Schweden 2012 – Fazit

Hier das Fazit meiner Reise:

Statistik

Zuerstmal die Statistik, die für mich, aber vielleicht auch für den einen oder anderen, recht interessant ist.

Insgesamt bin ich in 12 Tagen 3117 km gefahren. Die Tagesetappen waren dabei zwischen 107 km (Trelleborg – Waren) und 638 km (Waren – Würzburg) lang. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag zwischen 40 km/h bei gemütlichem Sightseeing und maximal 68 km/h bei zügiger Reise. Die Gesamtdurchschnittsgeschwindigkeit kann ich leider nicht sagen.

Ich habe insgesamt 186,09 Liter Benzin getankt. Zusammen mit 3,72 Litern Zweitaktöl ergibt das 190 Liter Treibstoff. Der Verbrauch lag zwischen 5,3 und 6,7 Litern pro 100 km. Der Gesamtdurchschnittsverbrauch beträgt 6 Liter pro 100 km. Die Benzinkosten (ohne Zweitaktöl) betrugen 159,77 Euro und 1350,61 Kronen (ca. 163 Euro), also insgesamt etwa 323 Euro. Das sind etwa 10 Cent pro Kilometer.

Ich finde, die Verbrauchs- und Geschwindigkeits-Werte sind für ein 45 Jahre altes, vollbeladenes Motorradgespann absolut im Rahmen. 🙂

 Motorrad

Die MZ hat einwandfrei funktioniert. Darüber bin ich sehr froh, aber auch ein bisschen traurig, denn die eine oder andere Bastelei am Straßenrand hätte die Sache sicherlich noch etwas abenteuerlicher gemacht. Aber ich will mal nicht undankbar sein. 🙂

Wirkliche Pannen gab es nicht. Die Leerlaufleuchte hat manchmal nicht funktioniert, das Rücklicht hat irgendwann aufgegeben und die Sicherung der Bordsteckdose ist durchgebrannt, als die Steckdose vom Regen geflutet wurde. Die Krümmermutter hat sich etwas gelöst und die Mutter der vorderen Auspuffaufhängung ist verschollen. Außerdem musste ich den abgefahrenen Hinterreifen wechseln. Also wirklich nur Kleinkram, den man unter Verschleiß verbuchen kann.

Abgesehen davon hat sich die MZ mal wieder als absolut alltags- und langstreckentauglich erwiesen. Wartungsarbeiten waren nicht notwendig, das Schmieren der Kette und der Schwingenachsen habe ich eher aus Vorsicht und Langeweile denn aus Notwendigkeit gemacht. Dank der Vape-LiMa mit kontaktloser Zündung entfiel auch das Überprüfen von Zündzeitpunkt, Unterbrecher und Regler. Die Sitzposition ist perfekt und lässt auch 13-Stunden-Fahrten zu. Die Unterbringung des Gepäcks war völlig unproblematisch, wobei der viele Stauraum natürlich dazu einlädt, mehr mitzunehmen, als man braucht. Dazu gleich mehr. Durch meine hecklastige Beladung des Beiwagens hat das Vorderrad anfangs stark zum Flattern geneigt, was aber mit abnehmendem Getränke- und Essensreserven besser wurde.

Als Auszeichnung für Tapferkeit im Angesicht langer Strecken und überragende Zuverlässigkeit bekommt mein Motorrad deshalb den Elch-Orden verliehen:

Ausrüstung

Ich habe haufenweise Sachen dabei gehabt, die ich nicht gebraucht hätte. Das Dreibein zum Kochen überm Lagerfeuer habe ich mangels Feuer nie benutzt und es hat nur genervt. Ich habe viel zu viel Essen dabeigehabt. 8 Konservenbüchsen habe ich wieder mitgebracht! Es hätte völlig gereicht, sich 2 Büchsen für den Notfall mitzunehmen und den Rest vor Ort zu kaufen. Auch Kleidung ist so ein Thema. Wenn ich gewusst hätte, welche Kälte mich erwartet, hätte ich vieles hiergelassen und dafür ein paar dickere Sachen mitgenommen. Die Sturmlaterne hat nicht funktioniert – die und die Petroleumflasche hätte also auch hierbleiben können. Und auch den vielen Schnaps und das Bier hätte ich einfach dalassen sollen. Wenn man nicht vorhat, jeden Tag eine Party zu schmeißen, kann man sich auch vor Ort alle paar Tage ein teures schwedisches Bier kaufen und bekommt damit auch mehr vom Land und seinen Spezialitäten mit. Das viele Werkzeug und die Ersatzteile waren zum Glück nicht nötig, sollten sicherheitshalber aber dabei sein. Allerdings hätte man auch da auf einiges verzichten können. Warum einen Gummihammer mitnehmen, wenn man einen normalen dabei hat? Warum 10 Ringschlüssel, wenn man einen Ratschenkasten hat. Und meine Fotoausrüstung hätte ich auch auf den Fotoapparat reduzieren können. Das Fotostativ habe ich nur als Abstützung des Beiwagens beim Radwechsel benutzt und das Teleobjektiv nicht einmal ausgepackt.

Gefehlt hat mir eigentlich nichts, nur mein Schlafsack war den Temperaturen nicht gewachsen. Jede Nacht in kompletter Kleidung und mit zwei Pullis im Zelt liegen und trotzdem frieren, macht auf Dauer auch keinen Spaß. Für meine nächste Tour werde ich mir da mal einen neuen kaufen müssen. Und ein paar richtige Motorradhandschuhe hätten auch nicht schaden können.

Insgesamt denke ich, dass ich das wirklich benötigte Gepäck auch auf ein Solomotorrad bekommen hätte. Oder noch eine Person im Beiwagen hätte mitnehmen können.

Schweden allgemein

Ich habe zugegebenermaßen einen sehr einseitigen Urlaub gemacht. Ich habe Städte gemieden und das erste Mal in meinem Leben keine einzige Kirche von innen angeschaut. Ich war nie irgendwo essen oder Kaffee trinken und habe auch nur ein Museum besucht. Ich habe mich stattdessen ganz bewusst auf Fahren, Natur genießen und Lesen beschränkt. Das war auch mal toll. Auch wenn ich dabei sicherlich viel Sehenswertes verpasst habe.

Die Schweden sind nach meiner Erfahrung ein sehr nettes aber auch zurückhaltendes Volk. Auf den Zeltplätzen herrscht Ruhe und Ordnung, selbst die Kinder sitzen ruhig da und beschäftigen sich still. Ein himmelweiter Unterschied zu deutschen Campingplätzen. Das macht es natürlich schwierig, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Ich hatte eigentlich erwartet, mich gelegentlich mit anderen Motorradfahrern zu unterhalten, hatte aber kaum Gelegenheit dazu. Was sicher auch daran liegt, dass die meisten Motorradfahrer, die ich getroffen habe, 50 – 60 Jahre alt sind, mit einem teuren Wohnmobil unterwegs und das Motorrad auf dem Anhänger transportieren. Solche Leute kommen nicht einfach abends auf ein Bier vorbei und unterhalten sich über Motorräder. Ich finde das ein bisschen schade, habe aber die so gewonnenene Zeit zum Lesen und Nachdenken genutzt, was auch sehr schön war.

Insgesamt ist Schweden ein Land, das man als Urlaubsland nur empfehlen kann. Aber wenn, dann am besten irgendwie mit Motorrad, Wohnmobil oder Fahrrad. Denn wenn man da zwei Wochen nur an einer Stelle ist, wird es einem vermutlich schnell langweilig. Das gute Verkehrsnetz, die leeren Straßen und die vielen Rast- und Campingplätze laden stattdessen zum Reisen ein und die Vielfalt der schwedischen Natur bietet wirklich alle paar Kilometer etwas Neues.

Fazit

Toll war’s! Gerne wieder. Beim nächsten Mal dann aber wahrscheinlich ohne Motorrad und dafür mit Familie. Taugt ein Barkas eigentlich als Wohnmobil? 😉

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