Schwergängiger Gasgriff?

Der Gasgriff an meinem MZ-Gespann sitzt manchmal fest. Ich muss dann mehr Kraft aufwenden und ihn auch selbst zurückdrehen, weil die Federkraft des Vergasers dafür nicht mehr ausreicht. Mit ein bisschen Bastelei habe ich das Problem jetzt (hoffentlich!) lösen können.

Das Problem

Ich hab an meiner ES 250/2 noch den originalen Gasgriff mit innenliegendem Bowdenzug. Der Zug hängt in einem Schieber, der in einem Schlitz im Lenker hin- und herrutschen kann. Bewegt wird er durch einen spiralförmigen Einsatz in der Gasgriffhülse.

Gasgriff MZ ES 250/2 Distanzscheiben

Diese Konstruktion ist nicht optimal. Ich vermute, dass die MZ-Ingenieure das nur aus optischen Gründen gemacht haben. Eine möglichst aufgeräumte Optik mit versteckten Kabeln und Zügen war nach dem Krieg der letzte Schrei; die Motorräder sollten dadurch unkomplizierter aussehen.

Dafür hat man auch die vielen Nachteile in Kauf genommen: Die Montage ist deutlich aufwändiger, da der Zug erst durch die Lampenverkleidung und den Lenker gefummelt werden muss. Außerdem muss dazu der Ochsenaugen-Blinker demontiert werden, um den Gasgriff abnehmen zu können. Ein gerissener Gaszug lässt sich also nicht in 5 Minuten am Straßenrand tauschen und auch das Schmieren des Zuges braucht seine Zeit. Und während ein normaler, sogenannter „Reißgasgriff“ nahezu wartungsfrei ist, muss der Gasgriff mit Schieber immer gut geschmiert sein, damit er „flutscht“.

Das hat man auch bei MZ erkannt und allen folgenden Modellen einen „normalen“ Gasgriff spendiert. Eine Nachrüstung an die „Eisenschweine“ ist möglich und wurde auch gerne gemacht. Ich hingegen finde die originale Optik schön und habe es deshalb so gelassen.

Anfangs hatte ich mit dem Griff wenig Probleme. Alle 1-2 Jahre mal zerlegen, reinigen, schmieren – fertig. Aber die Wartungsintervalle wurden immer kürzer. Zwischenzeitlich habe ich den Griff alle paar Wochen zerlegt, weil er mal wieder schwergängig war. Da mir das zu nervig war, habe ich irgendwann eine Flasche Sprühöl in den Beiwagen gepackt und z.B. an roten Ampeln ein bisschen Öl zwischen Griffgummi und Armatur gesprüht. Das hat dann wieder ein paar Tage bzw. bis zum nächsten Regen funktioniert. Auf Dauer war das aber keine Lösung.

Die Ursache

Als Ursache für die Schwergängigkeit habe ich den Griffgummi ausgemacht. Der wird vom Gaszug gegen die Armatur gedrückt und frisst sich dadurch geradezu hinein. Wahrscheinlich ist die Oberfläche über die Jahre poröser oder rauer geworden, was das Problem verschärft hat.

Gasgriff MZ ES 250/2 Distanzscheiben

Ein neuer Gummi hätte vermutlich wieder ein paar Jahre Ruhe gebracht, aber ich hab mir was Anderes und hoffentlich Dauerhafteres überlegt.

Die Lösung

Ich habe mir Passscheiben besorgt, die auf die Gasgriffhülse passen.

Gasgriff MZ ES 250/2 DistanzscheibenInnendurchmesser 28 mm, Außendurchmesser 40 mm (relativ egal, kann auch größer oder kleiner sein), Stärke 0,2 mm (im Prinzip auch egal). Die kosten nur ein paar Cent. (Und wenn man ganz charmant lächelt, bekommt man die sogar geschenkt.)

Gasgriff MZ ES 250/2 Distanzscheiben

Davon habe ich zwei zwischen Griffgummi und Armatur gesetzt. Warum gleich zwei? Damit sie sich auch gegeneinander verdrehen können. Ob das wirklich nötig ist, weiß ich nicht. Es kann aber meines Erachtens nicht schaden.

Gasgriff MZ ES 250/2 Distanzscheiben

Die Griffarmatur musste ich entsprechend nach links verschieben, damit der Gasgriff ausreichend Spiel hat.

Gasgriff MZ ES 250/2 DistanzscheibenSo sieht das dann aus.

Bis jetzt funktioniert es perfekt: die Reibung zwischen Alu und Gummi ist weg; der Gasgriff lässt sich leicht drehen und geht auch von alleine in die Ausgangsstellung zurück. Das macht den Griff sicher nicht wartungsfrei, aber die Wartungsintervalle dürften (hoffentlich) wieder im Bereich mehrerer Jahre liegen. Und billiger als ein neuer Griffgummi war es allemal.

 

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