Erster Cappuccino beim „Engländer“ 2015

Nachdem ich vor Kurzem schon eine kleine Saisoneröffnungs-Runde (1,5 h) durchs Taubertal nach Wertheim gefahren bin, habe ich heute die erste „richtige“ Tour (3 h) auf meiner Lieblingsstrecke durch den Spessart gemacht. Herrlich! Wenn da nur nicht immer diese Vollidioten wären, die alle Motorradfahrer in Verruf bringen. 🙁

Für Interessierte hier der grobe Streckenverlauf. Den kann man auf Hin- und Rückweg natürlich beliebig variieren, da auch die Parallelstrecken fahrenswert sind.

Zwischenstation mit Cappuccino war traditionsgemäß am Motorradtreff „Engländer“. Immer wieder schön und eine interessante Auswahl an Motorrädern. Dann die schönste Kurvenstrecke der Welt runter nach Schöllkrippen, Tanken, und wieder zurück.

Cappuccino am Engländer

Tja, und dann war er wieder da. Der eine Motorradfahrer, den es wohl überall gibt, der einem unbedingt die Laune vermiesen muss.

Ich bin wirklich kein Freund von Traurigkeit, was Lautstärke und Geschwindigkeit angeht. Beim Tanken hat mich heute ein anderer Motorradfahrer grinsend gefragt, ob die Lautstärke meines Racers denn wirklich legal sei. Ja, ist sie, aber auch nur, weil die Grenzwerte von 1973 gelten – die Gnade der frühen Geburt! In bestimmten Drehzahlen und Lastzuständen ist sie wirklich hammerlaut und klingt einfach nur geil. Loud Pipes save lives!

Und Geschwindigkeit gehört zum Motorradfahren einfach dazu. Mein Wohlfühltempo liegt meist knapp über dem erlaubten Limit. Ich gebe mir dabei Mühe, nicht so schnell zu fahren, dass ich Punkte riskiere. Und meistens gelingt mir das. (Das klingt jetzt wahrscheinlich dramatischer als es ist. 23 PS und eine Spitzengeschwindigkeit von gut 120 km/h lassen wirkliche „Raserei“ gar nicht zu und meine miserablen Bremsen zwingen zu seeeehr vorausschauendem und defensivem Fahren. Aber wo es gefahrlos geht, lasse ich sie dann halt gerne mal laufen.)

Spessarttour mit dem Café Racer

Naja, zurück zum Thema: Ich fahre gerade auf einer Kurvenstrecke mit Tempolimit 70 und bemühe mich mehr oder weniger erfolgreich, die Punktezone zu vermeiden. Zwei Stunden Vollgas und die entsprechende Geräuschkulisse hatten zu dem Zeitpunkt schon dazu geführt, dass ich alles nur durch einen dicken „Schleier“ gehört habe. Und plötzlich höre ich ein infernalisches Dröhnen, als würde ein Düsenjet neben mir landen. Ein Blick in den Rückspiegel und ich sehe den asymetrischen Scheinwerfer einer BMW S 1000 RR. Und zwar wirklich NUR den Scheinwerfer. Die BMW fuhr also so knapp hinter mir, dass sie schon fast neben mir war. Im nächsten Moment raste die BMW mit einem solchen, nochmal heftig gesteigertem Lärm an mir vorbei, dass ich am ganzen Körper zusammengezuckt bin. Die Strecke war frei und es kam kein Gegenverkehr, der Typ hätte also mehr als genug Platz gehabt. Er fuhr aber so knapp an mir vorbei, dass zwischen unseren Ellenbogen keine 10 cm Platz war. Er war komplett auf meiner Spur! Er ist dann mit Vollgas davongeschossen und muss vor der nächsten Kurve mindestens 150 gefahren sein – bei erlaubten 70.

Da frage ich mich echt: MUSS DAS SEIN?! Muss man so dermaßen übertreiben, dass man nicht nur die Polizei und die Anwohner gegen sich aufbringt, sondern sich sogar Vollblutmotorradfahrer denken „Was für ein Vollidiot!“?

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn der mit der Geräuschkulisse an einem der vielen Radfahrer vorbeiknallt, für die das noch um ein paar Nummern überraschender und lauter kommt als für mich. Die fahren vor Schreck in den Gegenverkehr.

Was soll denn dieser total übertriebene Lärm und diese rücksichtslose Fahrweise? Ist das noch pubertäres Imponiergehabe oder schon krankhafte Geltungssucht? Keine Ahnung. Ich hoffe nur, dass so einer keinen anderen mitnimmt, wenn er mal eine Kurve verfehlt. Armer Irrer.

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1 thought on “Erster Cappuccino beim „Engländer“ 2015

  1. Moin Moin,
    eine fast identische Situation hatte ich letztes Jahr im Sauerland Nähe Sorpesee auf der Heimfahrt: Irgend ne dicke, neuere Kawa mit Blasrohr und ca 8000 Ummis auf der Uhr. Nach Abklingen meines erhöhten Adrenalinspiegels blieb mir auch nur die Frage: WARUM????
    Selbst nach einem relativ beschaulichen Ritt an den Sorpesee war ich nach rd. 1,5 h Zusehen und -hören beim „Schaulaufen“ auf dem Bundesstraßenabschnitt nur noch angewidert ob des gezeigten Schwachsinns. Ich fahre seit 45 Jahren Moped, aber mit dem heutigen Zelebrieren seiner selbst habe ich nix mehr am Hut.
    Dann lieber früh morgens allein durch die Gegend fegen auf ner Emme oder Cb 500 und wohl fühlen!
    An den Zeichen der Zeit ändern wir sowieso nichts, aber ich falle lieber mit nem leisen Moped auf als andersrum.
    Schande ist nur, daß wegen der Unbelehrbaren schon einige schöne Strecken gesperrt sind und es nicht weniger werden!
    Grüße aus Olpe
    Martin

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