Mein TÜV-Debakel

Mit dem Gespann zur HU zu fahren war bislang immer ein Garant für Spaß und die Erteilung der Plakette nur Formsache. Diesmal nicht. Zwischenzeitlich musste ich froh sein, dass ich überhaupt noch auf eigener Achse vom Hof fahren durfte!

Wie immer habe ich vorher kurz eine Runde um’s Gespann gedreht: Leuchten und Hupe testen, Luftdruck und Profiltiefe kontrollieren. Passt. Also auf zum TÜV.

Auch ohne Termin musste ich nicht lange warten; schon nach knapp 10 Minuten stand ein blutjunger Prüfer vor mir, der keinen Hehl daraus machte, über keinerlei Gespannerfahrung zu verfügen. Eigentlich ein gutes Omen. Aber dann ging’s los.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf

Er machte eine Probefahrt von ca. 50 Metern und meinte beim Absteigen, dass sich der Bremshebel bis zum Lenker durchziehen lasse und die Bremswirkung vorne recht gering sei. Also habe ich selbst beherzt zugepackt und hatte plötzlich den abgerissenen Lötnippel vom Bremszug in der Hand! Super-GAU! Und ich hatte natürlich keinen Ersatz dabei. Fazit: „Betriebsbremse 1. Achse Wirkung nicht ausreichend. Erheblicher Mangel.“ Damit war das Thema Plakette eigentlich schon durch, aber es ging noch weiter.

Beim Umrunden des Motorrads stellte er fest, dass die hintere Positionsleuchte am Beiwagen nicht ging. Hatte ich die übersehen oder ist sie wirklich auf dem Weg ausgefallen? Ich habe auf die Schnelle versucht, sie wieder zum Leuchten zu bringen, aber da war nichts zu machen – die LED war defekt. Fazit: „Schlussleuchte rechts eine leuchtet nicht. Geringfügiger Mangel.“

Anmerkung: Wegen der LEDs hatte ich ein sehr ungutes Gefühl, schließlich sind die nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Warum ich sie trotzdem nutze, hat gute Gründe. Der Prüfer hat auch bemerkt, dass LEDs verbaut sind, hat es aber nicht weiter kommentiert. 

Am Beiwagenrad ist er dann gleich mehrfach fündig geworden: Die Laufrichtung ist falsch! Ich glaube, dass das nicht weiter schlimm ist, hat mich aber doch an mir zweifeln lassen. Er hat das als Kommentar aufgenommen, ein Mangel ist es aber nicht. Außerdem war der Tragfähigkeitsindex zu niedrig, was allerdings in den Kommentaren im Fahrzeugschein extra als ordnungsgemäß aufgeführt wurde. Schließlich verteilt sich bei einem Gespann das Fahrzeuggewicht auf drei statt zwei Räder, womit die Belastung pro Rad deutlich sinkt. Dass der Reifen an der Verschleißgrenze ist, hat er auch noch festgestellt.

Endgültig aus dem Konzept gebracht hat er mich dann, als er meinte, dass ich die Soziusfußrasten lieber demontieren solle, schließlich sei mein Gespann nur für 2 Personen zugelassen. Ich bin aus allen Wolken gefallen! Es hat eine ganze Weile gedauert und die Hilfe eines weiteren Prüfers erfordert, bis wir merkten, dass auch das in den Kommentaren des Fahrzeugscheins berücksichtigt ist. Da steht nämlich klein und unscheinbar „S.1:3“, was nichts anderes heißt, als dass im Gespannbetrieb 3 Sitzplätze genutzt werden dürfen. Puh.

Zuletzt widmete der Prüfer sich ausgiebig dem Vorderrad und stellte nach einigem Wackeln an den Stoßdämpfern fest, dass der eine sich deutlich weiter durchbiegen lässt als der andere. Sein Fazit: „Schwingungsdämpfer 1. Achse rechts Lagerung ausgeschlagen. Erheblicher Mangel.“ Ich war ohnehin schon so fertig mit der Welt, dass ich trotz gegenteiliger Vermutung gar nichts mehr gesagt und nur noch traurig genickt habe.

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Aktuelles Fazit: Zwei erhebliche Mängel, von denen einer eigentlich sogar eine unmittelbare Verkehrsgefährdung darstellt. Genaugenommen hätte der Prüfer das Gespann sofort stilllegen müssen. Es war reine Kulanz, dass er mich damit noch fahren ließ. Da fiel der geringfügige Mangel schon gar nicht mehr ins Gewicht.

Da haben wir aber Glück gehabt

Ich bin also langsam und vorsichtig nach Hause gefahren, was dank guter Hinterrad- und Beiwagenbremse auch ganz manierlich klappte. Dort habe ich mich gleich an die Reparatur gemacht:

Die Positionsleuchte war schnell getauscht.

Die beiden vorderen Stoßdämpfer habe ich schnell zerlegt und mein Verdacht bestätigte sich ebenso schnell: Kein Spiel, keine Undichtigkeit, kein Defekt. Lediglich der Kunststoffring zwischen den Metallhülsen war auf einer Seite defekt, wodurch sich die Hülsen stärker durchdrücken ließen. Also wie vermutet nur ein Schönheitsfehler ohne Funktionsbeeinträchtigung. Ein neuer Ring war in wenigen Sekunden montiert und somit alles wieder in bester Ordnung.

Aber bei der Bremse ging es erst richtig los. Zuerst habe ich versucht, den Bremszug provisorisch mit einem Schraubnippel zu reparieren, da der Seilzug selbst noch intakt und nur der Lötnippel abgezogen war. Das Ergebnis war aber nicht überzeugend. Also habe ich das Rad ausgebaut, um einen neuen Bowdenzug zu montieren. Und was kommt mir dabei entgegen? Die beiden Bremsbeläge! Nein, nicht die Bremsbacken, nur die sauber abgelösten Beläge! Ich will gar nicht wissen, wie lange die schon in der Trommel rumgerutscht sind. Der eine war jedenfalls schon stark angeschliffen und zerbröselt.

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Also habe ich schnell eine andere Bremse montiert, von der ich wusste, dass sie gut funktioniert. Und auch ein passender Bremszug ließ sich auftreiben. Leider habe ich das nicht mehr am selben Tag geschafft, sondern erst 2 Tage später, und musste deshalb zusätzlich zu den 44 Euro HU-Gebühr (ohne AU) auch noch 12 Euro Nachprüfungsgebühr zahlen.

In diesem Fall aber ohne Frage gut investiertes Geld. Man stelle sich vor, mir wäre der Bremszug bei einer Notbremsung bei hohem Tempo gerissen. Am besten noch mit Kind im Beiwagen! Und auch die kaputte Bremse wäre mir wahrscheinlich erst beim nächsten Radwechsel aufgefallen. Mich wundert sehr, dass die trotzdem noch passabel gebremst hat und mir nichts aufgefallen ist.

Insofern bin ich um 12 Euro ärmer aber um einige Erfahrungen reicher.

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Was ich von den gravierenden Qualitätsmängeln am Bremszug und den Bremsbelägen halten soll, weiß ich nicht. Vor allem weiß ich nicht, wie ich das in Zukunft verhindern will. Der Bremszug war sogenannte „deutsche Wertarbeit“ und erst ca. 7 Jahre alt, die Beläge stammten ebenfalls von einem Fachhändler und hatten ca. 4 Jahre auf dem Buckel. Beides wurde regelmäßig geprüft und angemessen gepflegt. Obendrein kam das plötzliche Versagen völlig überraschend. Da kann man nur sagen: Pech gehabt.

PS: Die Bandit hat’s ein paar Tage später ohne Probleme beim ersten Versuch geschafft. 😉

 

 

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