Mit einem alten Motorrad im Winter zu fahren, ist nicht nur körperlich mitunter eine Herausforderung, sondern lässt auch das Material im Zeitraffer altern. Nun hat es meine Hinterradbremse erwischt.
Das Streusalz kriecht überall rein. Und egal wie ausgiebig und gründlich man es wegzuspülen versucht, man spült es häufig nur noch tiefer in Ritzen und Hohlräume. Ein Klassiker sind die Bremstrommeln: Was da reinkommt, kommt nie wieder raus. Und so bildet sich schon innerhalb weniger Tage Rost.
Durch den Roststaub zwischen Trommel und Belägen packt die Bremse beim ersten Bremsen brutal zu. Viel heftiger, als man es sonst gewohnt ist. Was bei einem Gespann eigentlich nicht so dramatisch ist: Das betreffende Rad blockiert, man rutscht ein paar Meter, gut ist. Dann bremst man noch ein paar Mal vorsichtig, bis die Bremse wieder normal arbeitet. Und schon kann es weitergehen.
Bremse ohne Vorwarnung zerbrochen
Leider war es dieses Mal noch heftiger als üblich: Die Bremse hat nicht einfach blockiert, sondern irgendwie gerüttelt und lautstark gerattert. Das Rad hat dabei aber nicht einfach blockiert, sondern sich wie bei einem ABS stückweise gedreht. Dann hat es plötzlich einen Schlag getan und der Fußbremshebel ließ sich deutlich weiter durchtreten. Ein Blick aufs Hinterrad bestätigte die Befürchtung: nach fest kommt ab!
Durch die massive Krafteinwirkung ist der Befestigungspunkt für die Haltestrebe einfach aus der Bremsankerplatte (manche sagen auch “Bremsschild”) gebrochen. Dadurch hat sich die Bremse mitsamt Rad weitergedreht, die Bremsstange hat die Bremse immer weiter zugezogen und ist am Ende einfach abgerissen. Ziemlich heftig.
Zum Glück ist nichts weiter passiert. Ich bin dank der anderen beiden Bremsen trotzdem sicher zum Stehen gekommen und konnte auch problemlos nach Hause fahren. Es war ja nicht weit.
In meinem Ersatzteillager fanden sich alle nötigen Teile, also konnte ich direkt mit der Reparatur loslegen. Um das Hinterrad leichter ausbauen zu können, habe ich das ganze Gefährt “aufgebockt”. Quasi die Hebebühne des kleinen Mannes. 🙂
Ein genauer Blick auf die Bremse zeigt metallisch blanke Bruchkanten. Es scheint sich also um keinen Ermüdungsbruch zu handeln, der sich über längere Zeit entwickelt hat. Das Stück ist einfach auf einen Schlag rausgerissen worden.
Ich werde das Teil mal aufheben. Vielleicht kommt der Zeitpunkt, wo die Bremsen so rar sind, dass sich eine Reparatur lohnt. Der Rest ist ja noch tadellos in Ordnung.
Bremsen-Transplantation
Danach habe ich die neue Bremse gereinigt und ein bisschen abgebürstet. Bremsbacken, Bremshebel und Nocken haben die Aktion übrigens schadlos überstanden und konnten deshalb nach Reinigung und genauer Kontrolle transplantiert werden. Die Kontaktstellen bzw. Drehpunkte der Backen habe ich mit Plastilube geschmiert, der Bremsnocken bekam einen neuen Schmiernippel und etwas Fett.

Links die neue Bremse, rechts die alte. Einen Schönheitspreis wird sie nicht gewinnen. Soll sie auch nicht.
Wer sich übrigens fragt, was das für ein Blech zwischen den beiden Drehpunkten ist, findet hier die Antwort: MZ-Trommelbremsen optimieren.
Danach habe ich Bremse und Hinterrad wieder eingebaut. Und wieder ausgebaut. Und wieder eingebaut. Und wieder ausgebaut. Und wieder eingebaut. Zwischendurch geflucht, gemessen, gebogen, geschraubt und noch viel mehr geflucht. Grund war der Bremslichtschalter und die dazugehörige Kontaktfahne, die erst aufeinander angepasst werden mussten. Und der Bremshebel, der nochmal versetzt werden musste, um die Bremse vernünftig betätigen zu können. Vieles davon bei laufendem Motor, denn die Gespann-Batterie ist tot und somit lässt sich das Bremslicht nur bei Motorlauf testen. Irgendwann ging aber alles korrekt.
Probefahrt und neue, alte Probleme
Da ich die Bremstrommel und die Beläge gereinigt und entfettet hatte, wollte ich nur pro forma eine kleine Probefahrt machen. Leider zeigte sich dann aber das gleiche Problem wie vorher: Die Bremse ratterte und klapperte und stotterte lautstark schon bei ganz leichtem Bremsen. Nur bei gaaaanz langsamer Fahrt, also deutlich unter Schrittgeschwindigkeit, und gaaaanz vorsichtiger Betätigung der Bremse konnte ich normal bremsen. Allerdings auch recht heftig mit sofort blockierendem Rad. Ich bin eine Runde nach der nächsten um den Block gekrochen, begleitet von furchtbaren Rattergeräuschen, bis die Bremse von einem Moment auf den nächsten wieder ganz normal gearbeitet hat.

Die Bremse hat ein paar Roststellen, sieht aber eigentlich noch ganz gut aus. Es handelt sich übrigens um das Winterrad, deshalb sind die Speichen auch ziemlich rostig.
Ich habe keine Ahnung, woher das Rattern genau kam. Das hatte ich in all den Jahren noch nie, an keiner Bremse. Ich nehme an, dass die Bremssbeläge, die kaum Luft in der Trommel haben, sich irgendwie verkantet oder verklemmt haben und dann “gehüpft” sind. Warum das jetzt erstmals passiert ist, kann ich mir nicht erklären.
Ich werde die nächsten Male ganz vorsichtig probebremsen, um das Phänomen rechtzeitig erkennen zu können. Denn ich will ungern noch eine Bremse zerstören. Ich hab nämlich keinen weiteren Ersatz auf Lager. 😉
Spätestens, wenn in ein paar Wochen die Sommerräder montiert werden, sollte der Spuk vorerst ein Ende haben: Die haben deutlich weniger Rost und auch etwas mehr Spiel.
