Fuhrparknotizen – Teil 22

Covid-19 bringt aktuell die Welt aus dem Gleichgewicht. Mich zum Glück nur emotional, denn mir verhagelt die Ausgangsbeschränkung den Saisonstart. Immerhin hatte ich Glück und konnte vorher noch meine neuen Motorräder zulassen.

Mein ETS 250-Gespann ist fertig und „on the road again“

Im Juni 2019 habe ich mit dem Projekt angefangen. So sah der Teilehaufen beim Kauf aus:

MZ-Konvolut

Die ganze Werkstatt voller Kisten und Kartons. Und das sind nur die Kleineteile!

Knapp ein dreiviertel Jahr habe ich benötigt, um die ETS zu restaurieren. Wobei ich das Gespann nicht exakt so aufgebaut habe, wie es bei seiner Abmeldung im Jahr 1978 aussah. Hier zum Vergleich ein Foto aus den 70ern:

MZ ETS 250 "Trophy Sport" als Gespann 1976

Das Gespann Ende der 70er fast komplett in „Feuerwehrrot“.

Manches habe ich bewusst anders gemacht: Ich habe auf meinen Ersatzmotor und das vorhandende Personenboot von meinem ES/2-Gespann zurückgegriffen, um Geld und Arbeit zu sparen. Auch optisch habe ich mir ein paar Freiheiten genommen: Zu einem Chromtank, der mir überraschend angeboten wurde, konnte ich nicht „Nein“ sagen. Und da ein rotes Motorrad mit Chromtank meines Erachtens nicht gut aussieht, wurden Rahmen und Verkleidungsteile stattdessen schwarz lackiert bzw. gepulvert. Und so sieht das gute Stück nun, über 40 Jahre später, aus:

MZ ETS 250 Gespann

Anfang März ging es dann endlich zum TÜV. Der Prüfer war mir und der MZ offensichtlich wohlgesonnen: Er ist 30 Meter damit gefahren und hat es dann 10 Minuten umkreist und ununterbrochen gelobt. 😉 Am Ende habe ich ohne Mängel bestanden und sogar den gewünschten „Wahlweise“-Eintrag bekommen, mit dem das Motorrad bei Bedarf auch ohne Beiwagen gefahren werden kann.

Mit offizieller Zulassung konnte ich das Motorrad dann endlich richtig testen und noch ein paar Kleinigkeiten beheben. Nach 3 Wochen Alltagsbetrieb mit mir und meinen beiden Jungs kann ich sagen: Das Motorrad rockt!

MZ ETS 250 Gespann

Eigenartige Optik, solide Technik

Optisch ist es immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Die wilde Mischung aus ETS- und ES/2-Teilen wirkt stellenweise befremdlich und der „patinierte“ Beiwagen passt auch nicht so recht an das vollrestaurierte Motorrad. Da steht also schon das nächste Restaurierungsprojekt in den Startlöchern.

Aber technisch ist die MZ tadellos! Der ultrabreite Superbikelenker macht das Gespann so handlich, dass man Kurven problemlos einhändig fahren kann. Bei meiner ES/2 undenkbar! Die aufrechte Sitzposition ist für mich ebenso ungewohnt, aber fraglos bequem und langstreckentauglich. Der gut eingefahrene (=ausgelutschte) Motor ist absolut vollgasfest. Und auch sonst funktioniert alles, wie es soll. Ebenfalls ungewohnt, bzw. wieder ungewohnt, ist für mich auch der BVF-Vergaser ohne Standgas. Evtl. ersetze ich den irgendwann durch einen Bing.

MZ ETS 250 Gespann mit breitem Lenker

Hier sieht man, wie extrem breit der Hashiru-Superbikelenker ist. Beim Rangieren und Aufklappen der Beiwagenhaube muss man ein bisschen aufpassen, aber dafür bietet er eine bequeme Sitzposition und geringe Lenkkräfte.

Ich habe bei diesem Projekt übrigens ganz penibel Buch geführt. Jeden Cent, den ich ausgegeben habe, habe ich notiert: Den Kaufpreis des Motorrades, alle zugekauften Teile, die Pulverlackierung, das Schweißen des Tanks, TÜV-Abnahme, Zulassung, Kennzeichen, etc. Um das Projekt zu finanzieren habe ich außerdem einige Teile verkauft. Diese Einnahmen tauchen in der Bilanz natürlich auch auf.

Aktueller Stand: 2.464,89 € (Das wird noch ein bisschen sinken, da ich viele Teile übrig habe, die ich verkaufen kann.)

Meines Erachtens ein fairer Preis für ein komplett durchrestauriertes, technisch tadelloses und absolut einmaliges MZ-Gespann. 🙂

MZ ETS 250 Gespann


Das Erbstück: Die BMW R75/6

Die BMW und ich hatten einen schlechten Start. Denn eigentlich wollte ich sie gar nicht haben und musste mich erst ein bisschen überreden lassen. Seitdem gebe ich mir aber redlich Mühe, den vermasselten Start wieder gutzumachen. Ob mir das gelingen wird?

Ich muss zugeben: Der erste Eindruck war durchwachsen. Klar, die BMW ist ein wunderschönes, klassisches Motorrad. Überhaupt keine Diskussion! Die Eckdaten passen auch: Zuverlässig und schrauberfreundlich, brauchbare Bremse, ausreichend Leistung, gute Sitzposition, hervorragende Teileversorgung, dank der Koffer viel Stauraum …

Aber die erste Fahrt war ernüchternd: Sie fühlte sich wesentlich schwerer an, als sie ist. Im Stand und vor allem auch beim Fahren. Sie war optisch und technisch etwas verbastelt. Und das hochgelobte Boxerbollern, das man angeblich „einfach nur lieben muss“, hat bei mir keinen Funken überspringen lassen. Das fühlte sich an wie ein Vierzylinder, der nur auf drei Töpfen läuft: Untenrum unkultiviert, obenrum gequält.

BMW R75/6 am Straßenrand

Meine erste Amtshandlung nach der Zulassung war deshalb, den schmalen Originallenker zu demontieren. Der war mit einer fragwürdigen Höherlegung versehen, rostig und an mehreren Stellen durchlöchert. Weg damit! Stattdessen kam, wie schon bei meiner ETS und vorher bei der Bandit, ein breiter Superbikelenker drauf. Dazu musste ich nur die Kabel um ca. 5 cm verlängern, die Züge waren ausreichend dimensioniert. Und siehe da, plötzlich lässt sich das Motorrad wesentlich leichter und präziser fahren!

BMW R75/6 mit breitem Superbike-Lenker

Auch an der BMW sorgt ein breiter Lenker für besseres Handling.

Aber damit war das Aufräumen noch nicht zuende. Auch die „Prallschutzplatte“, der Warnblinker und der „Blinkerpiepser“ mussten weichen.

Anschließend habe ich ein paar kleinere Touren durch das Würzburger Umland gemacht, um mich mit der BMW vertraut zu machen. Leider immer noch mit durchwachsenem Erfolg. Ein hängender Schwimmer hat für stinkende Schuhe und einen Mordsschreck gesorgt, ließ sich aber einfach beheben.

Kleine Panne wegen eines hängenden Schwimmers

Die Blinkkontrollleuchte leuchtet dauerhaft. Eigentlich nicht schlimm, aber die Fehlersuche wird bestimmt nervig. Ich habe die Verkabelung der Warnblinkanlage im Verdacht. Und richtig Sorgen macht mir, dass die BMW nicht schneller als 120 oder 130 fährt. Dabei sollte sie für 180 gut sein. Hoffentlich ist da nichts im Argen. Mal schauen, ob eine Grundreinigung der Vergaser Besserung bringt.

BMW R75/6

Außerdem muss ich zugeben, dass ich mit dem Motor bzw. dessen „Feeling“ noch nicht ganz klarkomme. Ich fahre meist viel zu hochtourig, weil er im unteren Bereich stark vibriert. Das fühlt sich an, als würde er gleich ausgehen. Sicher bin ich da durch meine Japaner und MZetten geprägt und muss mich nur daran gewöhnen.

Fazit: Ein spannendes Motorrad, mit dem ich noch immer nicht ganz warm geworden bin. Aber ich bemühe mich! Immerhin hat mein Sohn sie schon ins Herz geschlossen:

BMW R75/6 mit Kindersitz


Der Ratracer …

… führt momentan ein Schattendasein. Was hauptsächlich daran liegt, dass er als Einsitzer einfach nicht familientauglich ist. Immerhin hat er jetzt wieder eine neue Batterie und wartet auf das Ende der Ausgangsbeschränkungen. Hoffen wir, dass es bald soweit ist. 🙂

MZ TS 250 Café Racer "Ratracer"

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4 Gedanken zu „Fuhrparknotizen – Teil 22

  1. Hi, hast du mal zu genau diesem Lenker einen Link, zwecks Abmessungen, der gefällt mir echt gut. Wie auch der Rest vom Fahrzeug, tolle Arbeit! Gute Fahrt und bleib gesund.

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