Felgen, Reifen, Kettensatz – alles neu macht der April

Eigentlich wollte ich erst einmal möglichst wenig Geld und Zeit in die kleine Katana stecken. Nur fahrfertig machen, eine Saison fahren und dann entscheiden, wie es weitergeht. Aber wie das immer so mit guten Vorsätzen ist: Sie halten nicht lange.

Wie fing es gleich wieder an? Ach ja, die Reifen waren 20 Jahre alt und knüppelhart. Deshalb mussten zwangsläufig neue her. Die Wahl fiel auf Bridgestone BT45, denn die leisten schon auf meinem Racer und der Bandit hervorragende Dienste. Aber will ich wirklich neue Reifen auf total gammelige Felgen ziehen? Zur Erinnerung, die Dinger sahen so aus:

GSX 400 F, GS 40 XF, Suzuki KatanaDer Lack ausgeblichen und zerkratzt, das polierte Alu stumpf und teilweise arg korrodiert. Also keine halben Sachen und ab damit zum Glasperlstrahlen. Am nächsten Tag hatte ich sie schon wieder und konnte weitermachen.

Felgen GSX400F glasperlgestrahlt

Aber wie? Sie sollten wieder wie vorher teilweise schwarz und teilweise blank sein. Pulverbeschichten geht da nicht. Lackieren schon. Aber wie sollte ich die filigranen Flanken der Streben abkleben, die noch dazu nicht gleichmäßig breit sind? Das wäre ein irrer Aufwand geworden und am Ende hätte sich das Klebeband vom rauen Untergrund gelöst und die Farbe wäre daruntergelaufen.

Felgen GSX400F glasperlgestrahlt

Meine ersten Idee war, einfach alles zu lackieren und die blanken Stellen später mit Aceton abzuwischen oder abzuschleifen. Beim Abwischen wäre das Aceton aber auch an die schwarzen Stellen gekommen und hätte mir den Lack ruiniert. Und es wäre auch fraglich, ob sich das wirklich so leicht abwischen lassen würde. Zu riskant. Und beim Abschleifen hätte die Oberfläche zwangsläufig gelitten und hätte nicht mehr so gleichmäßig ausgesehen. Auch nicht gut.

Also doch irgendwie abkleben. Meine nächste Idee war, dass man statt Klebeband vielleicht irgendeine Flüssigkeit nehmen könnte. Fett. Wachs. Heißkleber. Silikon. Irgendwas, was die Farbe vom Metall fernhält. Und was sich ebenso leicht und präzise auftragen wie entfernen lässt.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit der Aquarellmalerei bin ich schließlich auf Rubbelkrepp gekommen. Das kann man beim Malen einfach mit dem Pinsel aufs Papier auftragen. Dort kommt dann keine Farbe hin. Nach dem Malen lässt es sich einfach mit dem Finger wegreiben. Warum sollte das nicht auch auf Metall und mit Sprühlack gehen?

Ich habe mir also eine 100ml-Flasche (viel zu viel!) für etwa 11 Euro gekauft und es probiert. Erst habe ich die Flächen, die später frei bleiben sollten, mit Schleifvlies etwas aufpoliert, damit sie etwas glatter sind und einen seidenmatten Glanz haben. Das Rubbelkrepp ließ sich danach sauber und präzise aufpinseln und ist auch nicht verlaufen. Je dicker man es aufträgt, desto leichter lässt es sich später entfernen. Die Felgenhörner habe ich nicht mit Rubbelkrepp maskiert, sondern ganz klassisch mit Klebeband – das war einfacher und billiger.

Das Lackieren mit Mattschwarz aus der Spraydose ging unproblematisch und schnell, zumal Läufer und Nasen auf der rauen Oberfläche später nicht mehr zu sehen sind. Nachdem der Lack trocken war, habe ich den Rubbelkrepp erst vorsichtig mit dem Finger weggerubbelt, aber nach ein paar Zentimetern habe ich stattdessen einen relativ weichen Radiergummi genommen, mit dem es deutlich hautschonender ging. Das Ergebnis überzeugt. Weitestgehend.

Felgen GSX400F lackiert

Mit etwas Abstand sieht es super aus. Aber wenn man ganz genau hinschaut, sieht man, dass die scharfen Kanten teilweise leicht ausgefranst sind. Ich vermute, dass der billige Lack so dünn und weich ist, dass er teilweise abgerissen ist. Vielleicht wäre das mit dickerem 2K-Lack nicht passiert. Ein paar besonders gut sichtbare Stellen habe ich mit dem Pinsel ausgebessert, den Rest einfach so gelassen.

Felgen GSX400F lackiertBei der Gelegenheit habe ich übrigens gleich noch die Bremsscheiben mitlackiert, die es auch nötig hatten.

Bremsscheiben lackieren

Ach, und wo ich schon dabei war, habe ich auch noch den Kettensatz erneuert. Haifischzähne am Kettenrad kenne ich ja, aber so seitlich plattgedrückte habe ich noch nie gesehen:

Kettenrad GSX400F
So viel zum Thema „nur neue Reifen“. 😉 Aber hübsch geworden ist es doch, oder nicht?
Neues Kettenkit Kettenrad GSX400F

Hier im eingebauten Zustand mit der geänderten Auspuffanlage:

3-2016-04-14 12.13.30

Und hier das Vorderrad:

2-2016-04-14 12.13.09

Bevor ich es vergesse: Beim Abziehen der alten Reifen habe ich mich sehr gewundert. Vorne war ein Schlauch drin, hinten nicht! Hat da jemand das Hinterrad auf Schraubventil umgerüstet? Oder vorne zur Sicherheit einen Schlauch reingemacht? Nein, das war tatsächlich original so! Anscheinend hat Herr Suzuki das in den 80ern bei vielen Maschinen so gemacht. Ich habe es deshalb auch wieder so gemacht. Leider musste ich jetzt feststellen, dass das schlauchlose Hinterrad leicht Luft verliert. Ca. 0,1 bis 0,2 Bar pro Tag. Das ist nicht dramatisch, aber auch nicht schön. Ich denke, dass ich da bei Gelegenheit noch einen Schlauch nachrüsten werde.

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