Ratrad – Es kann losgehen

Ich habe ja schon vor einer Weile angekündigt, dass ich mir diesen Winter ein Fahrrad (um)bauen möchte. Da ein kompletter Eigenbau für den Anfang etwas übertrieben und sicher nicht von Erfolg gekrönt wäre, benötigte ich eine günstige Ausgangsbasis. Am besten ein alter und einfacher Stahlrahmen, an dem ich selbst schweißen kann. Dazu simple Technik, also eine Nabenschaltung und auch sonst keine unnötigen Spielereien wie Scheibenbremsen oder Federgabel oder sowas.

Gestern wurde mir von einem Arbeitskollegen spontan ein solches Fahrrad angeboten. (Danke an Patrick!) Und heute habe ich es geholt.

Fahrradtransport auf dem Motorrad

Ich bin übrigens mal wieder von meinem Gespann begeistert. Zeig mir mal bitte jemand ein anderes Motorrad, mit dem man morgens sein Kind zum Kindergarten fahren und nachmittags spontan ein ausgewachsenens Fahrrad transportieren kann! Sieht zwar aus wie ein großer Schrotthaufen, macht aber trotzdem irre viel Spaß:

MZ Gespann Fahrrad TransportNun zum eigentlichen Fahrrad: Es ist einfach nur geil. Es ist ein Superlux Rekord (ich habe den Namen noch nie gehört) aus den 60er Jahren. Abgesehen von etwas Flugrost und maroden Reifen steht es eigentlich super da. Alle Teile sind dran und auch nichts kaputt. Nur die Luftpumpe fehlt und die Satteldecke ist lose.

Gemuffter Rahmen, Sachs-3-Gang-Torpedoschaltung, gefederter Sattel, klassischer Dynamo, originaler Scheinwerfer und Rücklicht (geht sogar noch!), Schnellspanner am Vorderrad, ein ganz schmaler Lenker, Gepäckträger, Speichenschloss, zeitgenössisches Werkzeug und Reifenflickzeug … Ein echter Traum in Grün-Braun!

Jetzt bin ich hin- und hergerissen. Einerseits wollte ich mir ohne Rücksicht auf Verluste etwas total Verrücktes bauen. Andererseits ist dieses Fahrrad in so tollem Zustand, dass es fast zu schade ist, einer Flex- und Schweiß-Orgie zum Opfer zu fallen. Man müsste es eigentlich behutsam reinigen und dann so nutzen. Aber muss man wirklich? Solche Fahrräder stehen zwar nicht mehr an jeder Ecke, aber wirklich musealen Wert haben sie trotzdem nicht. Die westliche Welt würde sicher nicht untergehen, wenn ich dieses Fahrrad in Stücke säge. Aber schade wäre es irgendwie schon.

Ich werde mal noch ein paar Nächte darüber schlafen. Bislang weiß ich ja sowieso noch nicht, in welche Richtung es gehen soll.

Auf jeden Fall habe ich schonmal einen Arbeitstitel für das Umbauprojekt: Ratrad (in Analogie zum Ratracer). Ob es am Ende wirklich rattig wird, muss man sehen. Aber so richtig rattig ist der Racer ja mittlerweile auch nicht mehr. 😉

PS: Als ich die Fotos gemacht habe, kam ein junger Mann vorbei und meinte nach einem Blick auf das Fahrrad „Cool.“ Recht hat er. 🙂

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