Honda-Problemchen

Die Honda ist ein so zuverlässiges und souveränes Motorrad, dass selbst Beinahe-Katastrophen mit Ihr so entspannt und unkompliziert ablaufen, dass man sie gar nicht als großes Problem wahrnimmt. Beispiele gefällig?


Einmal die Sau rauslassen

Irgendwann rund um Ostern muss es gewesen sein. Ich hatte einen Tag frei, auf den Straßen war nichts los und es gab mal wieder Tempolimit-Diskussionen in den Nachrichten. Deshalb dachte ich mir: Wann, wenn nicht jetzt, kannst Du die Honda richtig ausfahren?

Also bin ich mal schnell auf einen Kaffee zu meiner Mutter gefahren. Die wohnt ca. 170 km entfernt, wobei der Großteil der Fahrt auf der A70 verläuft. Da ist eigentlich nie viel Verkehr und Tempo-Beschränkungen gibt es auch kaum. Also rauf auf die Bahn und ab die Post!

Ich weiß nicht, was ich faszinierender finde: Dass ein 35 Jahre altes Motorrad mit fast 100.000 km auf der Uhr immer noch ratzfatz auf Tempo 250 durchbeschleunigt. Oder dass ein Motorrad dabei so ruhig auf der Straße liegen kann, dass man sich beim Fahren fast langweilt.

Ich bin jedenfalls mit Geschwindigkeiten zwischen 220 und 250 km/h die Autobahn entlanggeballert (zumindest da, wo es erlaubt und machbar war) und bin ziemlich entspannt am Ziel angekommen. Es gab keine kritischen Situationen und viele Autofahrer war super rücksichtsvoll und haben bereitwillig Platz gemacht oder sogar Überholmanöver abgebrochen, um mich schnell durchzulassen.

Der Motor ist gut warmgefahren. Einen Kaffee bitte!

Nach ein paar Stunden war ich wieder zuhause und hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Eigentlich bin ich ja nicht so der Schnell-Fahrer, und habe auch nicht vor, das so bald zu wiederholen. Aber es war trotzdem eine schöne Erfahrung.

Die Honda hat das Ganze super weggesteckt. Aber sie hat auch ganz gut verbraucht: Über 9 Liter auf 100 km habe ich noch bei keinem Motorrad geschafft. 😉

Wo war jetzt die Beinahe-Katastrophe? Eine Woche später war ich mit der Honda zwecks Hauptuntersuchung bei der Dekra. Dort hat mir der Prüfer ein loses Hinterradlager attestiert und die Plakette verweigert. Das Hinterrad ließ sich spür- und sichtbar bewegen und kippen. Zuhause habe ich dann gesehen, dass es nicht am Lager lag, sondern an einer gelösten Achsmutter. 😯

Wenn die sich bei Topspeed gelöst hätte, hätte es böse ausgehen können. Hat sie aber nicht. Und sie hat sich nichtmal negativ auf das Fahrverhalten ausgewirkt. Honda halt. Selbst wenn etwas nicht funktioniert, funktioniert es immer noch richtig gut. 😉

Ich bin natürlich froh, dass der Prüfer den Defekt bemerkt hat. Ich habe mir eine große Nuss mit Schlüsselweite 46 geliehen, einen Ratschen-Adapter für 1/2″ gebaut und die Mutter wie vorgeschrieben mit 195 Nm angezogen. Dazu einen Klecks Schraubensicherung, das hält hoffentlich wieder 25 Jahre. Die Wiedervorführung bei der Dekra verlief dann auch ganz problemlos.


Die Luft ist raus

Letzte Woche wollte ich morgens mit der Honda zu einem Termin. Da sie eine Weile stand, habe ich vor Fahrtbeginn die Reifen kontrolliert und den Druck angepasst. Alles super.

Auf der Autobahnauffahrt gab es dann plötzlich einen lauten Knall irgendwo unter bzw. hinter mir. Gespürt habe ich aber nichts, der Motor lief tadellos weiter, das Motorrad fuhr … eigenartig. Vielleicht eine Fehlzündung? Eher untypisch für die Honda. Zumal so laut.

Aber auf der Autobahn kann man nicht mal eben rechts ran fahren und gucken, also bin ich vorsichtig weitergefahren, wegen des dichten Verkehrs mit “nur” ca. 140 km/h auf der linken Spur. Vielleicht 10 – 15 Sekunden später fing das Hinterrad an zu schlingern und mir war klar, was passiert war. Sofort rüber auf den Standstreifen und anhalten! Da stand das Hinterrad schon auf der Felge und ein großes Loch klaffte mitten in der Lauffläche.

Die Idee, das Motorrad entgegen der Fahrtrichtung von der Autobahn zu schieben (es waren ja “nur” ca. 1,5 km bis zur Auffahrt), habe ich sofort aufgegeben. Mit einem komplett leeren Hinterreifen lässt sich das Motorrad keine 5 Meter weit schieben.

Also habe ich den ADAC gerufen und gewartet.

Hoch auf dem gelben Wagen …

Wie man sieht, ist nicht nur der Reifen geplatzt. Sogar der Reflektor wurde zerstört! Da muss ich mir etwas sehr großes eingefahren haben, was dann mit Schmackes rausgeschleudert wurde. 😯

Das Ganze war natürlich sehr ärgerlich (die Reifen hatten noch ca. 3 mm Profil und waren erst ein paar Jahre alt) und obendrein kreuzgefährlich! Was, wenn der Reifen richtig zerfetzt worden wäre? Wenn er von der Felge gerutscht wäre? Wenn ich nicht schnell genug reagiert hätte? Wenn ich nicht sofort nach rechts hätte fahren können? Das hätte böse ausgehen können.

Ist es aber nicht. Die Honda hat spürbar geschlingert, hat sich aber bis zum Stillstand super beherrschen und steuern lassen.

Die Honda macht auch ohne Räder eine gute Figur.

Ich habe mir dann gleich beide Reifen neu bestellt. Der Aus- und Einbau verlief auch beeindruckend unspektakulär. Vor allem das Hinterrad, vor dem ich ein bisschen Respekt hatte. Schließlich habe ich noch nie ein Rad an einer Einarmschwinge ausgebaut. Aber so einfach ist das wirklich bei keinem anderen meiner Motorräder: 3 Schrauben am Auspuff lösen, den Auspuff dank Kugelgelenkt rausklappen, die 4 Radmuttern lösen – fertig. Kein Lösen von Bremssätteln und Bremsankern, kein Geschmadder mit Kette oder Kettenrad, keine Distanzstücke, Achsen, Ruckdämpfer etc. Einfach nur das Rad abnehmen und fertig. Fast so einfach wie am Auto.


Mal sehen, was noch kommt

Ich bin gespannt, welche Abenteuer die Honda und ich als nächstes erleben werden. Ich bin mir aber sich, dass sie sie ebenso souverän und mit einem Schulterzucken hinter sich bringen wird, wie alle anderen. 😉

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