Wenn ich richtig zähle, war es das vierte oder fünfte Mal, dass es mich am ersten Februarwochenende auf die Schwäbische Alb verschlagen hat. Das kleine aber feine Puristentreffen ist mir ans Herz gewachsen und hat auch dieses Mal wieder viel Spaß gemacht!
Beim Puristentreffen handelt es sich um ein ganz kleines, privates Treffen, das mitten im Wald an einer Grillhütte stattfindet. Wie der Name schon sagt, gibt es hier wenig Luxus. Eine Anreise im Auto? Übernachtung im kuschelig beheizten Mannschaftszelt? Fest installierte Klos und Duschen? Auf vielen anderen Veranstaltungen üblich oder zumindest geduldet. Hier nicht. Das einzige Zugeständnis ist das Dixiklo, das aber auch erst kam, als das zuständige Forstamt es zur Bedingung machte.
Die Vorbereitung
Ein paar Tage vorher hatte ich mein Gespann durchgecheckt: Reifendruck prüfen. (Huch, das Profil vom Beiwagenreifen ist aber hart an der Grenze. Gleich mal einen neuen Reifen bestellt.) Lichter prüfen. (Immerhin drei durchgebrannte bzw rausvibrierte Glühbirnen!). Die Hupe prüfen. (Nach einigem Drücken kamen Geräusche raus. Aber mit viel Luft nach oben. Ich werde den Schalter bei Gelegenheit zerlegen und reinigen.)

Den Pirellireifen habe ich mal zusammen mit MZ-Teilen geschenkt bekommen. Er hat keine DOT-Nummer, ist also mindestens 40 Jahre alt. Er war aber noch unbenutzt und weich, also habe ich ihn auf dem Beiwagen genutzt. Jetzt wird es langsam Zeit für einen neuen.
Das Packen verlief unkompliziert wie immer: Die Ausrüstung ist erprobt, der Beiwagen bietet viel Stauraum: alles rein und fertig.
Die Anreise
Freitag um 13 Uhr ging es los. Eine durchgehende Schneedecke, neblig-feuchtes Wetter, knapp über 0°C. Nicht ideal, aber könnte deutlich schlimmer sein.
Ca. 150 Kilometer Landstraße waren zu bewältigen. Keine Weltreise, aber am Ende hat es dank Feierabendverkehr und ein paar Umleitungen doch 3 Stunden gedauert. Eigentlich wollte ich ganz puristisch “der Nase nach” fahren und mich nur anhand von Verkehrsschildern orientieren. So kompliziert ist die Strecke ja nicht: Nach Würzburg, dann immer der B19 folgen, hinter Schwäbisch Hall abbiegen und schon ist man da. 😉 Aber wegen der ausufernden Umleitungen habe ich mir auf halber Strecke einen “Knopf” ins Ohr gesteckt und mich von Google leiten lassen.
Die Fahrt verlief im besten Sinne unspektakulär: Die MZ lief tadellos, auf gerader Strecke auch mal 100. Im Gegensatz zum letzten Mal habe ich nicht gefroren: An den Füßen hatte ich ganz billige Winterstiefel mit 2 Paar dicken Wollsocken. Eigentlich wollte ich als Windschutz noch Überzieher aus Gummi darüberziehen, aber die sind so spröde geworden, dass sie beim Anziehen einfach zerrissen sind. Ich habe sie aber nicht vermisst. An den Händen hatte ich die bewährte Kombination aus dünnen Unterhandschuhen, dicken Bundeswehr-Fäustlingen und Lenkerstulpen. Fingerspitzengefühl hat man damit zwar nicht, aber dafür warme Hände.
Ein paar Änderungen gab es an der Brust: Die letzten Jahre hatte ich immer einen Hoodie unter der Thermoboy-Winterkombi. Die Kapuze drückt aber wahnsinnig am Hals, man bekommt den Kragen nicht zu, kann sich nicht richtig bewegen. Alles doof. Deshalb habe ich einen alten Hoodie geopfert und mittels Schere in einen Pullover verwandelt. Was für eine Wohltat! Die Bewegungsfreiheit am Hals ist natürlich trotzdem stark eingeschränkt (Halstuch, Sturmhaube, die integrierte Kapuze des Thermoboy, …) aber deutlich besser als vorher.
Ein anderes nerviges Problem war bisher immer der kalte Wind auf der Brust, da ich keine Verkleidungsscheibe habe. Selbst mit Winterkombi und dickem Pullover kommt die Kälte sehr schnell durch. Ich habe mir früher nach alter Väter Sitte einen Stapel Zeitungen vor die Brust gepackt. Oder ein Handtuch. Oder einen zusammengeknüllten Pullover. Was entweder nichts bringt oder total unbequem ist. Dieses mal habe ich mir eine dicke Knieunterlage für die Gartenarbeit unter den Pullover gesteckt. So eine Art Sitzkissen aus dickem Schaumstoff. Und das war einfach die perfekte Lösung: Keinerlei Kälte an der Brust, nicht eng oder unbequem – und ich konnte mich auf dem Treffen draufsetzen und hatte somit auch noch einen warmen Hintern. 😉
Das Treffen
Ich kam zeitgleich mit mehreren anderen Gespannfahrern an und habe mich nach einer kurzen Begrüßungsrunde erstmal um mein Zelt gekümmert. Wenn das steht, kann man viel entspannter zum gemütlichen Teil übergehen.
Leider hat bei meinem Zelt der Reißverschluss der äußeren Tür aufgegeben. 🙁 Ich habe keine Ahnung, auf wie vielen Festivals, Motorradtouren, Campingurlauben und Kurztrips mich das Zelt in den letzten 25 Jahren begleitet hat. Aber es waren deutlich mehr, als ich dem 30 Euro-Zelt damals zugetraut hätte. Ich werde es vermissen.

Die alte Hütte wurde erst dieses Jahr durch eine deutlich größere ersetzt. Eine interessante Bauweise, die Hütte ist sehr “offen”, bietet aber trotzdem einen geschützten Rückzugsort für richtig viele Leute.
Das Treffen selbst war wie immer sehr nett. Mit ca. 25 Leuten genau die richtige Größe, um mal mit jedem ins Gespräch zu kommen, mit dem einen oder anderen auch vertieft. Am Lagerfeuer wurde gekocht, gequatscht, getrunken, rumgealbert und manchmal auch heiß diskutiert.



Und natürlich gab es auch viele interessante Motorräder mit noch interessanteren Detaillösungen. Hier ein paar Eindrücke:


Das Wetter war nicht perfekt, aber besser als befürchtet: Nachts knapp unter Null (beim Zähneputzen hat das Wasser “geknuspert”), tagsüber knapp darüber. Es hat nicht geschneit, aber dafür auch nicht geregnet. Und es war das ganze Wochenende absolut windstill. Wer schon mal bei Sturm mitten im Wald campiert hat, weiß, wie angsteinflößend das sein kann. Ein bisschen blauer Himmel wäre noch schön gewesen, aber immerhin ist die Wolkendecke nachts mal kurz aufgerissen.
Die Nächte im Zelt waren auch kein Problem: Mein Alexika-Schlafsack hat mich wunderbar warm gehalten, ohne dass ich geschwitzt hätte. Und da ich mich beim Bier zurückgehalten habe (beim Schnaps dafür nicht so), musste ich nachts auch nur einmal raus. 😉
Die Abreise
Sonntag früh konnte mein Lastenbeiwagen wieder seine Vorteile ausspielen: Ich musste nichts fummelig einpacken, festzurren oder verstauen, sondern konnte die ganzen nass-klammen Sachen einfach grob in Packsäcke stopfen und in den “Schweinetrog” werfen. Zuhause muss eh alles wieder raus und gewaschen bzw. zum Trocknen aufgehängt werden.
Eine schnelle Verabschiedungsrunde über den Zeltplatz – Vielen Dank, gute Reise und bis zum nächsten Mal! – und schon war ich wieder auf der Straße.
Die Rückfahrt verlief dann noch entspannter als die Hinreise: Kaum Verkehr, Navi und ein schönes Hörspiel im Ohr, das Gespann rollt mit 80 – 100 Sachen dahin – so lässt es sich reisen. Mir war höchstens mal ganz kurz kalt an den Fingern.
Ca. 2 km vor der Heimat bin ich dann überraschend liegengeblieben. Aber nur so lange, bis der Benzinhahn auf Reserve umgestellt und der Vergaser erneut mit Sprit geflutet war. 😉
So entspannt, wie ich war, habe ich gleich alles abgeladen und das Motorrad mit dem Wasserschlauch gründlich abgespült. Erst danach ging es unter die heiße Dusche.
Ich überlege, ob ich im nächsten Jahr vielleicht 1-2 weitere Wintertreffen anpeile. Es gibt einen Haufen kleiner und mittelgroßer Treffen, die ich alle noch nicht kenne. Die nötige Ausrüstung habe ich, also warum eigentlich nicht?
Vielen Dank an Achim und Marianne für die Gastfreundschaft!



