In den letzten Tagen gab es einen Wintereinbruch, wie er hier im “mediterranen” Mainfranken eher selten vorkommt: Gute 25 cm Neuschnee innerhalb eines Tages! Die perfekte Gelegenheit also, um Traktor und MZ-Gespann an ihre Grenzen zu bringen.
Normalerweise haben wir hier im Würzburger Umland nur ein paar Schneetage pro Winter. Da ist man schon froh, wenn überhaupt eine durchgehende Schneedecke zusammenkommt, die nicht nach einer Stunde weggetaut ist. Dass es einen ganzen Tag durchgehend schneit und der Schnee auch liegen bleibt, ist eine Seltenheit, die natürlich für entsprechendes Chaos sorgt: Schulschließungen, Einstellungen des Nahverkehrs, Straßensperrungen, reihenweise liegengebliebene LKW und Unfälle.
Diese Chance konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Der EMW-Traktor durfte also alle paar Stunden raus und die Straße rund um mein Haus räumen.

Das erste “Ausrücken” am Morgen bei durchaus nennenswerter Schneemenge. Später kamen noch ca. 15 cm hinzu.
Im Gegensatz zum letzten Mal allerdings mit größeren Problemen: Der Schnee war relativ feucht und schwer. Durch die großen Schneemengen häuften sich auch sehr schnell richtige Berge vor dem Räumschild auf. Das Ergebnis: Schon nach wenigen Metern drehten die Hinterräder durch, bergauf ging so gut wie gar nichts.
Ich habe den Luftdruck ganz leicht reduziert, damit die Reifen mehr Aufstandsfläche haben. Allerdings sind die Reifen ohnehin sehr schmal und für den kleinen Traktor ziemlich dickwandig. Sie verformen sich also kaum, auch wenn ich Luft ablasse. Da müsste ich schon sehr viel ablassen, und dann hätte ich Angst, dass die Reifen auf der Felge durchdrehen und mir die Ventile aus den Schläuchen reißen. Deshalb habe ich die Schneeketten rausgekramt, die ich zum Traktor dazubekommen hatte. Sie waren schnell montiert und ich konnte mich wieder ins Schneetreiben stürzen.
Ein bisschen haben die Ketten gebracht, aber nicht genug. Klar, die ca. 10 cm Schnee auf der Fahrbahn konnte ich wegschieben, aber sobald sich ein bisschen was aufgetürmt hatte, war Schluss. Die Räder fanden nicht genug Grip, um die mittlerweile fast hüfthohen Schneeberge am Straßenrand zu bewegen.
Da muss man einfach realistisch sein: Ein Traktor, der vielleicht 500 kg wiegt, hat einfach nicht genug Anpressdruck für solche Aufgaben. Natürlich hätte ich noch ein paar Säcke Zement auf die Ackerschiene legen können. Oder mir Radgewichte besorgen. Aber dann wäre halt ein paar Meter weiter Schluss gewesen – und ich hätte obendrein Schäden am Traktor riskiert. Wozu? Wo doch der kommunale Winterdienst und die Landwirte im Dorf mit ihren Fahrzeugen die Lage gut im Griff hatten. Man muss ja nicht jeden Kampf bis zum bitteren Ende kämpfen. 😉
Übrigens: Der Umbau des Schiebeschildes hat leider nichts gebracht. Zumindest nicht in dieser Situation: Der Schnee hat sich beim Schieben so schnell aufgetürmt und verklumpt, dass er trotz des leicht schiefen Schildes nicht zur rechten Seite weggerutscht ist.
Planenstütze für den Traktoranhänger
Was dagegen wunderbar funktioniert hat, ist meine selbstgebaute Planenstütze. Beim letzten Schneefall vor ein paar Wochen hatte ich nämlich das Problem, dass der Schnee die Plane tief in den Hänger gedrückt hatte und sich dann sehr viel Wasser in der Kuhle sammeln konnte.
Ich habe mir deshalb aus einem Brett und zwei passenden Winkeln eine Strebe gebaut, die sich einfach oben auf die Bordwände stecken lässt und die Plane nach oben drückt.

Die Planenstütze werde ich vielleicht noch grau lackieren, wenn es wärmer wird. Dann ist sie besser vor Kondenswasser geschützt.
Heute ist in einer gewaltigen Dachlawine der gesamte, nasse und schwere Schnee vom Dach gerauscht. Genau auf den Hänger. Die Plane / Stütze hatte keine Probleme damit. Sehr schön.
Mit dem Gespann im Tiefschnee
Nachdem ich den Traktor an seine Grenzen gebracht hatte, wollte ich die Winterlandschaft auch noch mit dem Gespann erkunden. Nächste Woche steht nämlich wieder das Puristentreffen auf der Schwäbischen Alb an. Da kann es nicht schaden, das Moped vorher auf Herz und Nieren und Wintertauglichkeit zu testen.
Die Straßen waren nur mäßig geräumt und es hatte sich eine fiese Eisschicht gebildet. Immerhin war fast niemand unterwegs und ich hatte die Straße ganz für mich. Mit maximal Tempo 60 bin ich durch die Gegend gerutscht und hatte viel Spaß.
Nach ein paar Kilometern bin ich aber wieder umgekehrt. Mir was das Risiko zu groß, irgendwo aus der Kurve zu schlittern, einen Berg nicht hochzukommen oder in einen Graben zu fahren, weil ich den Straßenverlauf nicht mehr erkenne. Die Rettungs- und Pannendienste hatten auch ohne mich schon genug zu tun.
Also bin ich lieber über ein paar Feldwege geknattert. Da lagen aber mittlerweile ca. 25 cm Neuschnee, in Senken und Verwehungen auch einiges mehr. Irgendwann war dann Schluss: Einmal zum Stillstand gekommen ging nichts mehr, das Hinterrad dreht nur noch durch.
Zum Glück fahre ich seit Jahren eine Schneekette im Beiwagen spazieren und konnte diese nun endlich nutzen. Das Aufziehen war einerseits etwas fummelig, weil viel Schnee, der Seitenträger und der voluminöse Kotflügel das Hinterrad verbargen. Andererseits konnte ich das Rad ganz leicht von Hand durchdrehen, was das Aufziehen sehr vereinfacht hat.
Mit der Schneekette ging es dann erstaunlich leicht weiter. Sie hat zwar irgendwo am Kotflügel oder der Schwinge angeschlagen und musste außerdem nochmal nachgespannt werden, aber sorgte für zuverlässigen Vortrieb. Genial!
Dabei hab ich mir mal sagen lassen, dass Stollenreifen und Schneeketten nicht miteinander funktionieren. Sich in ihrer Wirkung sogar aufheben, weil sich die Kette in die Zwischenräume zwischen den Stollen legt. Tja, Theorie und Praxis. Hier hat’s geklappt.
Mal schauen, wie das Wetter nächstes Wochenende wird, wenn ich knapp 200 km zum Puristentreffen fahre und dort 2 Nächte zelte. Aktuell sind nachts leichte Minusgrade, tagsüber aber solide 5 Grad und mehr angesagt. Das könnte eine ziemliche Schlammschlacht werden. 🙁 Immer knapp unter Null, blauer Himmel und ein bisschen Schnee wären mir lieber. Wie auch immer es wird: Ich werde berichten. 😉



