Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Am 13. Mai 2017 fand das erste Bikes & Bricks im Bürgerbräu statt. Der Versuch, einen Hauch von Wheels & Waves, Glemseck 101 und The One Moto Show nach Würzburg zu holen. Das Ergebnis ist … interessant.

Eins vorneweg: Als ich seinerzeit meinen Ratracer gebaut habe, bin ich ein bisschen in die New Custom Szene eingetaucht und fand das alles ziemlich geil: Ganz normale Menschen bauen sich aus alten Motorrädern wunderschöne Einzelstücke. Und das ohne das verkrampfte Brimborium, das z.B. der Chopperszene anhaftet. Einfach alles viel authentischer und nicht so durchkommerzialisiert. Wie geil ist das denn?

Leider blieb das nicht lange so. Ziemlich schnell hat eine bestimmte Klientel gemerkt, dass sich mit diesem Livestyle viel Geld verdienen lässt. Und so war das Fazit nach meinen Besuchen beim Glemseck immer: Sehr geil, aber die Kommerzialisierung und Elitenbildung der Szene nimmt zu und unterhöhlt das, was eigentlich das Besondere daran ist.

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Bikes & Bricks?

Und nun also das Bikes & Bricks in Würzburg. Veranstaltet vom örtlichen BMW-Händler wurde es beworben als großes Fest für alle Motorradfahrer und die ganze Familie. Mit einer Vorstellung ausgewählter Umbauten, Filmen und Vorträgen von Weltenbummlern, Hüpfburg, Vereinen, natürlich viel leckerem Essen und Trinken, Teilemarkt, Schnapsbar etc. Das volle Programm. Und dann auch noch auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei, die sich als Kulisse perfekt eignet. Super!

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Das Ergebnis war leider, nicht nur für mich, etwas ernüchternd. Der Teilemarkt bestand aus genau einem Teilnehmer: mir.

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Die angeblich im Stil des Ace Cafe London hergerichtete Bar war unglaublich „aufwändig“ dekoriert: Es stand eine Tafel vor der Tür, auf der „Ace Cafe Würzburg“ stand. Und es lief Südstaatenrock, der auf einem Choppertreffen wahrscheinlich ganz gut gepasst hätte. Die Ausstellung der Custombikes beschränkte sich zu 95% auf aktuelle BMW-Modelle und die professionell umgebauten R nineT-Modelle, die seit 2 Jahren auf jeder Custom-Bike-Veranstaltung rumstehen.

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Statt Bratwurst und Pommes gab es hipstergerecht Pulled Pork und Sweet Potato Fries zu deftigen Preisen. Und mein persönliches Highlight: Es gab einen VIP-Bereich. So richtig mit rotem Teppich, goldenen Absperrpollern und zwei finster dreinblickenden Securitys. Echt jetzt? Ein abgesperrter VIP-Bereich? Ist das euer Ernst?

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Ein Besucher hat sich bei mir am Stand ausgekotzt und meinte: „Das ist nichts anderes als eine BMW-Werbeveranstaltung. Nur dass sie so tun, als wäre es keine.“

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Also alles schlecht? NEIN!

Das klingt bis jetzt ziemlich negativ, deshalb schicke ich schnell all das Positive hinterher: Die vielen Mitarbeiter waren echt nett und die Stimmung unter den Gästen war super. Ich habe viele tolle Gespräche geführt und ein paar Leute mit meinem Gespann durch die Gegend gefahren, was ein Riesenspaß war.

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Es sind viele wunderschöne Motorräder rumgefahren (eine Sechszylinderhonda, eine 500er Mach3 Kawa, eine rattige Awo, ein altes BMW-Gespann, eine Laverda etc.). Das Wetter war (vom kurzen Regen abgesehen) richtig sommerlich. Die Livemusik hat ordentlich gerockt. Und und und.

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Ich finde es super, dass es Leute gibt, die so eine Veranstaltung auf die Beine stellen! Das muss man anerkennen und das sollte man auch unterstützen. Nur leider habe ich das Gefühl, dass es in die falsche Richtung geht. Auf mich hat es so gewirkt, als hätte man versucht, Glemseck & Co zu kopieren. Dabei hat man aber all das weggelassen, was solche Veranstaltungen cool macht. Also das Gemeinsame, der Spaß, das (wirklich) Authentische. Stattdessen wurde nur das übernommen, was an solchen Veranstaltungen nervt. Der Kommerz, das Elitäre, das hipsterhaft Bemühte.

Bikes & Bricks im Bürgerbräu

Was könnte man besser machen?

Damit mir keiner nachsagen kann, ich würde nur meckern, hier ein paar konstruktive Vorschläge:

  • Wie wäre es denn, wenn man ein paar professionelle Customizer weniger einladen würde? Und stattdessen einen separaten Ausstellungsbereich nur für private Umbauten anbieten würde.
  • Motorradfahrer sind eitel. (Mich eingeschlossen!) Was wäre, wenn man die Möglichkeit bieten würde, das eigene Motorrad vor schöner Kulisse fotografieren zu lassen. Mit ordentlicher Beleuchtung und von einem echten Profi. Und das Ganze für wenig Geld, am besten komplett kostenlos! Vielleicht fände sich ein Fotograf, der das günstig macht, schließlich bekommt er dadurch viel Öffentlichkeit.
  • Mehr Raum für Vereine. Die Freebikers und Bikers against Child abuse standen ziemlich verloren in der Ecke. Da hätte man mehr draus machen können.
  • Der Teilemarkt sollte ausgebaut werden!
  • Wie wäre es mit einer gemeinsamen Ausfahrt durch die Stadt oder eine geführte Runde ins Umland?
  • Der Knüller wäre natürlich ein kleines Rennen auf der Achtelmeile. Aber mir ist klar, dass das einen gigantischen Aufwand bedeutet, der sich kaum rechnen dürfte.
  • Das mit der Prämierung des ältesten Motorrades war gut gemeint aber trotzdem schwierig. Viele machen erst gar nicht mit, weil sie wissen, dass sie keine Chance auf einen Gewinn haben. Wie wäre es mit einem Preis für das schönste Motorrad. Und zwar getrennt nach professionell und privat. Abstimmen darf das Publikum. 🙂

Mein Fazit

Ich bin jedenfalls voller Hoffnung, dass hier in Würzburg etwas sehr Cooles entsteht. Der erste Versuch war vielversprechend, jetzt müssen die Veranstalter nur noch versuchen, den kommerziellen Aspekt etwas weniger stark in den Vordergrund zu stellen und sich mehr auf Augenhöhe mit den normalen Besuchern begeben.

Zum Abschluss noch das genialste Helmfach, das ich je gesehen habe: 🙂

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