Mein Eigenbau-Traktor mit EMW-Motor war von Anfang an eher als Spielerei gedacht. Ich hab ja keine Landwirtschaft und mit 6 km/h taugt er auch nur bedingt für Ausflüge. Diesen Winter zeigt er aber, dass er durchaus seinen Nutzen hat!
Im vorletzten Beitrag hatte ich noch geschrieben, dass er nicht einsatzfähig war. Er sprang seeeeehr schlecht an: Ich musste immer 10-15 Minuten kicken, bis er lief. Und dann ging er gerne unvermittelt aus und ließ sich nicht mehr starten. Alles Mist. Dementsprechend kam er letztes Jahr auch kaum zum Einsatz.
Also habe ich mich vor Kurzem auf die Fehlersuche gemacht und auch was gefunden: Die Zündkerze war total verrußt. Aber so richtig. Ich habe sie durch eine mit höherem Wärmewert ersetzt, die sich hoffentlich besser freibrennt. Und siehe da, der Traktor sprang wieder willig an und lief wunderbar!
Da war aber noch ein nerviges Problem: Sowohl der Hebel für die Zündzeitpunkt-Verstellung als auch der für das Handgas waren locker und mussten beim Fahren ständig festgehalten oder nachgestellt werden. Der für die Zündung ließ sich einfach festziehen, aber beim Handgas ging das nicht. Stattdessen habe ich mir einen modernen Gashebel besorgt, der sich arretieren lässt. Ist zwar nicht zeitgenössisch, funktioniert aber wunderbar.
Ich kann gar nicht sagen, was dieser Hebel für einen Unterschied macht! Beim Ankicken, beim Fahren, im Leerlauf – der Traktor macht genau das, was er soll, ohne dass man ständig nachregulieren muss. 🙂
Ausflüge und Holztransport
Also stand unserer jährlichen Tradition nichts mehr im Wege: Meine Kinder und ich sind mit dem Traktor in den Wald gefahren und haben unseren Weihnachtsbaum selbst ausgesucht und abgesägt.
Außerdem nutze ich den Traktor, um ca. 1 Mal pro Woche Feuerholz vom Holzplatz zu holen. Bei Schnee, Matsch und Eis ist da mit dem Auto kein Durchkommen. Das Gespann kommt zwar durch, bietet aber deutlich weniger Stauraum. Der Traktor ist hingegen perfekt: Er kommt bei jeder Witterung durch und kann ordentlich was transportieren. Und da es nicht weit ist, stört das geringe Tempo nicht.
Winterdienst!
Mein Highlight: Nach mehreren warmen Wintern war es endlich soweit und ich konnte den Räumschild ausprobieren.
Ich habe rund ums Haus ein bisschen geräumt und auch ein paar asphaltierte Rad- und Wanderwege freigeschoben, die der kommunale Winterdienst nicht bedient.
Dann ging es mit meinem Kleinen zum Rodeln.
Und auch mein Großer durfte mal fahren und hatte riesigen Spaß! (Mit 15 Jahren darf man zulassungsfreie Fahrzeuge mit 6 km/h legal fahren.)
Das war natürlich nur eine Spielerei und ich will dem offiziellen Winterdienst gar keine Konkurrenz machen. Aber ich war beeindruckt, wie gut das funktioniert! Der kleine Traktor schiebt wirklich haufenweise Schnee vor sich her, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Anheben und Ablassen des Schildes mithilfe des langen Hebels geht leicht und trotzdem feinfühlig. Mit etwas Übung klappt das Räumen richtig präzise und sauber, so dass man nicht mehr von Hand nacharbeiten muss.
Klar, der Schild ist viel schmaler als bei einem richtigen Räumfahrzeug. Um eine Fahrspur vom Schnee zu befreien, muss man 2x fahren. Damit kann ich leben. Problematischer finde ich, dass der Schild komplett gerade steht. Man schiebt den Schnee also nur vor sich her. Wenn der Berg zu groß ist, muss man seitlich ranfahren und den Schnee in den Graben schieben. Das müsste sich doch ändern lassen!
Die ganze Schild-Konstruktion ist sehr flexibel und hat viel Spiel in alle Richtungen. Ich habe deshalb einfach ein zweites Loch in die rechte Befestigungsstrebe gebohrt. Jetzt kann ich den Schild in zwei Positionen befestigen: Entweder schräg, um Schnee nach rechts zu schieben. Oder gerade, um z.B. Kies oder Erde zusammenzuschieben.
Nächstes Wochenende soll es wieder schneien. Ich bin gespannt, ob das wie gewünscht funktioniert. Und vielleicht schneit es ja sogar so viel, dass ich mal die Schneeketten testen kann?
Reifenpanne und Lehrgeld
Zwischendurch gab es aber noch ein Problem: Der Traktor hatte plötzlich einen Platten am linken Hinterrad. Ich habe es aufgepumpt und auf ein Wunder gehofft, aber am nächsten Morgen stand er wieder auf der Felge – und zischte vernehmlich neben dem Ventil raus.
Dazu sei erwähnt, dass ich – wie auch schon der Vorbesitzer – Schläuche mit ganz normalen, leicht seitlichen Gummiventilen verwendet habe. Die lassen sich mit etwas Nachdruck durch die Schlitze in den Felgen führen, stehen dabei aber etwas unter Spannung. Vielleicht halten die modernen Schläuche nicht so viel aus wie die alten. Oder ich habe bei der Montage Mist gebaut. (Wahrscheinlich letzteres.) Jedenfalls war der Schlauch nach knapp 2 Jahren im Eimer.
Ich hab das Rad abgeschraubt und die Sprengring-Felge zerlegt. Dann ging es nicht weiter. Selbst mit dem Abdrücker an meinem Reifenmontiergerät wollte der Reifen nicht von der Felge. Da ich nichts kaputtmachen wollte, habe ich das Rad zum Traktor-Profi gebracht.
Eine gute Entscheidung! Der Mann weiß offensichtlich, was er tut. Und hat das passende Werkzeug. 2 Tage später konnte ich das Rad abholen – mit passendem Wulstband und einem abgewinkelten Metallventil, das spannungsfrei in der Öffnung sitzt. So muss das sein! Jetzt bin ich nur gespannt, wie lange das andere Hinterrad noch durchhält, bis da das Gleiche ansteht. 😉
Zweiter Frühling
Zwischenzeitlich hatte ich mich schon gefragt, wie es mit dem Traktor weitergehen soll. Ob ich ihn nicht verkaufen soll. Er stand nur rum, nahm viel Platz weg und funktionierte nicht zuverlässig. Aber jetzt bin ich wieder richtig begeistert: Er läuft super und lässt sich auch bei -10°C starten. Ich habe ein paar Aufgaben für ihn gefunden, für die er perfekt geeignet ist. Meine Jungs mögen ihn wieder. Und das Wichtigste: Ich habe richtig viel Spaß mit ihm! So soll es sein. 🙂








Freut mich, dass du sinnvolle Einsatzzwecke für den Traktor gefunden hast. Berichte bitte weiter. Ich lese immer regelmäßig deine Berichte und hatte mir auch etwas mehr Berichte von deiner Hausrenovierung erhofft. Das war ja schon eine herrausfordernde Baustelle.
Gruß Thom
Hi Thom, danke für Deinen Kommentar! Ich hab mir fest vorgenommen, hier wieder mehr zu schreiben. Die Haus-Baustelle habe ich aber bewusst nicht groß thematisiert: Während der Zeit war einfach zu viel Stress, zu viel gleichzeitig, zu viel im Ungewissen. In vielerlei Hinsicht eine harte Zeit. Da hatte ich einfach keine Zeit und keine Nerven, das auch noch hier auszubreiten. Zumal das ja ein Motorradblog sein soll. 😉