Schweden 2012 – 11. Tag

Am Dienstag-Abend hat sich auf dem Zeltplatz in Trelleborg ein Trio ziemlich verrückter Leute getroffen: Ich, der ich alleine mit einem 45 Jahre alten Gespann 3000 km durch Schweden reise. Tina, die alleine und zu Fuß 111 km um Rügen läuft (und zwischendurch zur Entspannung einen Abstecher nach Schweden macht). Und Ulrich, der alleine mit dem Fahrrad durch Norwegen fährt. Als plötzlich seine EC-Karte nicht mehr ging, ist er kurzerhand nach Schweden gefahren, um mit der Fähre nach Rügen überzusetzen und dort Geld abzuheben. Alle ziemlich verrückt, oder?

Da sich gleich und gleich gerne gesellt, haben wir uns für diesen Abend zusammengetan. Dazu muss man sagen, dass mir mehrere Leute gesagt haben, ich solle ganz viel Schnaps mit nach Schweden nehmen, da der dort sehr teuer sei und deshalb unter anderem in Werkstätten als Währung akzeptiert wird. Wenn man irgendwo Hilfe in Anspruch nehmen muss, einfach eine Flasche Schnaps als Dankeschön überreichen und alle freuen sich. Also habe ich den halben Kofferraum mit unterschiedlichsten Spirituosen gefüllt, um für alles gewappnet zu sein. Nur leider hat sich die MZ standhaft geweigert, eine Werkstatt aufzusuchen. 🙂 Da sich auch sonst keine Gelegenheit zum Verschenken von Schnaps ergeben hat, waren meine Vorräte am Ende der Reise noch nahezu unberührt.

Deshalb haben wir uns zu dritt dieses Problems angenommen und einen sehr lustigen und interessanten Abend verbracht. Dabei habe ich Tina auch angeboten, sie am nächsten morgen mit zur Fähre zu nehmen, da sie keine Lust hatte, die 6 km zum Fährhafen nochmal zu laufen. Da meine Fähre um 7.30 Uhr ablegen sollte und es dorthin etwa 15 Minuten Fahrtzeit sind, wollte ich 20 vor 7 losfahren, um noch eine Karte kaufen und entspannt an Bord gehen zu können.

Dummerweise hatte Tina verschlafen. Um 6.15 Uhr habe ich sie geweckt und ihr gesagt, dass wir in einer halben Stunde losfahren. Tja, Frauen. Sie hat in aller Seelenruhe ihre Sachen sortiert, Schlafsack und Zelt minutiös zusammengefaltet, Klamotten zusammengelegt, Sachen wieder aus dem Rucksack gepackt und in anderer Reihenfolge wieder alles rein. Und das in gefühlter Zeitlupe. Dabei hat sie mehr Zeit damit zugebracht, permanent zu beteuern, dass sie ja noch nie so schnell gepackt habe, als wirklich für das Packen zu verwenden. Argh! Und ich stand da, bin nervös von einem Fuß auf den anderen getippelt und habe auf die Uhr geschaut. Um 7.05 Uhr saß sie endlich auf dem Motorrad und wir sind losgerast.

Eigentlich hatte ich die Fähre nach Trelleborg schon abgeschrieben und mich damit abgefunden, eine viertel Stunde später nach Sassnitz zu fahren und damit einen riesiegen Umweg machen zu müssen. Ich bin dann noch über zwei orange Ampeln gerast, bin wie ein Verrückter über das Hafengelände geknattert und habe es tatsächlich noch als Letzter auf die Fähre geschafft. Direkt hinter mir wurden die Schranken runtergelassen. Puh!

Auf der Fähre dann 6 Stunden gepflegte Langeweile. Um die Uhrzeit fahren auch kaum Touristen mit, so dass es wenig zu sehen und zu lachen gibt. Die einzige Abwechslung war ein Trupp russischer LKW-Fahrer, die sich um 8 Uhr eine Palette Dosenbier im Duty-Free-Shop gekauft haben und damit erstmal „Frühstück“ gemacht haben. Das hat mich mal wieder in meiner Ansicht bestärkt, dass ich mit dem Gespann auf einer Autobahn zwischen lauter 40-Tonnern nichts verloren habe. Ich habe den Rest der Fahrt gedöst, gelesen und Fotos von der windstillen Ostsee gemacht, die bis zum Horizont absolut spiegelglatt dalag.

Von Rostock aus ging es dann relativ unspektakulär gut 100 km über Land nach Waren. Dabei ist mir wieder eine interessante Eigenheit in der Fahrweise der anderen Verkehrsteilnehmer aufgefallen. Wirklich große Unterschiede gibt es bei der Fahrweise nicht zwischen alten und neuen Bundesländern und Schweden. Ich habe mir zwar eingebildet, dass in den neuen Bundesländern tendenziell etwas rücksichtsloser gefahren wird als in den alten. Da wird auch gerne mal sehr riskant und illegal überholt, obwohl ich bei erlaubten 70 km/h schon über 80 fahre. Und in Schweden habe ich mir eingebildet, dass tendenziell etwas rücksichtsvoller gefahren wird. Da fahren die Autos auch dann noch mit großem Sicherheitsabstand hinter einem her, wenn man bei erlaubten 90 nur 80 schafft und eigentlich genügend Platz zum Überholen ist. Aber das sind sicherlich Einzelfälle, die sich nicht unbedingt verallgemeinern lassen. Was aber wirklich ins Auge gestochen ist, ist folgendes: Wenn man im Osten an einer roten Ampel steht, halten die Autos IMMER zwei Autolängen Sicherheitsabstand. Da haben 40 Jahre Zweitaktduft offensichtlich Spuren hinterlassen. 🙂

Der Abend beim Vater in Waren war sehr schön. Grillen, Eis essen, gemütlich zusammensitzen und dann ein großes, warmes Bett. Herrlich!

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