunden: Die 32 Teilnehmer des Cafe Racer Sprint und die 16 Teilnehmer des Starr Wars (Starrrahmen Sprint). Es war also ordentlich voll, die meisten waren reichlich nervös und sind nur unruhig auf und ab gelaufen. Währenddessen drängten sich die Menschenmassen vorbei und machten Fotos von uns und unseren Maschinen. Eine irgendwie surreale Situation – ich kam mir vor wie ein Goldfisch in einem Aquarium, der von außen angegafft wird. 🙂

Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Ich habe mich dann ein bisschen mit meiner Kontrahentin unterhalten und habe mir zu diesem Zeitpunkt auch ein bisschen Hoffnungen gemacht, vielleicht doch eine Runde weiterzukommen. Die SR hat zwar doppelt so viel Hubraum wie meine MZ und auch eine gute Portion mehr PS, aber sie wiegt auch ein bisschen mehr. Und wenn sie dann noch von einer vermeintlich unerfahrenen Fahrerin bewegt wird? Wer weiß…

Glemseck 101 2014Mit etwa einer Stunde Verspätung ging es dann endlich los. Kurze Fahrerbesprechung (Worauf muss man beim Sprint achten. Wie „funktioniert“ das Flaggirl, das das Signal zum Start gibt. Helm und Jacke trotz der Hitze immer anlassen. etc.) und dann ging es zur Rennstrecke. Und das war wirklich ein Erlebnis! 48 geile Motorräder auf kleinstem Raum, die alle gleichzeitig gestartet werden – das kann man nicht beschreiben, das ist  Gänsehaut pur! Außenrum eine riesige Menschenmenge, gefühlte 1000 Augen und mindestens so viele Fotoapparate, die auf uns gerichtet sind. Und dann mit aufheulenden Motoren mitten durch die Menschenmenge. Lauter Leute, die einem auf die Schulter klopfen, einen grüßen, einem alles Gute wünschen. Danach könnte man echt süchtig werden!

Vorne auf der Rennstrecke war die Spannung wirklich greifbar. Es ging furchtbar eng zu, die Sonne brannte herunter, ein furchtbarer Lärm, überall Fotografen und Kameramänner, die Organisatoren waren ziemlich gestresst aber trotzdem total nett, hier und da einer, der verzweifelt versucht, seinen abgesoffenen Motor zu starten, jemand der sich falsch einsortiert hat, … Trotzdem eine total tolle Stimmung: Alle waren nur am Grinsen, haben sich gegenseitig Glück gewünscht oder gratuliert, technische Details wurden diskutiert, … Also keine Spur von Rivalität sondern einfach nur eine große Party und alle hatten Spaß.

Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014Hier habe ich auch mitbekommen, dass die meisten der Fahrer nicht zum ersten Mal mitfahren. Man kennt sich teilweise schon seit Jahren, ist aber trotzdem kein elitärer Zirkel, sondern begrüßt die „Neuen“ freundlich und heißt sie herzlich willkommen. Auch hier hat keiner abfällig auf mein „Arbeiter- und Bauernmotorrad“ herabgeschaut, sondern ich habe viel Lob bekommen. Im Rahmen dessen habe ich dann auch mitbekommen, dass meine Kontrahentin kein unbeschriebenes Blatt ist. Sie fährt regelmäßig bei solchen Veranstaltungen mit und hat z. B. beim diesjährigen Wheels and Waves eine deutlich stärkere BMW besiegt. Ich hab mich also mit dem Gedanken angefreundet, dass ich wohl doch in der ersten Runde rausfliegen würde.

Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014Zuerst gab es eine Proberunde. Ich war total nervös. Der Start lief eigentlich super, aber bereits beim Wechsel in den zweiten Gang war meine Gegnerin leicht vor mir. Den Gangwechsel in den dritten habe ich dann versaut und viel zu spät geschaltet, was aber auch egal war, denn zu dem Zeitpunkt war das Rennen schon entschieden: Sie war deutlich vor mir und fuhr mir „langsam“ aber sicher davon. Im Ziel war sie geschätzte 10 bis 15 Meter vor mir.

(Nachtrag: Ich habe mir mittlerweile ein Video vom Rennen angeschaut. Meine Wahrnehmung entsprach wohl nicht ganz der Realität; es waren sicher mehr als 10 bis 15 Meter.)

Beim richtigen Rennen dann das gleiche Spiel: Wir kamen beide super weg, die SR500 lag aber schon nach wenigen Metern leicht vorne. Beim ersten Gangwechsel war es entschieden. Den zweiten Gang habe ich dann wieder zu weit ausgedreht. Aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte sich am Ergebnis nichts geändert, es wäre allenfalls der Abstand zwischen uns etwas geringer ausgefallen.

Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014Auf der Rückfahrt zum Start hat das Publikum mir wie verrückt zugejubelt. Das haben sie natürlich bei allen getan, aber ich hatte das Gefühl, dass es bei mir dank Underdog-Bonus noch ein bisschen mehr als bei manch anderem war. 😉

Dass ich raus war, hatte immerhin den Vorteil, dass ich den Rest des Rennens ganz entspannt betrachten und ausgiebig fotografieren konnte. Ich habe erst einmal meiner Kontrahentin gratuliert und ihr alles Gute für das weitere Rennen gewünscht. Gebracht hat es nichts, der Leistungsunterschied zum Rest des Starterfeldes war einfach zu groß. Bei ihrem nächsten Rennen flog sie mit Pauken und Trompeten raus.  Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Glemseck 101 2014 Nachdem der Sieger feststand, bin ich gleich zurück zum Auto. Die Fahrt über’s Gelände durch die Menge war wieder sehr witzig. Viele nach oben gereckte Daumen und viel Schulterklopfen.

Fazit: Ein hammermäßiges Erlebnis! Als Besucher leidet man unter den Massen von Besuchern und bekommt von den Rennen viel zu wenig mit, weil man kaum bis an die Rennstrecke kommt. Vielleicht sollten die Organisatoren mal über Tribünen nachdenken. Aber als Teilnehmer, der das Geschehen direkt mitbekommt, ist es wirklich ein Riesenspaß!

Ich denke, ich werde mich nächstes Jahr wieder bewerben. Ich bezweifle zwar, dass die Organisatoren mich nochmal einladen, aber versuchen werde ich es auf jeden Fall. Und sonst komme ich halt als Besucher!

Voriger Beitrag
Nächster Beitrag

2 Gedanken zu „Glemseck 2014 — geil war’s!

  1. Heyhey!
    Ein schöner Bericht ist das, genauso wie der Rest des Blogs!
    Und die MZ! Meiner Meinung nach kein Bauern-Mopped, sondern vom Stil her sehr urban 🙂
    Schon schade, dass die Leistungsunterschiede beim Rennen so groß waren. Vielleicht haben wir ja nächstes Jahr mehr weniger PS-Maschinen und mehr Chancen. Bin mir sicher dass deine MZ manch einen inspiriert hat! Vielleicht sind´s dann nächstes Jahr einzweidreiganzviele MZette. Noch viel leichtere, die sich gegen SRs durchsetzten können (wenn mal eine den Start vermasselt…..!)
    Oder wir machen uns beide ne CX klar für nächstes Jahr 😉
    Wünsche einen feinen Restsommer und viel Spaß beim Schrauben!

    p.s.: von Pauken und Trompeten hab ich nix gehört! Das waren doch höchstens 10 Meter! 😛

    • Hi! Also von meinem Standpunkt sah das Ergebnis Deines zweiten Rennens auch ziemlich eindeutig aus, aber da kann die Perspektive getäuscht haben. 😉 Ein CX-Duell wäre natürlich auch eine Idee. Dir auch noch einen schönen Restsommer und bis zum nächsten Mal!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.